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Hohe Spritpreise befeuern Nachfrage nach gebrauchten E-Autos

Steigende Benzinpreise treiben Verbraucher in Richtung Elektromobilität – gebrauchte E-Autos verzeichnen rasanten Nachfrageanstieg.

Hohe Spritpreise befeuern Nachfrage nach gebrauchten E-Autos

Der Schock an der Zapfsäule wirkt wie ein Turbo für den Gebraucht-E-Auto-Markt. Auf der Plattform mobile.de hat sich der Anteil der Suchanfragen nach Elektrofahrzeugen innerhalb von nur 18 Tagen im März im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Februar verdreifacht – von zwölf auf 36 Prozent. Gleichzeitig verzeichneten Autohändler 66 Prozent mehr Anfragen zu gebrauchten Elektrofahrzeugen.

„Wir sehen, dass die hohen Benzinpreise derzeit wie ein Katalysator für die Elektromobilität wirken", sagt Nils Möller von mobile.de. Eine begleitende Umfrage der Plattform zeigt: Knapp die Hälfte der Deutschen lässt sich bei der Wahl des Antriebs von der aktuellen weltpolitischen Lage beeinflussen – ein deutliches Signal, wie stark externe Faktoren Kaufentscheidungen prägen.

Wachsendes Angebot drückt die Preise

Der Aufschwung kommt nicht aus dem Nichts. In den vergangenen Jahren ist das Angebot an gebrauchten Elektrofahrzeugen kontinuierlich gewachsen. Immer mehr Leasingfahrzeuge kehren auf den Markt zurück, und Hersteller haben ihre Produktionskapazitäten deutlich ausgebaut. Das Ergebnis: Gebrauchte E-Autos sind heute oft erheblich günstiger als noch vor wenigen Jahren.

Martin Endlein, Leiter der Unternehmenskommunikation bei der Deutschen Automobil Treuhand (DAT), bringt es auf den Punkt: „Gebrauchte E-Autos gewinnen über die Jahre hinweg immer mehr an Popularität, weil die Menschen diese Mobilität für ihren Alltag gut finden und sie nun auch bezahlbar wird." Für viele Haushalte ist ein gebrauchter Stromer damit erstmals eine realistische Option.

Neben dem Anschaffungspreis überzeugen Elektrofahrzeuge auch bei den laufenden Kosten. Strom ist in vielen Szenarien – insbesondere beim Laden zu Hause oder mit günstigen Tarifen – deutlich günstiger als Benzin oder Diesel. Gerade in Zeiten historisch hoher Kraftstoffpreise fällt dieser Vorteil besonders ins Gewicht.

Interesse wächst – aber führt es auch zu mehr Käufen?

Dennoch mahnt Endlein zur Vorsicht bei allzu optimistischen Prognosen: „Wir gehen nicht davon aus, dass der Impuls der hohen Spritpreise direkt dazu führt, dass mehr E-Autos gekauft werden. Ich glaube aber, dass sich die Menschen dadurch intensiver mit dem E-Auto-Markt beschäftigen." Der aktuelle Boom könnte also vor allem ein Bewusstseinswandel sein – mit mittelfristigen Auswirkungen auf die Kaufentscheidungen.

Das Vertrauen in die Elektrotechnik selbst wächst unterdessen stetig. Viele Gebrauchtfahrzeuge verfügen inzwischen über geprüfte Batteriezustände und Herstellergarantien, die Käufern zusätzliche Sicherheit geben. Das war noch vor einigen Jahren ein zentrales Hemmnis für den Kauf eines gebrauchten Stromers.

Ladeinfrastruktur: Skepsis trotz Rekordausbau

Ein hartnäckiges Vorurteil bleibt die angeblich unzureichende Ladeinfrastruktur. Endlein berichtet, dass viele Verbraucher, die sich gegen ein E-Auto entschieden haben, als Hauptgrund angeben: „Solange ich nicht zu Hause laden kann, kommt ein E-Auto nicht in Frage." Das Misstrauen gegenüber öffentlichen Ladestationen ist weit verbreitet.

Dabei sind die Fakten eindeutig. Beatrix Keim, Direktorin des Center Automotive Research, verweist auf aktuelle Zahlen: „Wir haben in Deutschland, Stand Februar, 100.000 Ladeeinrichtungen – im Vergleich dazu nur 14.800 Tankstellen. Da kann man wohl nicht mehr von einer Unterrepräsentation sprechen." Zusätzlich strebt die Bundesregierung an, bis 2030 ein flächendeckendes Netz aus einer Million Ladepunkten zu errichten.

Die strukturellen Voraussetzungen für Elektromobilität in Deutschland sind damit so gut wie nie zuvor. Ob das gestiegene Interesse der vergangenen Wochen in handfeste Kaufentscheidungen mündet, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für Anleger, die den Sektor im Blick behalten, bleibt die Entwicklung des Gebrauchtwagenmarkts ein wichtiger Frühindikator für die breite Akzeptanz der Elektromobilität.

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