Hohe Goldpreise treiben Luxusuhren in den Schmelzofen
Steigende Goldpreise machen den Metallwert klassischer Uhren wertvoller als ihren Wiederverkaufspreis – mit irreversiblen Folgen.

Die Goldpreise nahe ihrer Rekordhochs sorgen für einen beunruhigenden Trend in der Luxusuhrenbranche: Klassische Zeitmesser von Marken wie Omega und TAG Heuer werden eingeschmolzen, weil ihr Goldgehalt ihren Wiederverkaufswert übersteigt. Betroffen sind vor allem gebrauchte Modelle, die noch keinen Sammlerstatus erreicht haben – darunter ikonische Uhren, die einst Stars wie George Clooney und Nicole Kidman trugen.
Ein konkretes Beispiel liefert der britische Händler Jon White von Gold Traders: Im Mai schmolz er eine 18-karätige Omega Constellation aus den späten 1970er Jahren ein – in exzellentem Zustand. Der Goldgehalt der Uhr war 5.750 britische Pfund (rund 7.749 US-Dollar) wert. Ihr geschätzter Auktionswert lag hingegen nur bei 4.000 bis 4.500 Pfund – ein Unterschied von 35 Prozent. „Eine wunderschöne Uhr. Aber was hätte der Kunde realistisch gesehen erzielt, wenn er sie zur Auktion gegeben hätte?", sagte White gegenüber Reuters.
White, der auch ein Auktionshaus leitet, ließ in diesem Jahr bereits Dutzende gängiger Luxusuhren verschrotten. Die gestiegene Nachfrage nach Anlagegold macht das Einschmelzen schlicht zur wirtschaftlich rationalen Entscheidung – auch wenn der kulturelle Verlust erheblich ist.
Goldpreise fast doppelt so hoch wie 2024
Der Hintergrund: Die Goldpreise erreichten im Januar 2025 ein Rekordhoch von 5.600 US-Dollar pro Unze, angetrieben von geopolitischen Sorgen und Handelsängsten, die Anleger in sichere Häfen wie Edelmetalle trieben. Aktuell notiert Gold bei rund 4.200 US-Dollar pro Unze – fast doppelt so hoch wie der Durchschnittswert des Jahres 2024. Der Markt für gebrauchte Uhren hat diese Preisentwicklung hingegen nicht nachvollzogen.
James Lamdin, Gründer von Analog Shift, der Gebrauchtuhren-Sparte von Watches of Switzerland, bestätigt den Trend. Das Einschmelzen finde „vor allem bei zeitgenössischen Uhren aus Vorbesitz sowie bei älteren Vintage-Uhren statt, die noch keine Sammlerstücke sind", erklärte er gegenüber Reuters. Der Unterschied zwischen Sammlerstück und gewöhnlicher Gebrauchtuhr entscheidet damit über das Schicksal eines Zeitmessers.
Uhren können dabei alles enthalten – von einem minimalen Goldanteil bis hin zu mehr als 200 Gramm des Edelmetalls. Das bedeutet, dass ihr reiner Materialwert in die Zehntausende gehen kann. Für Händler und Privatpersonen, die ihre Uhren zu Geld machen wollen, ist die Rechnung damit oft eindeutig.
Branche schweigt, Experten sind besorgt
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Zur AktienanalyseOffizielle Reaktionen aus der Uhrenindustrie bleiben aus. Sprecher von Swatch und Rolex erklärten, sie würden sich zu diesem Thema nicht äußern. LVMH, Richemont, Patek Philippe und Audemars Piguet reagierten nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme. Die Hersteller der betroffenen Marken halten sich damit bedeckt.
Uhrenhistoriker Adrian Hailwood bringt die Tragweite des Trends auf den Punkt: „Ich finde es sehr traurig, denn wenn etwas erst einmal eingeschmolzen ist, ist es offensichtlich für immer weg." Genaue Zahlen darüber, wie viele Luxusuhren tatsächlich eingeschmolzen werden, gibt es nicht.
Daten des World Gold Council zeigen jedoch, dass das gesamte Goldrecycling im ersten Quartal um 5 Prozent auf 366 Tonnen gestiegen ist. Die Nachfrage nach Goldschmuck nahm wertmäßig um 31 Prozent auf 47 Milliarden US-Dollar zu – ein Zeichen dafür, dass der Trend zum Einschmelzen von Schmuck und Uhren kein Einzelphänomen ist, sondern Teil einer breiteren Bewegung hin zu Anlagegold.


