Hochpotentes Cannabis erhöht Psychoserisiko dramatisch – Studie warnt
Der THC-Gehalt in Cannabis hat sich in 20 Jahren verfünffacht – mit gravierenden Folgen für die psychische Gesundheit junger Konsumenten.

Cannabis ist heute ein grundlegend anderes Produkt als noch vor zwei Jahrzehnten. Laut einer im Canadian Medical Association Journal veröffentlichten Studie ist der THC-Gehalt in Kanada von rund 4 Prozent in den frühen 2000er-Jahren auf etwa 20 Prozent in den meisten legalen getrockneten Cannabisprodukten gestiegen. Diese Entwicklung hat nach Einschätzung der Forscher weitreichende Konsequenzen für die psychische Gesundheit – insbesondere bei jungen und häufigen Konsumenten.
„Cannabis aus den 2000er Jahren ist nicht dasselbe wie im Jahr 2025", betont Dr. Nicholas Fabiano, Assistenzarzt und Forscher am Department of Psychiatry der University of Ottawa. „Der THC-Gehalt hat sich verfünffacht. Dies ist wahrscheinlich ein wesentlicher Treiber für den zunehmenden Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Schizophrenie."
Erschreckende Zahlen aus einer Millionen-Studie
Besonders alarmierend sind die Ergebnisse einer aktuellen Studie mit 9,8 Millionen Personen in der kanadischen Provinz Ontario. Demnach haben Personen, die wegen Cannabiskonsums eine Notaufnahme aufsuchten, ein 14,3-fach höheres Risiko, eine Störung aus dem Schizophrenie-Spektrum zu entwickeln. Noch drastischer fällt das Risiko bei Besuchen aus, die auf eine cannabisinduzierte Psychose zurückzuführen waren: Hier lag das erhöhte Risiko bei einem 241,6-fachen Wert gegenüber der Normalbevölkerung.
Die Studie, verfasst von Sophie Li, Marco Solmi, Daniel T. Myran und Nicholas Fabiano, wurde am 11. August 2025 im CMAJ veröffentlicht. Sie fasst den aktuellen Forschungsstand zu Cannabis und Psychose zusammen und richtet sich an Ärzte, Patienten und die breite Öffentlichkeit.
Laut den Forschern ist das Psychoserisiko besonders erhöht bei folgenden Gruppen:
- Personen, die hochpotentes Cannabis mit mehr als 10 Prozent THC konsumieren
- Häufige und regelmäßige Konsumenten
- Jüngere Konsumenten
- Männliche Konsumenten
- Personen mit einer Vorgeschichte psychischer Störungen wie Depressionen oder Angstzuständen
Behandlung erfordert konsequenten Verzicht
Die Forscher betonen, dass eine wirksame Behandlung in erster Linie das vollständige Absetzen von Cannabis erfordert. Wer nach einer ersten Episode einer cannabisinduzierten Psychose weiter konsumiert, trägt ein deutlich erhöhtes Risiko für wiederkehrende Symptome. Bei schweren und anhaltenden Beschwerden können antipsychotische Medikamente eingesetzt werden.
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Zur AktienanalyseNeben der medikamentösen Behandlung stehen auch verhaltenstherapeutische Ansätze zur Verfügung. Motivierende Gesprächsführung sowie kognitive Verhaltenstherapie durch Ärzte oder Psychologen können Betroffenen helfen, Fähigkeiten zu entwickeln, um dem Verlangen zu widerstehen und Behandlungsempfehlungen konsequent zu befolgen.
Die Erkenntnisse sind auch für Deutschland relevant, wo Cannabis seit April 2024 für Erwachsene in begrenztem Umfang legalisiert wurde. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit und dem steigenden THC-Gehalt in Cannabisprodukten wächst auch hierzulande die Notwendigkeit, über die psychischen Risiken des Konsums aufzuklären – vor allem bei jungen Menschen.


