Hitzewellen legen Technologie und Infrastruktur weltweit lahm
Extreme Temperaturen bringen Transformatoren, IT-Systeme und Kraftwerke an ihre Grenzen – mit gravierenden Folgen für die Versorgungssicherheit.

Als am 23. Juni einer der heißesten Tage in der Geschichte Frankreichs anbrach, versagte in der bretonischen Stadt Ergué-Gabéric ein elektrischer Transformator. Die Ursache: extreme Temperaturen von rund 40 Grad Celsius. Mehr als 100.000 Menschen waren zeitweise ohne Strom.
In sozialen Medien kursierende Videos zeigten eine Rauchwolke, die von der betroffenen Anlage aufstieg. Eine Sprecherin des französischen Energieunternehmens RTE bestätigte gegenüber der BBC, dass das Video eine der eigenen Anlagen zeige. Pikant dabei: Noch am Tag vor dem Vorfall hatte RTE erklärt, es gebe „keine Bedenken" hinsichtlich der Stromverfügbarkeit im gesamten Netz in diesem Sommer.
Technik hat ihre eigenen Temperaturgrenzen
So wie Menschen bei extremer Hitze an ihre körperlichen Grenzen stoßen, gilt das auch für technische Geräte und Infrastruktur. Elektro- und Telekommunikationsgeräte sowie Eisenbahnsignalschränke geraten während einer Hitzewelle manchmal ins Stocken. Extreme Temperaturen können sogar Alarmsysteme auslösen.
Besonders deutlich wurde das zuletzt in England: Sechs NHS-Trusts riefen einen kritischen Vorfall aus, nachdem das heiße Wetter ihre IT-Systeme, Scanner sowie Krebs- und Laborgeräte beeinträchtigt hatte. Das zeigt, dass hitzebedingte Technikprobleme weit über die Energieversorgung hinausgehen und unmittelbar lebensrelevante Bereiche treffen können.
Stromnetz und Kraftwerke unter Druck
Iain Staffell vom Imperial College London erklärt die physikalischen Zusammenhänge: „Alles, was mit dem Stromnetz zu tun hat – die Leitungen, die Verbindungsleitungen und Transformatoren – hat Schwierigkeiten, sich ausreichend zu kühlen. Es verringert die Effizienz von allem."
Staffell und seine Kollegen schätzen, dass bei Temperaturen von 40 Grad Celsius die Leistung von Gaskraftwerken im Vergleich zu 20 Grad Celsius um etwa 10 Prozent sinkt. Auch Solarmodule verlieren bei steigenden Temperaturen an Wirkungsgrad, wobei dieser Effekt bei neueren Modulen weniger stark ausgeprägt ist. Die Auswirkungen hoher Temperaturen auf die Solarenergie in Großbritannien sind laut Staffell dennoch klar in den Daten sichtbar.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseKlimawandel zwingt Ingenieure zum Umdenken
Häufigere und intensivere Hitzewellen, die durch den vom Menschen verursachten Klimawandel ausgelöst werden, stellen Ingenieure vor wachsende Herausforderungen. Die bestehende Infrastruktur wurde in vielen Teilen Europas für gemäßigtere Temperaturen ausgelegt – und muss nun zunehmend angepasst werden.
Für deutsche Privatanleger und Verbraucher ist das ein relevantes Thema: Auch hierzulande werden Hitzesommer häufiger. Die Ereignisse in Frankreich und England zeigen, dass selbst gut ausgebaute Versorgungsnetze unter extremen Bedingungen an ihre Grenzen stoßen können. Investitionen in hitzeresistente Infrastruktur und Energietechnologie dürften in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.


