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Hilton startet Budget-Hotelkette in Deutschland

Konkurrenz für Motel One: Expansion globaler Hotelkonzerne im Budget-Segment

Hilton startet Budget-Hotelkette in Deutschland

Der deutsche Pionier der Budget-Hotels muss sich auf neue Konkurrenz durch globale Hotel-Konzerne einstellen. Bislang ist es meist gediegener Luxus, für den der US-Hotelriese Hilton mit seinen 43 Häusern in Deutschland steht. Dessen „Waldorf Astoria“ in Berlin und ab 2025 das „Conrad“ in Hamburg bedienen die Spitzenklasse. Umso mehr dürfte die Nachricht überraschen, dass die Amerikaner hierzulande ihr erstes europäisches Budget-Hotel starten werden – und das im Heimatmarkt des Konzepterfinders Motel One.

Europachef David Kelly verrät den Namen der Hotelmarke, die ab Oktober über einem aktuell im Umbau befindlichen Haus in Stuttgart-Sindelfingen leuchten soll: „Spark by Hilton“. Die Herberge mit 103 Zimmern untersteht dem Berliner Hotelbetreiber Aspire, der das Konzept per Franchisevertrag übernimmt. Der US-Konzern, der schon vor dieser Ankündigung 17 deutsche Häuser in der festen Planung besaß, verstärkt damit in der Bundesrepublik seine Aktivitäten zusätzlich. „Wir sehen Deutschland als Eckstein und Fundament für unsere Wachstumschancen in Kontinentaleuropa“, sagt Kelly.

Die Zahl der in Europa geplanten „Spark“-Hotels, die mit praktischer Ausstattung, hellen Bädern, einem Frühstücksbuffet und kleinen 24-Stunden-Supermärkten glänzen sollen, hält der US-Konzern noch unter Verschluss. Einen Anhaltspunkt aber könnte das hohe Tempo in den USA geben. Dort startete das erste „Spark“ im vergangenen Jahr, seither folgten 49 Häuser. „Aktuell haben wir für die neue Premium-Economy-Marke 50 Hotels in Betrieb, der Großteil davon in den USA, sowie 175 Häuser in der Entwicklung“, sagt Kelly.

Auch der britische Hotelkonzern Intercontinental Hotel Group (IHG), weltweit nach Hilton die Nummer vier, legt in Deutschland kräftig zu. Mitte April verkündete Vorstandschef Elie Maalouf, er werde die gut 100 Häuser der Hamburger Novum-Gruppe per Franchise-Vertrag unter sein Markendach nehmen. Der Konzern verdoppelt damit seine Präsenz in Deutschland. In der Folge firmieren 52 „Niu“-Hotels künftig unter „Holiday Inn – the niu“. Weitere Novum-Häuser, die mit Namen wie „Yggotel“ oder „Select“ um Kundschaft werben, werden in die IHG-Marke „Garner“ überführt. Andere Hotels des Novum-Firmeneigentümers David Etmenan nennen sich demnächst „Candlewood Suites“.

Gleichzeitig überzieht der britische Whitbread-Konzern Deutschland seit der Coronapandemie mit Budget-Häusern, die er unter der Marke „Premier Inn“ vermarktet. 58 von ihnen gebe es bereits, betonte kürzlich Ex-Tui-Hotelchef Erik Friemuth, der seit Jahresbeginn die Deutschlandexpansion vorantreibt. Fünf weitere sollen bis Jahresende eröffnen. Die Angelsachsen wie Hilton, IHG oder Whitbread profitieren von der Schwäche deutscher Wettbewerber. Das gilt auch für Novum-Eigentümer Etmenan, der während der Finanzkrise 2009 zahlreiche renditeschwache Hotels zum Schnäppchenpreis übernahm und damit ein Imperium aufbaute. Doch während der Coronakrise gingen den Hamburgern die Kundschaft und das Kapital aus.

Nach einem Konzernverlust von insgesamt 122 Millionen Euro in den Jahren 2020 und 2021 stand das Eigenkapital am Ende bei null. „Viele Häuser leiden unter einem Investitionsstau“, berichtet ein Wettbewerber. Die Kooperation mit IHG werten Branchenbeobachter daher als Rettungsanker. Vorbild dürfte der Deal der Düsseldorfer Hotelgruppe Lindner gewesen sein, deren Eigenkapital ebenfalls aufgezehrt war. Die familiengeführte Aktiengesellschaft hatte sich nach den verlustreichen Jahren 2020 und 2021 vor zwei Jahren an Hyatt gewandt. Der US-Hotelgigant verabredete mit Lindner, dessen 25 deutsche und weitere zehn ausländische Häuser unter das Dach des US-Konzerns zu nehmen. Die Amerikaner liefern den Düsseldorfern reichlich Fremdkapital für Renovierungen und weitere Expansionen, stülpen ihnen dafür aber ihr eigenes Hotelkonzept über und beteiligen sie am Bonusprogramm „World of Hyatt“. Im Gegenzug zahlt ihnen Lindner nun eine Franchisegebühr.

Der börsennotierte Übernachtungskonzern aus Chicago, der zwischen Hamburg und München bis Herbst 2022 auf gerade einmal neun Häuser kam, will die Zahl seiner deutschen Standorte auf etwa 66 steigern, wie Hyatt-Europa-Chef Javier Aguila verriet. Die heimische Konkurrenz hält sich dagegen mit der Expansion im eigenen Land auffällig zurück. So investiert etwa die Kölner Hotelgruppe Dorint, einer der umsatzstärksten deutschen Übernachtungsanbieter, ihr Geld vorzugsweise im deutschsprachigen Ausland. Der Markt in der Schweiz sei sicher und vor allem hochpreisiger als in Deutschland, heißt es im Unternehmen. Auch die Standorte in Österreich liefen hervorragend. Das Dorint im hochwassergeschädigten Bad Neuenahr steht dagegen selbst drei Jahre nach der Flutkatastrophe immer noch leer und wird vermutlich nicht mehr bezogen.

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