Heathrow darf 320 Millionen Pfund über Passagiergebühren zurückfordern
Die britische Luftfahrtaufsicht erlaubt Heathrow, Planungskosten für die dritte Landebahn auf Flugtickets umzulegen.

Der Londoner Flughafen Heathrow erhält grünes Licht, um die Kosten der frühen Planungsphase für seine dritte Start- und Landebahn über höhere Flughafengebühren zurückzufordern. Die britische Zivilluftfahrtbehörde (Civil Aviation Authority, CAA) genehmigt dem Flughafen, bis zu 320 Millionen Britische Pfund durch erhöhte Gebühren pro Passagier einzutreiben. Diese Mehrkosten dürften sich letztlich in höheren Ticketpreisen für Flugreisende niederschlagen.
Tim Johnson, Direktor für Verbraucher und Märkte bei der CAA, erklärte gegenüber der BBC: „Wir haben angekündigt, dass die erste Tranche der Kosten, die der Planung dienen soll, von den Passagieren zurückgefordert werden kann. Dies beläuft sich auf maximal 320 Millionen Britische Pfund." Johnson betonte zugleich, die Entscheidung „schafft ein Gleichgewicht zwischen der Unterstützung von Vorteilen für die Verbraucher durch zeitnahe Fortschritte beim Ausbau von Heathrow und dem gleichzeitigen Schutz vor unangemessenen Kostensteigerungen".
Die erstattungsfähigen Kosten beziehen sich zum jetzigen Zeitpunkt ausschließlich auf die frühe Planungs- und Entwurfsphase der Landebahn in den Jahren 2025 und 2026. Auch ein unterlegener Bieter profitiert von der Entscheidung: Die Arora Group, die mit ihrem Alternativprojekt „Heathrow West" eine kürzere Landebahn vorgeschlagen hatte, darf Kosten in Höhe von 4,1 Millionen Britischen Pfund geltend machen. Heathrow kann diese Kosten ebenfalls über eine Erhöhung seiner Flughafengebühren einziehen.
Konkrete Auswirkungen auf Ticketpreise
Die CAA beziffert die konkreten Folgen für Passagiere: Die maximale Flughafengebühr pro Passagier soll im Jahr 2028 um etwa 15 Pence steigen. In den Folgejahren wird ein weiterer Anstieg auf schätzungsweise 30 Pence erwartet. Für Vielflieger und Familien summieren sich solche Aufschläge über viele Reisen hinweg zu spürbaren Mehrkosten.
Um Verbraucher vor übermäßigen Belastungen zu schützen, kündigten CAA und Heathrow verschiedene Sicherheitsvorkehrungen an. Diese umfassen Transparenz- und Berichterstattungspflichten sowie die Prüfung durch unabhängige Experten, die die Kosteneffizienz des Projekts überwachen sollen.
Milliardenprojekt mit langer Vorgeschichte
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDas Vorhaben, Heathrow um eine dritte Landebahn zu erweitern, ist eines der größten und umstrittensten Infrastrukturprojekte Großbritanniens. Im November vergangenen Jahres entschied die britische Regierung, den eigenen Plan von Heathrow dem Alternativvorschlag der Arora Group vorzuziehen. Das Verkehrsministerium begründete dies damit, dass der Heathrow-Vorschlag die am ehesten realisierbare Option darstelle und die „größte Wahrscheinlichkeit" biete, noch innerhalb der laufenden Legislaturperiode eine Entscheidung über die Planungsgenehmigung zu erhalten. Das Gesamtprojekt ist mit 33 Milliarden Britischen Pfund veranschlagt.
Die Regierung strebt eine Planungsentscheidung bis zum Jahr 2029 an. Fluggesellschaften, die Heathrow bereits heute als das teuerste Drehkreuz der Welt bezeichnen, haben wiederholt ihre Besorgnis geäußert, dass die Ausbaupläne den Flughafen noch kostspieliger machen werden. Die nun genehmigte Kostenrückforderung dürfte diese Kritik weiter befeuern – auch wenn die Aufsichtsbehörde betont, die Verbraucherinteressen im Blick zu behalten.


