HDD-Markt: Engpässe und Preisanstieg bis mindestens 2028 erwartet
Morgan Stanley warnt: Festplatten-Engpässe verschärfen sich – Preise könnten sich in wenigen Jahren verdoppeln.

Der Markt für Festplattenlaufwerke (HDD) steht vor einer anhaltenden Angebotskrise. Laut einer aktuellen Analyse von Morgan Stanley, die auf Überprüfungen in Asien der vergangenen drei Wochen basiert, verlängert sich der HDD-Zyklus deutlich – mit größeren Engpässen, die nun bis mindestens zum Kalenderjahr 2028 erwartet werden. Gleichzeitig festigen sich die Preise spürbar.
Aktuell liegen die HDD-Preise laut den MS-Analysten bei knapp unter 15 US-Dollar pro Terabyte Speicherplatz. Auf Basis von Gesprächen mit taiwanischen Herstellern gehen die Analysten jedoch davon aus, dass sich dieser Preis in den nächsten Jahren verdoppeln könnte. Treiber sind die wachsende Nachfrage durch Cloud-Dienste sowie der steigende Bedarf durch KI-Inferencing und Agenten-Anwendungen.
Festplatten als stilles Rückgrat der KI-Infrastruktur
Festplatten mögen im Vergleich zu Solid-State-Drives oder modernen Arbeitsspeicherlösungen wenig glamourös wirken – doch sie sind unverzichtbar. Die langsamen, aber hochkapazitiven Speichermodule werden massenhaft eingesetzt, um die enormen Datenmengen zu speichern, die zum Training großer Sprachmodelle (LLMs) benötigt werden. Morgan Stanley bezeichnet HDDs treffend als den unterschätzten, aber essenziellen Baustein des aktuellen KI-Investitionszyklus.
Die Analysten nennen zwei zentrale Faktoren für die Preisentwicklung: Erstens verstärkt sich die HDD-Nachfrage durch die Outperformance von Core-Cloud-Diensten sowie durch wachsende Nachfrage nach Inferencing und KI-Agenten, was die Lieferengpässe weiter verschärft. Zweitens verleihen stärkere Nachfrage, die Einführung von Laufwerken mit höherer Kapazität und steigende NAND-Preise den HDD-Anbietern die Überzeugung, die Preise in den nächsten zwei bis drei Jahren deutlich anzuheben – allerdings in einer kontrollierten und vorhersehbaren Weise.
Kaum Hoffnung auf neue Anbieter
Die Chancen auf einen Wettbewerber, der das bestehende HDD-Oligopol aufbricht, stuft Morgan Stanley als gering ein. WDC-CEO Irving Tan erläuterte gegenüber den Analysten, dass die Hürden für neue Marktteilnehmer nicht primär finanzieller Natur sind. Vielmehr sind es drei strukturelle Barrieren:
- Die Zeit, die benötigt wird, um zur nächsten Generation des führenden Knotens überzugehen – die Qualifizierung der HAMR-Technologie dauerte über zehn Jahre
- Die Notwendigkeit, Technologien aus verschiedenen Wissensgebieten wie Magnetik, Materialwissenschaft, Photonik und Nanofabrikation vertikal zu integrieren
- Ein Mangel an breiten Lieferkettenkapazitäten – die HDD-Lieferkette ist stark konsolidiert und weist heute nur begrenzte Unterauslastung auf
Folgen für Endverbraucher und OEMs
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Zur AktienanalyseDie anhaltenden Lieferengpässe im Technologiesektor könnten auch Auswirkungen auf Endgeräte haben. Morgan Stanley weist darauf hin, dass OEMs angesichts steigender Komponentenkosten möglicherweise entscheiden, Geräte ohne verbesserte Prozessoren oder zusätzlichen Speicher auf den Markt zu bringen. Sollten Preise und Softwareanforderungen weiter steigen, könnte eine Dynamik entstehen, die Elemente von „Shrinkflation" – weniger Leistung zum gleichen Preis – mit einer allgemeinen Qualitätsverschlechterung verbindet.
Für Investoren und Unternehmen außerhalb der großen Hyperscaler bedeutet die Analyse: Der Engpass bei Hardware-Komponenten ist kein kurzfristiges Phänomen. Die strukturellen Ursachen – ein konsolidierter Markt, hohe Eintrittsbarrieren und eine durch KI angeheizte Nachfrage – dürften den Druck auf Verfügbarkeit und Preise noch für mehrere Jahre aufrechterhalten.


