Hausärzte kritisieren Lindners Vorstoß zur Krankschreibung
Abschaffung der telefonischen Krankschreibung könnte Praxen und Patienten in Infektzeiten belasten

Hausärzte haben Kritik an den Aussagen von Finanzminister Christian Lindner geäußert, der die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung vorgeschlagen hat. Lindners Vorschlag basiert auf den Klagen von Unternehmen über hohe Krankenstände. Die Regelung zur telefonischen Krankschreibung ermöglicht es Patientinnen und Patienten, sich bei leichten Erkrankungen krankschreiben zu lassen, ohne eine Arztpraxis persönlich aufsuchen zu müssen. Dies führte während der Corona-Pandemie zu einer Entlastung des Gesundheitssystems und wurde im Dezember 2023 dauerhaft eingeführt.
Der Vorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, Markus Beier, äußerte sich zu Lindners Vorschlag und erklärte, dass die Einführung dieser Regelung medizinisch und versorgungspolitisch eine sinnvolle Entscheidung gewesen sei. Er betonte, dass die hausärztliche Erfahrung nicht bestätigen könne, dass Menschen die Regelung missbrauchen würden, um sich fälschlicherweise krankschreiben zu lassen. Dies widerspreche den Vorwürfen, dass die telefonische Krankschreibung für einen Anstieg der Krankenstände verantwortlich sei.
Lindner hatte sich am Donnerstag dafür ausgesprochen, die bisherige Regelung abzuschaffen und wieder eine persönliche Vorstellung beim Arzt für Krankschreibungen erforderlich zu machen. Er verwies auf eine vermeintliche Korrelation zwischen dem erhöhten Krankenstand in Deutschland und der Einführung der telefonischen Krankschreibung, die ursprünglich als Maßnahme zum Bürokratieabbau eingeführt wurde. Hausärzte hingegen sehen in der Regelung eine wichtige Entlastung für Patientinnen und Patienten sowie für die Praxen, insbesondere während der starken Erkältungs- und Grippezeiten.
Zusätzlich betonte Beier, dass die gestiegene Zahl an Krankmeldungen auch auf die elektronische Übermittlung der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen (eAU) zurückzuführen sei. Diese elektronische Übermittlung habe dazu beigetragen, die Dunkelziffer nicht gemeldeter Krankmeldungen zu reduzieren. Vor Einführung der eAU hatten viele Beschäftigte, insbesondere bei kurzfristigen Erkrankungen, keine Krankmeldung bei der Krankenkasse eingereicht, was die Statistiken verfälscht habe.
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Zur AktienanalyseEine kürzlich veröffentlichte Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hat zudem gezeigt, dass die Lohnfortzahlungen für krankheitsbedingte Ausfälle im Jahr 2023 einen Rekordwert von 76,6 Milliarden Euro erreicht haben. In der Studie wird auch die telefonische Krankschreibung als ein Faktor für den Anstieg der Kosten genannt. Die Hausärzte hingegen betonen, dass diese Regelung ein wichtiger Beitrag zur Entlastung des Gesundheitssystems darstellt.


