Hapag-Lloyd und Maersk: Neue Seefahrtsallianz sorgt für Branchenwandel
Wie die 'Gemini Cooperation' die globale Containerschifffahrt beeinflusst und kartellrechtliche Herausforderungen aufwirft

Hapag-Lloyd, die renommierte Hamburger Container-Reederei, hat einen bedeutenden Schritt in der Seefahrtsbranche gemacht, indem sie eine neue Kooperation mit dem dänischen Rivalen Maersk eingegangen ist. Dieses neue Bündnis, das den Namen "Gemini Cooperation" trägt, wurde am Mittwoch von beiden Unternehmen angekündigt. Hapag-Lloyd, mit einer Flotte von 264 Schiffen, zählt weltweit zu den fünf größten Container-Reedereien, während Maersk mit 730 Schiffen den zweiten Platz belegt.
Um dieser neuen Allianz beitreten zu können, verlässt Hapag-Lloyd ihre langjährige Partnerschaft mit der Seefahrtsallianz "THE Alliance", zu der auch Wettbewerber wie ONE aus Japan, Yang Ming aus Hongkong und HMM aus Südkorea gehören. Insgesamt gibt es drei große Bündnisse von Containerreedereien, die mehr als 80 Prozent der weltweiten Kapazitäten abdecken. Diese Bündnisse koordinieren ihre Schiffsrouten und Hafenanläufe, wobei jedoch Preisabsprachen streng verboten sind.
Die Entscheidung von Hapag-Lloyd, die Mitgliedschaft in "THE Alliance" vorzeitig zu beenden, kam überraschend, da der Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen noch im letzten Jahr einen möglichen Austritt abgelehnt hatte und betonte, dass der Gemeinschaftsvertrag bis 2030 verlängert worden sei. Am Mittwoch erklärte er jedoch, dass Hapag-Lloyd seine Mitgliedschaft in "THE Alliance" Ende Januar 2025 beenden werde und am Tag darauf die neue Kooperation mit Maersk starten werde.
Der Zeitpunkt dieses Wechsels scheint von den Dänen vorgegeben worden zu sein, da Maersk bereits vor einem Jahr angekündigt hatte, sich Ende Januar 2025 von ihrem bisherigen Allianzpartner MSC zu trennen. Die strategische Ausrichtung der beiden Reedereien hatte sich in letzter Zeit immer mehr voneinander entfernt. Während MSC hauptsächlich auf die Steigerung der Transportmenge setzte, legte Maersk großen Wert auf Qualitätsmerkmale wie Pünktlichkeit und eine nahtlose Lieferkette.
Mit Hapag-Lloyd hat Maersk nun einen Partner gefunden, der besser zu dieser Ausrichtung passt. Hapag-Chef Habben Jansen erklärte, dass die Partnerschaft eingegangen wurde, um die Qualität der operativen Dienstleistungen zu verbessern, und versprach eine "branchenführende Terminzuverlässigkeit von über 90 Prozent".
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus wies ein Sprecher von Maersk darauf hin, dass sich die Hafenterminals beider Reedereien gut ergänzen. Maersk verfügt über 59 Terminals in 31 Ländern auf allen Kontinenten, während Hapag-Lloyd Beteiligungen an 20 Terminals in Europa, Lateinamerika, den USA, Indien und Nordafrika hat. Diese Terminals spielen eine entscheidende Rolle bei der Effizienz der Abläufe an der Schnittstelle zwischen See und Land und tragen somit zur angestrebten hohen Pünktlichkeit für die Kunden bei.
Die großen Seefahrtsbündnisse, zu denen neben "THE Alliance" und der neuen "Gemini Cooperation" auch die "Ocean Alliance" gehört, müssen sich zukünftig verstärkt den Kartellwächtern stellen. Die EU-Kommission entschied im vergangenen Oktober, dass ab 2024 keine Gruppenfreistellung mehr gewährt wird. Ab April müssen diese Bündnisse eine Einzelgenehmigung beantragen und nachweisen, dass ihre Oligopole dem Allgemeinwohl dienen, um den Wettbewerbshütern gerecht zu werden.

