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Handwerksberufe boomen: 30% Lohnplus verdrängt akademischen Karriereweg

Randstad-CEO erklärt das Studium als Karrieregarant für überholt – Fachkräfte im Handwerk verdienen heute so viel wie Büroangestellte.

Handwerksberufe boomen: 30% Lohnplus verdrängt akademischen Karriereweg

Ein Studium als Eintrittskarte in eine gut bezahlte Karriere? Diese Vorstellung gehört laut dem Chef des weltgrößten Personalvermittlers der Vergangenheit an. Sander van't Noordende, CEO des niederländischen Personaldienstleisters Randstad, empfahl jungen Menschen in einem Interview mit CNBC's „Squawk Box Europe" am Mittwoch ausdrücklich den Karriereweg im Handwerk. Der Grund: Fachkräfte in handwerklichen Berufen haben in den vergangenen vier Jahren massive Lohnzuwächse erzielt.

Laut aktuellen Randstad-Daten stiegen die Löhne im Handwerk in den USA um 30%, in den Niederlanden um 21%, in Deutschland um 18% und im Vereinigten Königreich um 9%. Spezialisierte handwerkliche Berufe bieten damit mittlerweile Gehälter, die mit traditionellen Bürojobs konkurrieren können. Mechaniker verdienen in den Niederlanden durchschnittlich 79.000 US-Dollar und in Deutschland 76.600 US-Dollar jährlich. Im britischen Wohnungsbau- und Bausektor liegen die Durchschnittsgehälter sogar über 78.500 US-Dollar.

KI-Boom befeuert Nachfrage nach Handwerkern

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der rasante Ausbau von Rechenzentren, die den globalen KI-Boom erst möglich machen. Diese spezialisierten Einrichtungen benötigen eine große physische Belegschaft – darunter zahlreiche qualifizierte Handwerker. Große Technologieunternehmen wie Alphabet, Microsoft, Meta und Amazon haben sich verpflichtet, in diesem Jahr zusammen fast 700 Milliarden US-Dollar in den Bau eigener Rechenzentren zu investieren – und schaffen damit Chancen für Tausende von Arbeitskräften.

Eine Randstad-Analyse von 50 Millionen Stellenausschreibungen aus dem März zeigt das Ausmaß der Nachfrage: Zwischen 2022 und 2026 stiegen die offenen Stellen für Robotik-Techniker um 107%, für HLK-Ingenieure (Heizung, Lüftung, Klimatechnik) um 67% und für Techniker in der Industrieautomatisierung um 51%. Für deutsche Fachkräfte mit entsprechender Ausbildung eröffnen sich damit erhebliche Beschäftigungsperspektiven – auch international.

KI-Kenntnisse als Gehaltsbooster – auch im Büro

Parallel dazu zeigen die Randstad-Daten, dass KI-Kenntnisse auch in klassischen Berufsfeldern zunehmend honoriert werden. Berufseinsteiger mit KI-Expertise erzielen Gehälter, die bis zu 25% höher liegen als ohne diese Kenntnisse. Besonders deutlich zeigt sich dieser Aufschlag in der Softwareentwicklung: In den USA steigt das Einstiegsgehalt mit zusätzlicher KI-Expertise von 85.000 auf 105.000 US-Dollar. Mitarbeiter mit KI-Zertifizierungen werden laut Randstad zudem bis zu 3,5-mal schneller befördert als ihre Kollegen ohne solche Qualifikationen.

Gleichzeitig kämpfen viele Hochschulabsolventen mit einer schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt. KI verdrängt zunehmend Einstiegspositionen, die traditionell von Berufsanfängern besetzt wurden. Laut Daten des Beratungsunternehmens Challenger Gray & Christmas wurden in den USA in diesem Jahr bereits fast 50.000 Stellenstreichungen mit KI in Verbindung gebracht.

Soft Skills gewinnen an Bedeutung

Während technische Fähigkeiten durch KI teilweise ersetzbar werden, steigt die Nachfrage nach menschlichen Kompetenzen stark an. Laut Randstad-Daten ist die Nachfrage nach emotionaler Intelligenz um 173% und nach Kreativität um 168% gestiegen. Noordende betonte in dem CNBC-Interview, es sei „einfacher", sich technische Fähigkeiten anzueignen – Empathie, Kommunikation und der Aufbau von Kundenbeziehungen seien hingegen komplexere Fähigkeiten, die schwerer zu erlernen seien.

Für junge Menschen in Deutschland zeichnet sich damit ein klares Bild: Ob Handwerk, KI-Zertifizierung oder soziale Kompetenz – der Arbeitsmarkt belohnt zunehmend praktische und menschliche Fähigkeiten, während ein Studium allein keine Erfolgsgarantie mehr darstellt.

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