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Handwerk gewinnt Azubis aus Ghana

Bürokratie und Fachkräftemangel prägen den Start der neuen Auszubildenden in Lemgo

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Handwerk gewinnt Azubis aus Ghana

In einer Werkshalle in Lemgo beginnen zwei junge Männer aus Ghana ein neues Kapitel ihres Berufslebens. Nana Kojo Odoi und Patrick Ofori Andoh sind seit Februar in Deutschland und bereiten sich auf ihre Ausbildung zu Feuerungsmaurern vor. Offiziell startet ihr Ausbildungsweg im August, bis dahin konzentrieren sie sich vor allem auf Fachbegriffe und Sprachpraxis. Beide haben bereits in Ghana Ingenieurwesen studiert, dennoch wagen sie nun den Schritt in eine handwerkliche Ausbildung in Deutschland.

Ihr Arbeitgeber, die M-Group aus Lemgo bei Bielefeld, ist auf Feuerungsbau spezialisiert und beschäftigt mehr als 200 Mitarbeiter. Das Unternehmen setzt seine Fachkräfte europaweit sowie in Saudi-Arabien ein und erwirtschaftet jährlich rund 50 Millionen Euro Umsatz. Trotz dieser stabilen Position kämpft auch die M-Group mit einem gravierenden Problem: Es fehlt an Nachwuchs. In Deutschland bleiben jedes Jahr rund 20.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, während in der gesamten Branche etwa 200.000 Fachkräfte gesucht werden.

Das Beispiel der M-Group zeigt, dass Unternehmen inzwischen verstärkt im Ausland nach Personal suchen. Klaus Röpke, Gesellschafter des Familienbetriebs, reiste ursprünglich zu einem Vortrag nach Ghana und erkannte dort das Potenzial für die Gewinnung von Auszubildenden. In Zusammenarbeit mit der Auslandshandelskammer wurden Stellen ausgeschrieben, auf die knapp 2000 Bewerbungen eingingen. Im Gegensatz zu Deutschland, wo es kaum Interessenten gibt, ist die Resonanz enorm. Viele der Bewerber bringen zudem Vorerfahrungen mit, sei es durch Studiengänge oder berufliche Trainingsprogramme.

Auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Ghana fördern das Interesse an einem Job in Europa. Die Arbeitslosenquote lag dort 2023 bei 14,7 Prozent, besonders junge Menschen sind betroffen. Mit einem Durchschnittsalter von 21,5 Jahren zählt Ghana zu den Ländern mit der jüngsten Bevölkerung weltweit. Doch die heimische Wirtschaft ist nicht in der Lage, allen jungen Menschen Beschäftigung zu bieten. Für viele ist daher eine Ausbildung in Deutschland eine attraktive Perspektive.

Die Politik beobachtet diese Entwicklung ebenfalls. So schloss Deutschland 2024 mit Kenia das erste Migrationsabkommen mit einem afrikanischen Land ab. Auch Wirtschaftsverbände sehen Afrika zunehmend als wichtigen Rekrutierungspool. Unternehmen wie die M-Group investieren rund 2500 Euro pro ausländischem Auszubildenden, während klassische Recruiting-Maßnahmen in Deutschland oft teurer sind und weniger Erfolg bringen.

Doch trotz positiver Ansätze bleibt die Bürokratie eine Hürde. Die M-Group musste für die fünf ghanaischen Auszubildenden zahlreiche Formalitäten erledigen, was nach eigenen Angaben den Arbeitsaufwand einer Vollzeitstelle verursachte. Visaverlängerungen und wiederholte Behördentermine erschweren den Prozess zusätzlich. Ob das Unternehmen im kommenden Jahr weitere Auszubildende aus Ghana einstellt, ist daher noch ungewiss.

DeutschlandArbeitsmarktFachkräfteAusbildung

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