Halbleiter-Beben in Fernost: Kospi stürzt fast elf Prozent ab
Ein massiver Ausverkauf bei Chipwerten erschüttert die asiatischen Börsen – Chinas wachsende Konkurrenz im Speichermarkt schürt Angst.

Die Börsen in Fernost stehen unter schwerem Druck. Ein breiter Ausverkauf bei Halbleiterwerten hat die Kurse in der Region heute tief ins Minus gerissen. Der japanische Nikkei-Index verlor rund vier Prozent und fiel zeitweise auf ein Zwei-Jahres-Tief. Noch härter traf es den südkoreanischen Kospi-Index: Er brach um fast elf Prozent ein und markierte damit ein Drei-Monats-Tief.
Der Kospi gilt wegen seines hohen Anteils an Technologietiteln als wichtiger Gradmesser für die KI-Rally in Asien. Besonders im Fokus stehen dabei Samsung Electronics und SK Hynix – die beiden weltgrößten Hersteller von DRAM-Chips. Diese Arbeitsspeicher sind in nahezu allen modernen elektronischen Geräten verbaut und werden durch den wachsenden Bedarf für KI-Server verstärkt nachgefragt.
Südkoreanische Chiphersteller profitieren dabei nicht nur vom KI-Boom, sondern auch von einem starken Preisanstieg bei klassischen Halbleitern. Da sich viele Produzenten auf Hochleistungschips konzentriert haben, entstanden Engpässe bei einfachen DRAM-Speichern – ein Umstand, von dem Samsung und SK Hynix zuletzt kräftig profitieren konnten.
Chinas CXMT als Auslöser der Turbulenzen
Als wesentlicher Auslöser der jüngsten Marktturbulenzen gilt die Entwicklung in China. Der chinesische Speicherchip-Hersteller CXMT hatte gestern seinen Börsengang in Shanghai gefeiert – mit einem spektakulären Kursanstieg von 466 Prozent. Heute verlor das Unternehmen lediglich 1,6 Prozent. CXMT hält bereits einen Marktanteil von knapp acht Prozent bei DRAM-Speichern und gilt damit als weltweite Nummer vier in diesem Segment.
Die Sorge der Anleger: China könnte den globalen Speichermarkt mit günstigeren Produkten fluten. Berichte über die Entwicklung eigener Deep-Ultraviolet (DUV)-Lithografieanlagen durch chinesische Unternehmen verstärken diese Befürchtungen. Han Ji-young, Analyst bei Kiwoom Securities, erklärte, solche Berichte hätten Befürchtungen geschürt, dass chinesische Speicherchip-Hersteller ihren Kapazitätsausbau beschleunigen und den Wettbewerb auf dem globalen Speichermarkt verschärfen könnten.
Laut dem US-Portal The Information steht das chinesische Unternehmen Shanghai Yuliangsheng kurz vor der Produktion eigener DUV-Maschinen für die Halbleiterfertigung. Bislang dominiert der niederländische Konzern ASML diesen Markt nahezu allein. Fan Liwen, Portfoliomanager bei Shenzhen New Thinking Investment Management, zeigte sich überzeugt: „China wird schon sehr bald die Welt mit hochwertigen Speicherchips zu niedrigeren Preisen beliefern."
Schwäche greift auf US-Chiptitel über
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Zur AktienanalyseDie asiatischen Halbleiterwerte stehen mit ihren Kursverlusten nicht allein. Auch amerikanische Chiphersteller befinden sich seit Wochen im Abwärtstrend. Das Branchenbarometer Philadelphia Semiconductor Index notiert mittlerweile 21 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 22. Juni. KI-Schwergewicht Nvidia verlor gestern an der Nasdaq fünf Prozent.
Hinter den Kursrückgängen steckt auch eine grundsätzliche Frage, die Anleger zunehmend beschäftigt: Werden sich die immensen Investitionen in Künstliche Intelligenz langfristig auszahlen? Diese Unsicherheit belastet die gesamte Branche – von Seoul über Tokio bis New York.
Der deutsche Aktienmarkt zeigte sich zunächst widerstandsfähig. Dank besser als erwarteter Zahlen von Mercedes und einer starken Erholung bei Rheinmetall legte der DAX anfangs um mehr als ein halbes Prozent zu. Bis zum frühen Nachmittag hatte der deutsche Leitindex seinen Tagesgewinn jedoch nahezu vollständig wieder abgegeben. Größter Verlierer im DAX war der Chiphersteller Infineon – ein klares Zeichen, dass die Schockwellen aus Fernost auch hierzulande ankamen.


