ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Hackney Marshes: Ost-Londons grünes Herz mit wilder Geschichte

136 Hektar Freifläche, 88 Fußballplätze und eine Geschichte, die London bis heute prägt.

Hackney Marshes: Ost-Londons grünes Herz mit wilder Geschichte

Die Hackney Marshes im Osten Londons sind kein gewöhnlicher Park. Auf 136 grasbewachsenen Hektar treffen Fußball-Legenden, freie Raves, Kanalboote und seltene Eisvögel aufeinander – ein Ort, der nach eigenen Regeln funktioniert und dabei eine der faszinierendsten Stadtgeschichten Großbritanniens verkörpert.

Fernab der berühmten königlichen Parks der britischen Hauptstadt existieren die Hackney Marshes auf einer sogenannten „Need-to-know"-Basis. Im Norden grenzt das Walthamstow Marshland an, im Süden die A12. Im Westen liegen Homerton und Clapton, im Osten Leyton. Das Areal wird vom River Lea und der kanalisierten Lee Navigation begrenzt. Der Name „Hackney" selbst geht mehr als 800 Jahre zurück und gilt als Zusammensetzung aus dem altenglischen Wort für Marschinsel sowie dem Namen eines Dänen namens Haca, dem das Land einst gehörte.

Eine Geschichte zwischen Privatbesitz und öffentlichem Gut

Im Mittelalter wurde das Land landwirtschaftlich genutzt. Die sogenannten Lammas-Rechte erlaubten privaten Landbesitzern, bis zum 1. August Heu zu ernten – danach öffnete das Land für die allgemeine Beweidung. Dieses System funktionierte Jahrhunderte lang, geriet jedoch im 19. Jahrhundert unter Druck. Als das industrielle London expandierte und Eisenbahngelder die Landbesitzer lockten, drohte den Marshes die Bebauung.

Der Rettungsanker kam 1866 mit dem Metropolitan Commons Act, der Bezirksräten die Macht gab, Allmenden zu schützen. 1872 übertrug Hackney rund 72 Hektar an das Metropolitan Board of Works. Die eigentlichen Marshes blieben jedoch zunächst ausgenommen, da die Lammas-Rechte die Lage verkomplizierten. Erst das 1889 gegründete London County Council (LCC) sicherte die Zukunft des Areals dauerhaft: Es ermutigte die privaten Landbesitzer, ihre Rechte für 75.000 Britische Pfund zu verkaufen – umgerechnet rund 12,5 Millionen Pfund nach heutigem Wert. Unter dem London Open Spaces Act gingen die Marshes schließlich dauerhaft in öffentlichen Besitz über.

Kriegsschutt als Fundament des Volkssports

Im Zweiten Weltkrieg schrieb das Areal ein weiteres Kapitel seiner Geschichte. Mehr als zwei Millionen Kubikmeter Schutt aus dem Londoner Blitz – Beton, Ziegel und Steine – wurden hier abgeladen. Das hob das Bodenniveau um drei Meter an und schuf die Grundlage für eine Expansion des Breitenfußballs, die auf dem alten, wassergesättigten Boden undenkbar gewesen wäre.

In den 1950er und 60er Jahren entstand ein Spielfeldkomplex mit 120 Rasenplätzen in voller Größe, unterteilt in Nord-, Süd-, Ost- und Westsektionen. Heute sind es noch 88 Plätze, auf denen auch Cricket- und Rugbyspieler aktiv sind. Die Marshes gelten als spirituelle Heimat des Sunday League Football. Bobby Moore, der spätere Weltmeister-Kapitän, spielte hier in den 1950er Jahren. David Beckham und Rio Ferdinand folgten drei Jahrzehnte später. 1997 drehten Eric Cantona, Ian Wright, David Seaman und Robbie Fowler sogar einen Nike-Werbespot auf dem Gelände.

Dieser Werbespot hatte ein bemerkenswertes Nachspiel: Ein Jahrzehnt später nutzte Nike das Logo des Bezirks Hackney ohne Erlaubnis für eine Sportbekleidungskampagne. Der Bezirksrat wehrte sich erfolgreich und erhielt 300.000 Britische Pfund in einem außergerichtlichen Vergleich – der Erlös floss direkt in den lokalen Jugendsport.

Kanalboote, Kreative und Craft-Bier

Heute säumt der Hackney Cut, eine drei Kilometer lange künstliche Kanalstrecke, die Marshes. Hunderte von Menschen haben sich hier für einen nomadischen Lebensstil entschieden – auf alten Lastkähnen mit abgeblätterter Farbe ebenso wie auf eleganten Booten mit Kräutergärten und Solarpaneelen. Der Treppelweg entlang der Lee Navigation lädt zum Flanieren ein, vorbei an Röstereien wie dem Roasting Shed und dem Milk Float, einem Lastkahn direkt auf dem Wasserweg.

Das benachbarte Hackney Wick gilt als ursprüngliche Heimat der Londoner Warehouse-Conversion-Szene. Die Mühlen und Druckereien des 19. und 20. Jahrhunderts wurden in den 1990er und 2000er Jahren von Künstlern übernommen und bildeten eine der dichtesten Konzentrationen kreativer Arbeitsräume in Europa. Trotz fortschreitender Gentrifizierung nach den Olympischen Spielen sind das Sichtmauerwerk und die Street-Art geblieben.

Naturschutz und Nachtleben

Weniger als zwei Meilen von der Station Hackney Wick entfernt liegen die ehemaligen Middlesex Filter Beds, heute ein Naturschutzgebiet. Das Areal bietet Schutz für Teichrohrsänger, Schermäuse und eine vielfältige Libellenpopulation. Sogar Eisvögel tauchen hier gelegentlich auf.

Bei Einbruch der Dunkelheit verwandeln sich die Marshes erneut: Soundsysteme liefern die Musik für freie Partys, die längst zur DNA von Hackney gehören. Der Bezirksrat sieht das weniger entspannt. Im Dezember vergangenen Jahres führte er eine umfassende Public Space Protection Order ein, die Geldstrafen, Beschlagnahmungen und Strafverfolgungen für als antisozial eingestuftes Verhalten vorsieht.

Die Hackney Marshes werden eher genutzt als besucht, eher bewohnt als bewundert. Genau das macht sie zu einem der eigenwilligsten und lebendigsten Orte Londons – einem Ort, der niemandem als Marke gehört.

Hackney MarshesOst-LondonSunday League FootballHackney WickLondon ParksBobby MooreLee Navigation

Disclaimer