GSK schließt Stevenage und zieht nach Cambridge um
Der britische Pharmariese verlagert seine Forschung auf den Cambridge Biomedical Campus und spart 1,9 Milliarden Pfund bis 2029.

GSK plant die Schließung seines historischen Forschungs- und Entwicklungszentrums in Stevenage. Der britische Pharmariese will den Großteil seiner F&E-Aktivitäten auf den Cambridge Biomedical Campus verlagern – einen der größten Forschungsstandorte in Europa. Mehr als 1.000 Wissenschaftler sollen bis 2029 an den neuen Standort wechseln.
Die Entscheidung ist der bislang größte Schritt von Chief Executive Luke Miels, seit er im Januar die Unternehmensführung von Dame Emma Walmsley übernommen hat. Miels erklärte, er habe die Prüfung des Umzugs bereits bei seinem Amtsantritt begonnen. Der Wechsel nach Cambridge solle es GSK ermöglichen, vollständig in das „Life-Sciences-Ökosystem" der Stadt einzutauchen.
Kostensenkung und Investitionen in neue Pipeline
Parallel zum Standortwechsel kündigte GSK ein umfangreiches Kostensenkungsprogramm an. Bis 2029 sollen jährliche Einsparungen von 1,9 Milliarden Pfund erzielt werden – unter anderem durch Stellenabbau in Supportbereichen. Wie viele Stellen konkret wegfallen, ließ Miels offen; die Prüfungen seien noch nicht abgeschlossen.
Die Einsparungen sollen eine Investition von 2,4 Milliarden Pfund in das Spätphasen-Portfolio finanzieren. Insgesamt plant GSK in den nächsten drei Jahren 400 Millionen Pfund in die Standortveränderungen zu investieren. Neben dem neuen Cambridge-Standort wird auch eine bestehende F&E-Einrichtung im hertfordshirischen Ware modernisiert. Staatliche Unterstützung für den Wechsel aus Stevenage hat GSK nach Angaben von Miels nicht beantragt.
Ein weiteres ambitioniertes Ziel: GSK will die Zahl der Medikamente in Phase-3-Studien – der letzten klinischen Prüfphase vor der Zulassung – bis Ende des Jahres auf 20 verdoppeln. Die Spätphasen-Pipeline deckt das gesamte Spektrum der GSK-Spezialmedikamente ab, darunter Onkologie, Hepatologie, HIV, Atemwegserkrankungen und Impfstoffe.
Patentauslauf als zentrale Herausforderung
Miels steht vor einer strukturellen Herausforderung: Vier HIV-Medikamente mit dem Wirkstoff Dolutegravir verlieren zwischen 2028 und 2030 ihren Patentschutz in den USA und Europa. Diese Produkte machten im vergangenen Jahr fast 20 Prozent des GSK-Umsatzes aus. Der Konzern muss also rechtzeitig neue Umsatzträger aufbauen, um das ehrgeizige Jahresziel von 40 Milliarden Pfund Umsatz bis 2031 zu erreichen.
Um die Pipeline zu stärken, hat Miels in diesem Jahr eine Serie von Übernahmen vorangetrieben. Den größten Deal in der Unternehmensgeschichte stellt die Akquisition des US-Krebsbiotech-Unternehmens Nuvalent für 10,6 Milliarden US-Dollar dar. Hinzu kommen der Kauf der kanadischen 35Pharma für knapp 1 Milliarde US-Dollar sowie die geplante Übernahme des US-Biotechunternehmens Rapt Therapeutics für 2,2 Milliarden US-Dollar, das auf Lebensmittelallergien spezialisiert ist.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseStarke Quartalszahlen und positive Marktreaktion
Begleitet werden die strategischen Ankündigungen von soliden Finanzergebnissen. Im zweiten Quartal erzielte GSK einen Umsatz von 8,4 Milliarden Pfund – ein Plus von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Die Aktie reagierte positiv: Im Nachmittagshandel legte das Papier um knapp 4 Prozent zu.
Analyst Sean Conroy von Shore Capital kommentierte die Entwicklung positiv: „GSK legt die Altlasten der Wahrnehmung als dauerhafte Enttäuschung ab, und wir glauben, dass es zunehmend schwieriger wird, seine langfristigen Wachstumsambitionen zu ignorieren." Der Umbau des Konzerns unter Miels scheint bei Investoren und Analysten gleichermaßen Anklang zu finden.


