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Grüner Wasserstoffboom in Saudi-Arabien

Menschenrechtsverletzungen und deutsche Unternehmen: Der Preis des saudischen Wasserstofftraums

Grüner Wasserstoffboom in Saudi-Arabien

Saudi-Arabien hat ehrgeizige Pläne, sich als größter Hersteller von grünem Wasserstoff zu etablieren, und setzt dabei auf das Megacity-Projekt "Neom". Doch dieser ehrgeizige Schritt geht mit gravierenden Menschenrechtsverletzungen einher. Bereits 6.000 Menschen wurden zwangsweise umgesiedelt, und Berichten zufolge wurde sogar jemand erschossen, der sich weigerte, sein Haus zu verlassen. Dieses harte Vorgehen des saudischen Staates hat auch deutsche Unternehmen indirekt begünstigt.

"Neom" ist ein Projekt von enormer Größe, das zwei 170 Kilometer lange Mauern aus Hochhäusern vorsieht und bis zu neun Millionen Menschen beherbergen soll, die vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden sollen. Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Produktion von grünem Wasserstoff, die von der US-Firma Helios durchgeführt wird. Das Herzstück von Helios stammt jedoch von einem deutschen Unternehmen, Nucera, einer Tochtergesellschaft von ThyssenKrupp. Nucera ist spezialisiert auf Wasser-Elektrolyse, die zur Herstellung von grünem Wasserstoff benötigt wird. Die Aussicht auf lukrative Geschäfte im Zusammenhang mit "Neom" führte dazu, dass Nucera seinen Umsatz vervielfachte und beim Börsengang im Juli dieses Jahres direkt 500 Millionen Euro erzielte. Im September stieg das Unternehmen sogar in den S-DAX auf.

Ab 2026 soll die Helios-Anlage täglich bis zu 600 Tonnen grünen Wasserstoff produzieren, wobei der grüne Strom von Windparks rund um den Küstenort Maqna am Golf von Akaba geliefert wird. Allerdings bedeutet dies, dass die Bewohner von Maqna und benachbarter Dörfer für das Projekt vertrieben werden. Diese Dörfer wurden von den Stämmen Howaitat, Bani Attia und Juhayna bewohnt, und sie wurden in Städte wie Haql und Tabuk deportiert, die bis zu 200 Kilometer von ihren ursprünglichen Wohnorten entfernt sind.

Die Menschenrechtsaktivistin Lina Al-Hathloul von der Organisation ALQST hat diese Vertreibungen und die brutale Unterdrückung der Bewohner dokumentiert. Sie verweist auf Gerichtsurteile aus Saudi-Arabien, die drakonische Strafen für das Weiterleiten von Twitter-Nachrichten oder das Teilen von Handyvideos vorsehen. Ein Mann wurde zu 21 Jahren Haft verurteilt, weil er Twitter-Nachrichten von Personen folgte, die als Bedrohung für die Sicherheit des Landes angesehen wurden. Ein anderer erhielt eine 50-jährige Haftstrafe, weil er Videos und Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken besaß, die als Förderung terroristischer Ideologien betrachtet wurden. Die Dokumentation von AlQST enthüllte auch brutale Foltermethoden im Gefängnis, darunter Auspeitschen, Stromschläge und Fixierung in der Sonne.

Die Vereinten Nationen haben auf diese Menschenrechtsverletzungen reagiert und Unternehmen und Regierungen aufgefordert, zu intervenieren. Dennoch hat die Bundesregierung ihre Wasserstoff-Kooperation mit Saudi-Arabien vorangetrieben und im Mai das Geschäft mit der Helios-Anlage in "Neom" mit einer Hermes-Bürgschaft abgesichert.

Die Entscheidung der Bundesregierung stößt auf Kritik, insbesondere angesichts der gravierenden Menschenrechtsverletzungen in Saudi-Arabien. Politiker wie Bundeskanzler Olaf Scholz und Wirtschaftsminister Robert Habeck haben sich bisher nicht öffentlich dazu geäußert, und das Auswärtige Amt verfolgt die Entwicklungen lediglich mit "großer Sorge". Lamya Kaddor von den Grünen betont jedoch die Notwendigkeit des Dialogs mit schwierigen Partnern, um gemeinsam das Klima zu schützen, ohne die Menschenrechte zu opfern.

Auch auf Unternehmensebene gibt es Kritik an der Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien. Ulrich Heindl, der Entwicklungsleiter des Helios-Projekts, verließ das Unternehmen nach anderthalb Jahren und äußerte Bedenken hinsichtlich der politischen und gesellschaftlichen Stabilität des Landes. Trotzdem hat die ThyssenKrupp-Tochter Nucera betont, die Menschenrechte zu respektieren und sich zur Umsetzung der Internationalen Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen zu bekennen.

Die Menschenrechtsaktivistin Lina Al-Hathloul appelliert an deutsche Investoren, ihre moralische Verantwortung wahrzunehmen und die Verletzungen der Menschenrechte in Saudi-Arabien nicht zu ignorieren. Sie betont, dass diese Unternehmen an einem Projekt beteiligt sind, das auf dem Leid und den Vertreibungen der saudischen Bevölkerung aufgebaut ist.

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