Grubenunglück in China treibt Kokskohlepreise auf Monatshoch
82 Tote nach Gasexplosion in Shanxi: Schwerste Minenkatastrophe seit 2009 verschärft Chinas Kokskohle-Angebot drastisch.

Eine verheerende Gasexplosion in der Kohlemine Liushenyu in der nordchinesischen Provinz Shanxi hat am späten Freitag 82 Menschen das Leben gekostet. Es handelt sich um das schwerste Grubenunglück in China seit mindestens 2009. Die Mine gehört der Shanxi Tongzhou Coal Coking Group.
Die Behörden reagierten umgehend: Alle vier Minen des Unternehmens wurden geschlossen, Führungskräfte festgenommen. Das teilten lokale Behördenvertreter am Sonntag auf einer Pressekonferenz mit. Die staatliche Zeitung „People's Daily" widmete dem Unfall einen Leitartikel auf ihrer Titelseite und forderte eine stärkere Beachtung der Produktionssicherheit. Darin wurde explizit dazu aufgerufen, „die Tendenz, der Entwicklung Vorrang vor der Sicherheit einzuräumen, vollständig umzukehren".
Kokskohlepreise springen auf Monatshoch
Die Nachricht schlug unmittelbar an den Rohstoffmärkten ein. Der meistgehandelte Kontrakt für Kokskohle an der Dalian Commodity Exchange (DCE) erreichte sein oberes Preislimit und stieg um 7,97 Prozent auf 1.266,5 Yuan – umgerechnet rund 186,77 US-Dollar – pro Tonne. Das ist der höchste Stand seit dem 12. Mai. Auch der aktivste DCE-Kokskontrakt legte kräftig zu: Er kletterte um 7,99 Prozent auf 1.879 Yuan pro Tonne und markierte damit den höchsten Wert seit dem 6. Mai.
Hintergrund des Preisanstiegs ist eine deutliche Verschärfung der Angebotslage. Eine Umfrage des Beratungsunternehmens Mysteel ergab, dass mehrere andere Kohleminen in der Provinz Shanxi die Produktion für drei bis fünf Tage für Sicherheitsüberprüfungen eingestellt haben. Dies werde das Angebot an Rohkokskohle um 288.000 Tonnen pro Tag verringern – eine erhebliche Menge auf dem globalen Markt.
Analysten erwarten kurzfristig stützende Preiseffekte
Die Marktreaktion überrascht Experten nicht. „Das Angebot an Kokskohle wird voraussichtlich schrumpfen, während die Nachfrage robust bleibt, was die Preise kurzfristig stützt", schrieben die Analysten von Wuchan Zhongda Futures in einem Marktbericht. Kokskohle ist ein unverzichtbarer Rohstoff für die Stahlproduktion und damit ein wichtiger Indikator für die industrielle Aktivität in China und weltweit.
Die Auswirkungen des Unglücks strahlten auch auf andere Rohstoffmärkte aus. Die Stahl-Benchmarks an der Shanghai Futures Exchange legten aufgrund der gestiegenen Rohstoffkosten größtenteils zu: Betonstahl verteuerte sich um 1,48 Prozent, warmgewalztes Breitband stieg um 1,39 Prozent, und Walzdraht legte sogar um 2,36 Prozent zu. Lediglich Edelstahl blieb nahezu unverändert.
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Zur AktienanalyseEisenerzpreise geben frühere Gewinne teilweise ab
Weniger eindeutig war die Entwicklung bei Eisenerz. Die Preise gaben einen Teil ihrer früheren Gewinne wieder ab, nachdem Mysteel-Daten zeigten, dass die wöchentlichen Lieferungen aus Australien und Brasilien im Vergleich zur Vorwoche um 22 Prozent sprunghaft angestiegen waren. Der aktivste DCE-Eisenerzkontrakt schloss den Tageshandel mit einem minimalen Plus von 0,06 Prozent bei 793 Yuan pro Tonne. Das Benchmark-Eisenerz für Juni an der Singapore Exchange notierte um 08:09 Uhr GMT mit einem Aufschlag von 0,49 Prozent bei 106,7 US-Dollar pro Tonne.
Das Unglück in Shanxi verdeutlicht einmal mehr die strukturellen Sicherheitsprobleme im chinesischen Kohlebergbau. Die Provinz Shanxi ist das Herzstück der chinesischen Kohleförderung und liefert einen Großteil der für die Stahlindustrie benötigten Kokskohle. Zwangsabschaltungen und Sicherheitsinspektionen nach schweren Unfällen haben in der Vergangenheit regelmäßig zu kurzfristigen Angebotsengpässen und Preissprüngen geführt – ein Muster, das sich nun erneut wiederholt.


