Großrazzia bei Engel & Völkers
Verdacht auf Scheinselbstständigkeit: Ermittlungen an mehreren Standorten deutschlandweit

Die Staatsanwaltschaft Bielefeld hat zusammen mit dem Hauptzollamt am Dienstag eine groß angelegte Razzia bei Engel & Völkers durchgeführt. Grund für die Ermittlungen ist der Verdacht der Scheinselbstständigkeit. Insgesamt wurden 18 Durchsuchungsbeschlüsse deutschlandweit vollstreckt. Dabei kamen mehr als 300 Einsatzkräfte zum Einsatz, um sowohl Geschäfts- als auch Privaträume an mehreren Standorten zu durchsuchen, darunter die Zentrale in Hamburg sowie Niederlassungen in München und Stralsund.
Laut den Ermittlungsbehörden steht der Vorwurf im Raum, dass einige Immobilienmakler des Unternehmens als selbstständig gemeldet wurden, obwohl sie faktisch in das Arbeitsverhältnis integriert waren und Weisungen erhielten. Dies würde Merkmale einer abhängigen Beschäftigung erfüllen. Die Behörden gehen dem Verdacht nach, dass dabei Sozialabgaben nicht ordnungsgemäß abgeführt wurden. Vor Ort wurden auch Zeugen befragt, um das Tatgeschehen weiter aufzuklären. Die Ermittlungen richten sich gegen mehrere Personen aus dem Bereich der Immobilienvermittlung.
Engel & Völkers bestätigte die Durchsuchungen und äußerte sich in einer Stellungnahme. Das Unternehmen betonte, die Vorwürfe sehr ernst zu nehmen und mit den Behörden kooperieren zu wollen, um eine rasche Aufklärung der Angelegenheit zu ermöglichen. Nach Angaben der Ermittler könnten die rechtlichen Folgen gravierend sein, falls sich der Verdacht bestätigt. Neben der Nachzahlung der Sozialabgaben drohen Geldstrafen und Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren. In besonders schweren Fällen könnte das Strafmaß sogar auf bis zu zehn Jahre ansteigen.
Das Franchise-Modell, nach dem Engel & Völkers operiert, bedeutet, dass die Filialen von Lizenznehmern geführt werden, die rechtlich eigenständige Unternehmer sind. Das Unternehmen ist einer der bekanntesten Immobilienmakler Deutschlands und auf den Premium- und Luxusmarkt spezialisiert. Es beschäftigt nach eigenen Angaben 16.600 Mitarbeiter in 36 Ländern und erzielte 2023 einen Courtageumsatz von 1,1 Milliarden Euro. Gegründet wurde die Marke 1977 von Christian Völkers und Dirk Engel. Seit 2021 hält die britische Private-Equity-Gesellschaft Permira 60 Prozent der Unternehmensanteile.
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Zur AktienanalyseFälle von Scheinselbstständigkeit rücken immer wieder in den Fokus der Ermittler, da sie häufig in Bereichen auftreten, in denen Auftragnehmer organisatorisch und wirtschaftlich stark vom Auftraggeber abhängig sind. Zuletzt war dieses Thema vor allem bei digital organisierten Lieferdiensten ein Diskussionsthema, da dort oft ähnliche Strukturen beobachtet werden.

