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Großmächte-Rivalität: Warum die regelbasierte Weltordnung gescheitert ist

Ein neues Buch analysiert die Rückkehr der Großmächte – und warnt vor den Risiken einer Welt nach dem Recht des Stärkeren.

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Großmächte-Rivalität: Warum die regelbasierte Weltordnung gescheitert ist

Der kurze unipolare Moment Amerikas ist vorbei. 25 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges dominierte die USA ein System, das lose auf Regeln statt auf roher Gewalt basierte. Doch jüngste Bilder von Donald Trump mit Xi Jinping in Peking, gefolgt von einem Treffen mit Wladimir Putin eine Woche später, verdeutlichen die neue geopolitische Realität: Die Großmächte sind zurück – und mit ihnen die klassische Machtpolitik.

Der Historiker Brendan Simms, Professor für Geschichte der internationalen Beziehungen an der University of Cambridge, analysiert diese Entwicklung in seinem neuen Buch The Return of the Great Powers. Seine Kernthese ist klar: Auf absehbare Zeit wird die Welt von den Großmächten dominiert werden. Ein neuer einzelner Hegemon wird nicht entstehen. Stattdessen werden China, Russland und Amerika jeweils ihre eigenen nationalen Interessen verfolgen – auf Kosten globaler Zusammenarbeit.

Was eine Großmacht ausmacht

Simms definiert vier entscheidende Qualitäten, die eine Großmacht auszeichnen:

Ressourcen

: militärisch, wirtschaftlich und menschlich -

Reichweite

: Einfluss über die eigene Region hinaus -

Reputation

: Wahrnehmung als Großmacht – durch die eigene Bevölkerung und andere Länder -

Resilienz

: die Fähigkeit, Verluste zu verkraften und nach Niederlagen wieder aufzustehen

Anhand dieses Rahmens erklärt Simms, warum Mächte der zweiten Reihe den Sprung nicht schaffen. Japan und Deutschland sind durch ihre Vergangenheit und mangelnde militärische Ressourcen gebremst. Indien ist noch nicht in der Lage, Macht zu projizieren, und gilt in Asien als Juniorpartner Chinas. Frankreich verfügt über Ambitionen, aber schrumpfende Reichweite und ist zu anfällig für innenpolitische Turbulenzen. Afrika und Lateinamerika haben Regionalmächte – doch keine davon qualifiziert sich als „groß".

Russland schafft es laut Simms fast ausschließlich aufgrund seiner militärischen Kapazitäten, einschließlich nuklearer Waffen. Hinzu kommt, dass Moskau schlicht davon ausgeht, eine Großmacht zu sein – und sich entsprechend verhält. China und die USA erfüllen die Kriterien aus offensichtlichen Gründen, auch wenn die Amerikaner zunehmend die Begeisterung für diese Rolle verlieren.

Zweifelhafte Urteile und interessante Einblicke

Das Buch enthält jedoch auch umstrittene Einschätzungen. Simms argumentiert, dass Chinas Macht in den Jahren 2017–18 ihren Höhepunkt erreichte und sich die Aussichten seither eingetrübt haben. Zwar kämpft China mit ungünstiger Demografie, desillusionierter Jugend und hoher Verschuldung. Doch technologisch liegt das Land nur wenige Monate hinter den USA zurück und baut seine militärischen Kapazitäten gezielt aus, um die US-Vorherrschaft im westlichen Pazifik herauszufordern. China zu unterschätzen, wäre gefährlich.

Ebenfalls diskutabel ist Simms' Einordnung des Vereinigten Königreichs als Großmacht, während er der EU und dem Rest Europas diese Qualifikation verweigert. Kritiker dürften darin übertriebenen patriotischen Eifer sehen. Simms räumt zwar ein, dass Großbritannien schwächelt, argumentiert aber, dass Resilienz, Reichweite und Reputation den Mangel an Ressourcen ausgleichen. Dabei unterschätzt er, wie stark das internationale Ansehen Großbritanniens durch den Brexit und die politische Dysfunktion der vergangenen zehn Jahre gelitten hat.

Geopolitik verdrängt Globalisierung

Zu den wertvollsten Einsichten des Buches gehört die Analyse des Spannungsfelds zwischen wirtschaftlicher Verflechtung und Sicherheit. Unter Berufung auf den ehemaligen US-Beamten Edward Fishman zeigt Simms: In einer Welt des geopolitischen Wettbewerbs können Nationen nicht gleichzeitig wirtschaftliche Interdependenz und wirtschaftliche Sicherheit haben. Der Globalisierungsschub der 1990er und 2000er Jahre war nur möglich, weil es damals keine nennenswerte geopolitische Rivalität gab. Heute müssen Nationen sorgfältig wählen, auf wen sie sich verlassen – um ihre Abhängigkeiten nicht ausnutzen zu lassen.

Simms weist zudem darauf hin, dass größere Umbrüche in Autokratien wahrscheinlicher sind, da dort Führungswechsel seltener stattfinden. Neue Autokraten können die Strategie dramatisch verändern – wie es Michail Gorbatschow und später Putin in Russland taten, wie Deng Xiaoping und Xi Jinping in China oder Mohammed bin Salman in Saudi-Arabien.

Die gesteuerte Rivalität zwischen den USA, China und Russland, die Simms beschreibt, wäre den Staatsmännern des Europa des 19. Jahrhunderts vertraut. Für deutsche Anleger und Unternehmen bedeutet diese neue Weltordnung vor allem eines: Geopolitisches Risiko ist kein vorübergehendes Phänomen mehr, sondern ein dauerhafter Faktor in der strategischen Planung.

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