ANZEIGEDie kleine Aktie ist aktuell gnadenlos unterbewertet. So profitieren deutsche Anleger…

Großbritanniens Neubaumarkt in der Krise: Wie geht es weiter?

Steigende Hypothekenzinsen und wirtschaftliche Unsicherheit bremsen Großbritanniens Wohnungsbau – die Regierung steht unter Zugzwang.

Großbritanniens Neubaumarkt in der Krise: Wie geht es weiter?

Der britische Neubaumarkt steckt in einer tiefen Krise. Rasant gestiegene Hypothekenzinsen und anhaltende wirtschaftliche Unsicherheit haben die Hoffnungen auf eine Erholung des Wohnungsmarktes zunichtegemacht. Die Nachfrage nach neuen Häusern – sowohl von Investoren als auch von Eigenheimkäufern – schrumpft weiter, und die Lage der gesamten Wohnungsbaubranche gilt als düster.

Dabei hätte 2025 eigentlich das Jahr der Wende werden sollen. Im Januar befanden sich die Hypothekenzinsen auf einem Abwärtspfad, die Transaktionen hatten sich normalisiert und die Hauspreise stiegen. Doch bereits im Februar änderte sich das Bild grundlegend: Geopolitische Verwerfungen trieben die Zinsen erneut in die Höhe und zerstörten die fragile Erholung.

Branche unter Druck – Insolvenzen nehmen zu

Die Folgen für die Wohnungsbaubranche sind gravierend. Altlasten bei der Gebäudesicherheit sowie notwendige Änderungen an Geschäftsmodellen treiben die Bau- und Finanzierungskosten in die Höhe, während die Umsätze stagnieren. Eigentümer kleinerer Firmen verlassen den Markt – meist freiwillig, aber auch Insolvenzen häufen sich.

Einige Unternehmen reagieren mit einem Stopp beim Kauf weiterer Bauflächen und einem Einstellungsstopp. Das verschiebt Probleme lediglich in die Zukunft. Das eigentliche Kernproblem bleibt ungelöst: Immer weniger Menschen können es sich leisten, Häuser zu dem Preis zu kaufen, zu dem Bauträger sie errichten können.

Die Regierung unter Premierminister Starmer hat sich das ambitionierte Ziel von 1,5 Millionen neuen Wohnungen in England gesetzt. Doch die Realität sieht anders aus: Aktuell liegt die Regierung bei der Gesamtzahl fertiggestellter Wohnungen sowohl hinter den Regierungen May und Johnson zurück als auch unter der Rate der Sunak-Regierung – von den für 300.000 Einheiten pro Jahr erforderlichen Zahlen ganz zu schweigen.

Staatliche Intervention unvermeidlich

Trotz aller politischen Rhetorik erkennt die Regierung das Ausmaß der Herausforderungen bisher nicht vollständig an. Eine Planungsreform mag langfristig wichtig sein, löst aber nicht das unmittelbare Problem: fehlende Nachfrage und angespannte Rentabilität. Wenn niemand neue Häuser kauft, werden sie auch nicht geplant oder gebaut.

Andy Burnham hat indes angedeutet, dass ein Kurswechsel kommen könnte. Er versprach das „größte kommunale Wohnungsbauprogramm seit der Nachkriegszeit" – ein populäres Versprechen, dessen Umsetzung angesichts leerer Staatskassen jedoch schwierig bleibt. Da jedes Ministerium nach mehr Mitteln ruft, scheinen Steuererhöhungen oder Reformen kaum vermeidbar.

Die Branche selbst fordert ein breites Maßnahmenpaket: von einer neuen Version des „Help to Buy"-Eigenkapitaldarlehens über Steuersenkungen und weniger Regulierung bis hin zu mehr Flexibilität bei den sogenannten „Section 106"-Vereinbarungen, die Bauträger zur Bereitstellung von Infrastruktur oder Beiträgen zur lokalen Gemeinschaft verpflichten.

Historische Abhängigkeit vom privaten Markt

Die Wurzeln der Krise reichen tief. Seit den 1970er Jahren, als das große kommunale Wohnungsbauprogramm endete, hat sich Großbritannien zunehmend auf private Bauträger verlassen. Ab 2010 wurden die Zuschüsse für sozialen und bezahlbaren Wohnraum weiter gekürzt. Die Folge: Private Bauträger finanzierten bezahlbaren Wohnraum durch den Verkauf von Marktwohnungen, während Wohnungsbaugesellschaften ihre Projekte durch private Mietobjekte oder Modelle mit geteiltem Eigentum quersubventionieren mussten.

Einige Wohnungsbaugesellschaften begannen daraufhin, eher wie private Bauträger zu agieren – inklusive des Kaufs von Grundstücksreserven auf dem Höhepunkt des Marktes und der Vernachlässigung ihres Bestands. Das hat sie als Instrument für staatliche Markteingriffe im aktuellen Abschwung geschwächt.

Es gibt jedoch auch positive Beispiele innovativer Intervention: Die Greater London Authority investierte 100 Millionen Britische Pfund in das Silvertown-Projekt in West Ham und übernahm dabei eine aktive Beteiligung von einem US-Milliardär. Auch Kommunalbehörden in Städten wie Altrincham, York und Plymouth arbeiten zunehmend Hand in Hand mit privaten Bauträgern und Generalunternehmern.

Die Sorge wächst dennoch, dass die Regierung zu größeren Eingriffen gezwungen sein könnte als bisher geplant. Im schlimmsten Fall könnte sogar die Rettung eines Bauträgers oder eines großen Bauunternehmers notwendig werden. Eines ist klar: Weniger neue Wohnungen bedeuten mehr Mietsteigerungen, mehr Kinder in ungeeigneten Unterkünften und mehr Eigenheimbesitzer, die nicht umziehen können.

Neubaumarkt GroßbritannienWohnungsbaukriseHypothekenzinsen UkHelp To BuyBritischer ImmobilienmarktWohnungsbau RegierungSection 106

Disclaimer