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Großbritanniens nächster Premier steht vor massiven wirtschaftlichen Herausforderungen

Andy Burnham gilt als Favorit für das Amt des Premierministers – doch die wirtschaftlichen Probleme Großbritanniens bleiben unabhängig vom Amtsinhaber gewaltig.

Großbritanniens nächster Premier steht vor massiven wirtschaftlichen Herausforderungen

Großbritannien hat in einem Jahrzehnt sechs Premierminister erlebt. Nun deutet vieles darauf hin, dass Andy Burnham der siebte werden könnte. Doch wer auch immer die Regierung übernimmt, sieht sich denselben strukturellen Problemen gegenüber – Problemen, die tief in der wirtschaftlichen Lage des Landes verwurzelt sind.

Die politische Instabilität der vergangenen Jahre ist kein Zufall. Fehlende Beschäftigungsmöglichkeiten, stagnierende Lebensstandards und unter Druck stehende öffentliche Dienste haben das Vertrauen der Bevölkerung in die Politik erschöpft. Die Öffentlichkeit erwartet Veränderungen – und ihre Geduld ist am Ende.

Fiskalpolitik unter Druck

Burnham hat versprochen, die Wirtschaft wiederzubeleben, will sich dabei aber an die bestehenden Fiskalregeln der aktuellen Regierung halten. Das bedeutet konkret: Kredite nur für Investitionen aufnehmen, nicht zur Finanzierung laufender Ausgaben, und die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung in einigen Jahren zu senken.

Schatzkanzlerin Rachel Reeves hatte vor Ausbruch des Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran noch einen fiskalischen Spielraum von 24 Milliarden Pfund eingeplant. Ein Großteil davon könnte durch den Krieg bereits aufgezehrt worden sein. Allein die Zinszahlungen auf die britischen Staatsschulden verschlingen bereits jeden zehnten Pfund der gesamten Staatsausgaben – ein enormer Druck auf jeden Haushalt.

Burnhams Festhalten an den bestehenden Regeln zeigt, dass er die Anleihemärkte – also die Kreditgeber des Staates – nicht verunsichern will. Dennoch könnten selbst seine bisher angedeuteten Pläne den verfügbaren Spielraum leicht überschreiten. Manche Ideen könnten den Kontakt mit der finanziellen Realität nicht überstehen.

Alternativ könnte er die Regeln anpassen: Die Anleihemärkte könnten eine höhere Kreditaufnahme für Investitionen akzeptieren, wenn diese glaubwürdig mit höherem Wachstum verbunden wäre. Oder der neue Premier könnte Mittel durch Steuererhöhungen oder Kürzungen in anderen Bereichen mobilisieren.

Stagnierende Lebensstandards als Kernproblem

Wirtschaftswachstum – also mehr Geld in den Taschen der Bürger – muss die oberste Priorität bleiben. Zwischen 1990 und 2007 verbesserte sich der Lebensstandard der durchschnittlichen Person um rund 2,5 Prozent pro Jahr. Seitdem hat sich diese Verbesserungsrate halbiert, was bedeutet, dass britische Haushalte heute um Tausende Pfund schlechter gestellt sind, als sie es ohne diesen Einbruch hätten sein können.

Ein Mangel an öffentlichen und privaten Investitionen in den Austeritätsjahren sowie nach dem Brexit hat die Produktivität geschwächt und damit den gesellschaftlichen Wohlstand gemindert. Covid-Verwerfungen und höhere Energiepreise haben die Lage zusätzlich verschärft. Besonders schmerzhaft: Die Lebensmittelpreise sind in nur wenigen Jahren um 40 Prozent gestiegen – eine massive Belastung für die Haushaltsfinanzen breiter Bevölkerungsschichten.

Burnham hat angedeutet, mehr Investitionen und einen stärkeren Fokus auf Qualifikationen fördern zu wollen. Zudem sprach er sich für eine stärkere staatliche Kontrolle der Versorgungsunternehmen aus, um Energierechnungen zu senken. Konkrete Pläne stehen jedoch noch aus.

Jobmarkt auf Fünfjahrestief

Das schwache Wachstum schlägt sich direkt auf den Arbeitsmarkt nieder. Die Zahl der Neueinstellungen liegt auf dem niedrigsten Stand seit fünf Jahren, wobei junge Menschen besonders hart betroffen sind. Die Zurückhaltung der Unternehmen bei Neueinstellungen spiegelt dabei mehr als nur die jüngsten konjunkturellen Schwierigkeiten wider.

Automatisierung sowie politische Entscheidungen der Regierung – darunter höhere nationale Mindestlöhne und gestiegene Unternehmenssteuern – haben ebenfalls eine Rolle gespielt. Dies zeigt sich besonders deutlich in der Konzentration von Arbeitsplatzverlusten in Sektoren wie dem Einzelhandel und dem Gastgewerbe – Branchen, die besonders anfällig für diese Entwicklungen sind.

Für den nächsten Premierminister ergibt sich damit ein klares, aber schwieriges Bild: Wachstum ankurbeln, Investitionen steigern, Haushalte entlasten – und das alles innerhalb enger fiskalischer Grenzen. Eine Aufgabe, die jeden der bisherigen sechs Premierminister des Jahrzehnts überfordert hat.

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