Großbritanniens außenpolitischer Kurs nach dem Brexit: Wohin führt der Weg?
Zwischen Washington und Peking, zwischen Sonderbeziehung und Europa: Großbritannien sucht seinen Platz in der neuen Weltordnung.

Die geopolitische Lage zwingt Großbritannien zu einer grundlegenden Standortbestimmung. Im Machtkampf zwischen den USA und China stellt sich die Frage, welche Position London einnehmen soll – und ob die traditionsreiche „Special Relationship" mit Washington noch zeitgemäß ist. Diese Debatte gewinnt angesichts globaler Spannungen zunehmend an Brisanz.
Der FT-Chefkommentator Gideon Rachman diskutiert diese Fragen in seinem Podcast „The Rachman Review" mit Ben Judah, dem ehemaligen Sonderberater des stellvertretenden Premierministers David Lammy. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob alle Wege für Großbritannien letztlich zurück nach Europa führen – oder ob die transatlantische Bindung an die USA weiterhin das Fundament britischer Außenpolitik bildet.
Rückkehr nach Europa als Option
Die Diskussion fällt in eine Zeit, in der die Beziehungen zwischen London und Brüssel neu bewertet werden. Bemerkenswert ist dabei eine Aussage aus dem britischen Finanzministerium: Ein Minister bezeichnete den Wiedereintritt Großbritanniens in die EU als „unvermeidlich". Diese Einschätzung zeigt, wie offen die Debatte über die langfristige außenpolitische Ausrichtung des Landes inzwischen geführt wird.
Gleichzeitig bleibt die Lage im Verhältnis zu den USA angespannt. US-Präsident Donald Trump warnte zuletzt, die Vereinigten Staaten würden den Iran bald wieder „hart" treffen – eine Ankündigung, die die geopolitischen Spannungen weiter anheizt und Großbritannien vor die Frage stellt, wie eng es sich an Washington binden will.
Europäische Sicherheitsarchitektur im Wandel
Parallel dazu wird in außenpolitischen Kreisen die Idee eines europäischen Sicherheitsrats diskutiert. Angesichts der Unsicherheiten rund um die NATO und die US-amerikanische Sicherheitsgarantie gewinnt eine stärkere europäische Eigenverantwortung in Verteidigungsfragen an Bedeutung – auch für Großbritannien als wichtige Militärmacht.
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Zur AktienanalyseDie Einschätzung, dass Putin und Trump nicht die entscheidenden Trümpfe in der Hand halten, rundet das geopolitische Bild ab. Sie deutet darauf hin, dass die Handlungsspielräume der großen Akteure begrenzter sind, als es auf den ersten Blick erscheint – und dass mittlere Mächte wie Großbritannien durchaus Gestaltungsmöglichkeiten besitzen.
Für deutsche und europäische Beobachter ist die britische Debatte von unmittelbarem Interesse. Eine Annäherung Londons an Brüssel würde die europäische Sicherheits- und Wirtschaftsarchitektur erheblich verändern. Ob und wann ein solcher Schritt politisch realisierbar wäre, bleibt jedoch offen. Die Diskussion zwischen Rachman und Judah liefert dazu wichtige Einblicke in das aktuelle Denken britischer außenpolitischer Kreise.


