Großbritannien verschärft Regeln für Geldmarktfonds noch 2025
London plant strengere Regulierung für den 405-Milliarden-Dollar-Sektor – als Reaktion auf die Turbulenzen der COVID-Krise 2020.

Großbritannien will noch im laufenden Jahr strengere Regeln für Geldmarktfonds einführen. Die britische Regierung gab am Donnerstag bekannt, dass ein neuer Regulierungsrahmen geschaffen wird, der den rund 300 Milliarden Pfund (etwa 405 Milliarden Dollar) schweren Sektor der Sterling-Geldmarktfonds verpflichten soll, mehr liquide Mittel vorzuhalten. Damit reagiert London auf Schwachstellen, die während der COVID-19-Pandemie im März 2020 offenbar wurden.
Damals löste die sogenannte „Dash for Cash" – die massenhafte Flucht der Anleger in Bargeld – massive Mittelabflüsse aus Geldmarktfonds aus. Die Fonds gerieten unter Druck, weil Anleger ihr Kapital schneller abziehen konnten, als die Fonds ihre weniger liquiden Vermögenswerte am Markt verkaufen konnten. Dieses strukturelle Ungleichgewicht rückte den Sektor seither in den Fokus der Regulierungsbehörden weltweit.
„Diese Reformen stellen einen wichtigen Schritt zur Stärkung der Widerstandsfähigkeit des breiteren Nichtbanken-Finanzsektors dar", erklärte die britische Regierung in ihrer Mitteilung. Die Financial Conduct Authority (FCA), die britische Finanzaufsichtsbehörde, soll in Kürze eine Erklärung mit weiteren Einzelheiten zu den geplanten Maßnahmen veröffentlichen.
Warnung der Bank of England vor systemischen Risiken
Die Bank of England (BoE) hatte bereits in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht eindringlich vor den Risiken des Sektors gewarnt. Demnach sind Geldmarktfonds in Stressphasen besonders anfällig für plötzliche Rücknahmewellen. Die Zentralbank warnte, dass solche Runs Marktschocks verstärken und letztlich die Finanzierungsbedingungen für die gesamte Wirtschaft verschärfen könnten – ein systemisches Risiko, das weit über den Fondssektor hinausreicht.
Bereits 2023 hatte die FCA eine Konsultation zu Reformen durchgeführt, die darauf abzielen, den Verkauf von Vermögenswerten durch Fonds in Krisenzeiten zu erleichtern. Dies folgte auf eine explizite Empfehlung der Bank of England, den Sektor widerstandsfähiger zu gestalten. Die nun angekündigte Gesetzgebung bedarf noch der parlamentarischen Zustimmung und soll den grenzüberschreitenden Charakter des Sektors berücksichtigen.
Europäische Kommission zieht mit neuen Leitlinien nach
Großbritannien steht mit seinen Reformplänen nicht allein. Die Europäische Kommission veröffentlichte am Montag neue Leitlinien für Geldmarktfonds, in denen dargelegt wird, wie Liquiditätspuffer genutzt werden sollten, um Rücknahmeverlangen in Zeiten von Marktstress zu bedienen. Damit zeigt sich ein klarer internationaler Trend hin zu einer strengeren Regulierung des Sektors.
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Zur AktienanalyseDarüber hinaus kündigte die britische Regierung an, eine vorübergehende Genehmigung verlängern zu wollen, die es EU-Fonds erlaubt, ihre Produkte britischen Anlegern anzubieten. Diese Genehmigung wäre andernfalls noch Ende dieses Jahres ausgelaufen – ein weiterer Schritt, der die engen Verflechtungen zwischen dem britischen und dem europäischen Kapitalmarkt trotz Brexit widerspiegelt.
Für deutsche Privatanleger, die in britische oder internationale Geldmarktfonds investiert sind, bedeuten die Reformen mittelfristig mehr Sicherheit. Höhere Liquiditätspuffer sollen das Risiko von erzwungenen Notverkäufen und damit verbundenen Kursverlusten in Krisenzeiten deutlich reduzieren.


