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Großbritannien startet konsolidierten Anleihe-Datenfeed für mehr Markttransparenz

Das Vereinigte Königreich hat erstmals einen Echtzeit-Datenfeed für nahezu alle Anleihegeschäfte eingeführt – ein Meilenstein für die Rentenbranche.

Großbritannien startet konsolidierten Anleihe-Datenfeed für mehr Markttransparenz

Das Vereinigte Königreich hat einen wichtigen Schritt in Richtung Markttransparenz vollzogen: Mit dem Start des sogenannten Consolidated Tape verfügt das Land nun erstmals über eine laufende Echtzeit-Aufzeichnung nahezu aller im Land getätigten Anleihegeschäfte. Was auf den ersten Blick wie eine technische Formalität wirkt, ist für die internationale Rentenbranche von erheblicher Bedeutung.

Zum Vergleich: Die USA führten ihre Trade Reporting and Compliance Engine (Trace) bereits im Jahr 2002 ein und haben seitdem immer größere Teile des amerikanischen Anleihemarktes transparent gemacht. Großbritannien und Europa hinken damit jahrzehntelang hinterher. Zwar mussten Händler an britischen und europäischen Anleihemärkten ihre Transaktionen seit der Einführung von Mifid II melden – jedoch oft mit erheblichen Verzögerungen und ohne einheitliche Datenbündelung.

Die Zersplitterung des Handels über den Kontinent hinweg machte die Erfassung dieser Daten lange zu einem mühsamen und teuren Unterfangen. Das Ergebnis: Nur größere Marktteilnehmer verfügten über die Mittel, diese Informationen zu aggregieren. Kleinere Investoren und internationale Akteure hatten damit einen strukturellen Informationsnachteil.

Breite Unterstützung aus der Branche

Der Start des britischen Datenfeeds wurde von zahlreichen Branchenverbänden begrüßt – darunter AFME, ICMA, UK Finance, AIMA und EVIA. Auch die britische Finanzaufsichtsbehörde FCA äußerte sich positiv: „Gute Märkte basieren auf guten Informationen. Der heutige Start eines konsolidierten Datenfeeds bietet Anlegern zum ersten Mal einen klaren, zuverlässigen und umfassenden Überblick über den britischen Anleihehandel."

Die FCA betonte zudem die internationale Bedeutung des Schritts: „Das Vereinigte Königreich ist weltweit führend bei der Emission und dem Handel von festverzinslichen Wertpapieren, und dies ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Landes als führendes Finanzzentrum." Da im Vereinigten Königreich auch viele nicht-britische Anleihen gehandelt werden, ist diese Einschätzung durchaus substanziell.

Bereits im Vorfeld des Starts haben verschiedene britische und europäische Reformen das Bild verbessert. Laut Berechnungen von Barclays werden mittlerweile etwa 70 bis 80 Prozent der Geschäfte in Echtzeit gemeldet – verglichen mit lediglich 10 bis 20 Prozent vor einem Jahr. Der neue Datenfeed soll nun den Großteil der verbleibenden Geschäfte erfassen und, entscheidend, alle Daten an einem einzigen Ort bündeln.

Zehn Auswirkungen auf den Anleihenmarkt

Zornitsa Todorova, Leiterin der thematischen Rentenmarktforschung bei Barclays, hat zehn bemerkenswerte Auswirkungen des konsolidierten Datenfeeds identifiziert:

Günstigere kleine Abschlüsse, aber potenziell teurere Block-Trades:

Transparenz verengt Spreads bei guter Liquidität, erschwert jedoch das diskrete Bewegen großer Volumina.

Quantensprung im elektronischen und algorithmischen Handel:

Ein reichhaltigerer Datenfeed verbessert Preisbildung und Modellkalibrierung und beschleunigt die automatisierte Ausführung.

Mehr Portfolio-Handel:

Portfolio-Trades werden attraktiver, da Teilnehmer Risiken bündeln und von Meldeverzögerungen auf Korb-Ebene profitieren können.

Häufung von Handelsgrößen an Schwellenwerten:

Geschäfte werden zunehmend so dimensioniert, dass sie Meldeschwellen gerade überschreiten, um Verzögerungen zu maximieren.

Niedrigere Emissionskosten:

Bessere Preistransparenz am Sekundärmarkt drückt Neuemissionsprämien, besonders für kleinere oder niedriger geratete Emittenten.

Geringere Preisdispersion:

Da alle Marktteilnehmer mehr identische Daten sehen, sinkt die Bewertungsunsicherheit und die Preisspanne für dieselbe Anleihe verengt sich.

Zunahme von Delayed Spots und Agency-Ausführungen:

Die Marktstruktur passt sich an, um Informationslecks zu kontrollieren.

Breitere und globalere Investorenbeteiligung:

Niedrigere Informationsbarrieren machen den Markt für internationale Investoren zugänglicher und vergrößern den Liquiditätspool.

Beschleunigung systematischer Kreditstrategien:

Der Datenfeed ermöglicht robustere Modellierung und Backtesting für quantitativ gesteuerte Kreditinvestitionen.

Potenzielle Verlagerung von Aktivitäten ins Vereinigte Königreich:

Ein vorteilhafteres Meldesystem für Block-Trades könnte größere Geschäfte anziehen – wenngleich eher schrittweise als unmittelbar.

Noch kein Endpunkt erreicht

Todorova betonte jedoch, dass der konsolidierte Datenfeed kein Endziel darstellt. Die britischen Anleihehandelsdaten müssen weiterhin konsistent gemeldet, bereinigt, konsolidiert und mit anderen Handelsplätzen abgeglichen werden – etwa mit dem geplanten EU-Datenfeed, sobald dieser eingeführt wird. Andernfalls könnte der praktische Nutzen für Anleger bescheiden bleiben.

Sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU haben Aufträge zur Erstellung konsolidierter, öffentlicher Datenfeeds für Anleihen vergeben. Nach einigen rechtlichen Anfechtungen ging der britische Feed nun als erster an den Start. Der europäische Pendant steht noch aus – womit Großbritannien in diesem Bereich vorerst die Nase vorn hat.

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