Großbritannien plant Verdopplung der Stahlimportzölle auf 50 Prozent
London will seine Stahlindustrie mit drastisch höheren Zöllen und reduzierten Importquoten vor günstigeren Auslandsangeboten schützen.

Großbritannien plant, die Zölle auf Stahlimporte auf 50 Prozent zu verdoppeln. Die Regierung will zudem die Importquoten für viele Stahlprodukte aus Übersee drastisch senken, wie Politico am Montag unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen berichtete. Eine offizielle Ankündigung wird für Donnerstag erwartet.
Mit diesem Schritt würde sich Großbritannien weitgehend auf eine Linie mit der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten bringen. Beide Wirtschaftsräume schützen ihre heimische Stahlindustrie bereits durch vergleichbare Schutzmaßnahmen. Die erhöhten Zölle gelten außerhalb der festgelegten Importobergrenzen.
Die britische Stahlindustrie sichert rund 37.000 Arbeitsplätze und war im Jahr 2024 für 0,1 Prozent der gesamten britischen Wirtschaftsleistung verantwortlich. Der Sektor kämpft seit Jahren mit hohen Energiekosten und einem intensiven Wettbewerb durch günstigere globale Importe, insbesondere aus China.
Tata Steel und British Steel unter Druck
Der anhaltende Druck hat bei zwei der größten britischen Stahlproduzenten zu erheblichen finanziellen Schwierigkeiten geführt. Tata Steel schloss bereits zwei Hochöfen im walisischen Port Talbot, einem der bedeutendsten Stahlstandorte des Landes. Die Schließungen betrafen Tausende von Arbeitsplätzen in der Region.
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Zur AktienanalyseNoch drastischer verlief die Lage bei British Steel: Die britische Regierung musste die Kontrolle über das Unternehmen übernehmen, um eine drohende Stilllegung des Werks in Scunthorpe zu verhindern. Der bisherige chinesische Eigentümer Jingye hatte das Werk kurz vor der Schließung gestanden. Mit der Verstaatlichung sicherte London vorerst den Fortbestand des Standorts und die dort verbliebenen Arbeitsplätze.
Die geplanten Zollerhöhungen sind Teil einer umfassenderen Strategie der britischen Regierung, die heimische Stahlindustrie langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Ob die Maßnahmen ausreichen, um den strukturellen Herausforderungen des Sektors dauerhaft zu begegnen, bleibt abzuwarten.


