Großbritannien könnte 110-Milliarden-Deal zwischen Paramount und Warner Bros. blockieren
London prüft eine mögliche Intervention beim geplanten Mega-Merger – trotz bereits erteilter Genehmigungen aus USA, China und weiteren Ländern.

Großbritannien hat am Dienstag angekündigt, bei der geplanten Übernahme von Warner Bros. Discovery durch die Paramount Skydance Corp intervenieren zu können. Der Deal hat ein Volumen von rund 110 Milliarden US-Dollar und könnte durch den britischen Vorstoß erheblich verzögert werden. Die USA, China, Australien, Deutschland, Frankreich und Saudi-Arabien haben dem Geschäft bereits zugestimmt.
Der britische Schritt ist die erste Stufe eines mehrstufigen Prüfprozesses. Am Ende könnte das Geschäft der britischen Kartellbehörde, der Competition and Markets Authority (CMA), zur eingehenden Untersuchung vorgelegt werden. Die CMA ist international bekannt, seit sie 2023 die 69 Milliarden Dollar schwere Übernahme des „Call of Duty"-Entwicklers Activision Blizzard durch Microsoft zunächst blockierte – und damit den Zorn beider US-Konzerne auf sich zog. Erst nachdem Microsoft seinen Übernahmeplan angepasst hatte, änderte die Behörde ihre Meinung.
Frist bis zum 6. Juli gesetzt
Britische Kulturministerin Lisa Nandy hat den betroffenen Unternehmen eine Frist bis zum 6. Juli für eine Stellungnahme gesetzt. In einer offiziellen Mitteilung erklärte sie: „Ich bin mir der Notwendigkeit bewusst, zeitnah eine endgültige Entscheidung zu treffen, und werde mich bemühen, dies in angemessener Weise zu tun." Nandy begründete die mögliche Intervention damit, dass das Geschäft trotz seiner globalen Natur Auswirkungen auf das Nachrichtenangebot und die On-Demand-Dienste in Großbritannien haben könnte.
Konkret besitzt Paramount den britischen Sender Channel 5, einen frei empfangbaren Fernsehsender mit eigenem Nachrichtenprogramm. Warner Bros. Discovery ist seinerseits Eigentümer von CNN International. Darüber hinaus könnten laut britischer Regierung weitere Dienste betroffen sein, darunter TNT Sports, Cartoon Network, Nickelodeon sowie die Streamingdienste Paramount+ und HBO Max.
Nandy wies zudem darauf hin, dass die aktuelle britische Gesetzgebung On-Demand-Dienste nicht abdecke, da sie zu einer Zeit entworfen wurde, als das Fernsehen noch überwiegend über Rundfunk stattfand. Sie kündigte an, bei Bedarf ergänzende Rechtsvorschriften einzuführen. Dabei ist zu beachten, dass Paramount+ und HBO Max im britischen Streaming-Markt nur eine marginale Rolle spielen: Ein Ofcom-Bericht aus dem Jahr 2025 fasste Paramount+ gemeinsam mit Discovery+ und Hayu in der Kategorie „Sonstige" zusammen, die lediglich 6 Prozent des Marktes ausmacht – verglichen mit 59 Prozent bei Netflix. HBO Max, das erst im März in Großbritannien startete, hält voraussichtlich einen ähnlich geringen Marktanteil.
Milliardenschwere „Ticking Fee" als Druckmittel
Um Investoren trotz der regulatorischen Unsicherheiten zu beruhigen, hat Paramount den Aktionären von Warner Bros. Discovery eine sogenannte „Ticking Fee" angeboten. Für jedes Quartal, in dem der Abschluss des Deals über den 30. September hinaus verzögert wird, erhalten die Aktionäre 25 Cent pro Aktie – das entspricht rund 650 Millionen US-Dollar in bar pro Quartal. Paramount erklärte am Dienstag, man sei zuversichtlich, dass die Transaktion keine Probleme hinsichtlich der Medienvielfalt aufwerfe, und halte am geplanten Zeitplan fest. Warner Bros. Discovery reagierte zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.
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Zur AktienanalyseParallel zur britischen Prüfung untersuchen auch die EU-Wettbewerbshüter das Geschäft. Paramount plant, noch in dieser Woche Abhilfemaßnahmen vorzuschlagen, um wettbewerbsrechtliche Bedenken auszuräumen und die EU-Zustimmung zu erhalten.
Sollte Kulturministerin Nandy nach Eingang der Stellungnahmen eine formelle Interventionsmitteilung im öffentlichen Interesse erlassen, würden Prüfungen durch die Medienaufsichtsbehörde Ofcom und die CMA ausgelöst. Diese Behörden hätten dann bis zu 40 Tage Zeit für ihren Bericht. Anschließend könnte Nandy das Geschäft genehmigen oder für eine weitere Untersuchung verweisen, die bis zu 24 Wochen dauern kann. Sollten dabei Bedenken festgestellt werden, könnten die Unternehmen versuchen, diese durch Abhilfemaßnahmen wie Veräußerungen oder Verpflichtungen zum Schutz der redaktionellen Unabhängigkeit auszuräumen.


