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Gropyus AG: Holz-Plattenbauten als Antwort auf Wohnungsnot

Das Start-up Gropyus baut serielle Holzhäuser – günstiger, schneller und nachhaltiger als konventioneller Stahl- und Betonbau.

Gropyus AG: Holz-Plattenbauten als Antwort auf Wohnungsnot

Philipp Erler klopft gegen einen Holzpfeiler und ist überzeugt: „Das hält genauso gut, wie wenn ich es herkömmlich bauen würde." Herkömmlich bedeutet in der Baubranche: Stahl und Beton. Erler und sein Unternehmen, die Gropyus AG, gehen einen anderen Weg – und setzen konsequent auf Holz als Baustoff der Zukunft.

Die Mission des Start-ups ist klar definiert: Bauen mit Holz soll Energie sparen, die Umwelt schonen und deutlich weniger Treibhausgase freisetzen als konventionelle Bauweisen. Langfristig soll der Holzbau sogar günstiger werden als der klassische Betonbau. Ein ambitioniertes Ziel – das Gropyus aber bereits mit ersten Projekten unter Beweis stellt.

Prüfstein Berlin: Sieben Stockwerke aus Holz im Innenhof

Ein Rohbau in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf zeigt, was das Konzept leisten kann. Sieben Geschosse, hohe Fenster, Balkone – und fast alle Wände und Pfeiler aus Holz. Nur vereinzelt kommen Stahlträger oder Betonwände zum Einsatz, wo es bautechnisch notwendig oder vorgeschrieben ist. Auftraggeber ist Vonovia, Deutschlands größtes Wohnungsunternehmen.

Die Herausforderungen des Projekts waren erheblich: Die Baustelle liegt in einem Innenhof, umgeben von Bestandswohnungen. Die Toreinfahrt ist so eng, dass keine größeren Bauteile hindurchpassen. „Es muss wirklich alles mit einem Kran über die Vorderhäuser rübergehoben werden", erklärt Erler. „Das hat die Baukosten einfach sehr stark getrieben." Dennoch liegt der Quadratmeterpreis bei rund 3.600 Euro auf die Wohnnutzfläche – für Lage und Rahmenbedingungen ein marktüblicher Wert. „Wir haben es erreicht, jetzt schon preisgleich zu sein", so Erler.

Serielles Bauen: Fabrik, Digitalisierung und KI als Kostenhebel

Das Geschäftsmodell von Gropyus basiert auf einer durchgängigen Wertschöpfungskette. Das Unternehmen gliedert sich in drei Bereiche: ein Planungsbüro, eine eigene Fertigungsfabrik in Baden-Württemberg und die eigentliche Baufirma. Im Planungsbüro entsteht zunächst ein detaillierter „digitaler Zwilling" des geplanten Gebäudes. Die daraus abgeleiteten Einzelteile – etwa fertige Holzwände inklusive bereits integrierter Kabelschächte – werden anschließend weitgehend automatisiert und passgenau in der Fabrik produziert.

Auf der Baustelle werden die vorgefertigten Elemente dann nur noch zusammengesetzt. Dieses Prinzip des seriellen Bauens spart Arbeitszeit und senkt die Kosten – ähnlich wie einst der klassische Plattenbau. Mit wachsender Auftragszahl rechnen die Gründer mit weiteren Skaleneffekten: „Durch Künstliche Intelligenz, durch Automatisierung, durch Digitalisierung", wie Erler betont.

Vonovia als Großinvestor und strategischer Partner

Hinter Gropyus stehen Mitgründer Philipp Erler und Markus Fuhrmann, beide erfahrene Köpfe aus der Start-up-Szene mit Erfahrung in Unternehmen, die später an die Börse gingen. Ihr Antrieb ist nicht kurzfristiger Gewinn: „Es geht darum, wirklich langfristig etwas zu bauen, was echt einen Unterschied macht", sagt Erler. Wohnungsnot, Nachhaltigkeit und bezahlbares Wohnen seien die treibenden Themen.

Vonovia ist mittlerweile nicht nur Auftraggeber, sondern auch Großinvestor bei Gropyus. Sebastian Krüger, Regionalbereichsleiter bei Vonovia, zeigt sich überzeugt: „Wir brauchen schnell viel Wohnraum." Die ersten Erfahrungen mit der seriellen Holzbauweise seien positiv. „Wir stellen fest, dass wir mit dieser Bauweise schneller bauen können. Und das hilft uns, den Wohnraum viel günstiger bereitzustellen."

Marktpotenzial: Bis zu 1,4 Millionen fehlende Wohnungen

Der Markt für das Gropyus-Konzept ist gewaltig. Schätzungen zufolge fehlen in Deutschland bis zu 1,4 Millionen Wohnungen. Das politische Ziel von 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr wird deutlich verfehlt – zuletzt entstand nur rund die Hälfte davon. Wenn serieller Holzbau im großen Maßstab schneller und günstiger realisiert werden kann, dürfte der Marktanteil dieser Bauweise erheblich wachsen.

Für Privatanleger ist das Thema relevant: Vonovia ist als börsennotiertes Unternehmen (DAX) direkt investierbar. Gropyus selbst ist noch nicht an der Börse, doch die Gründer verfügen über Erfahrung mit Börsengängen – und das Wachstumspotenzial im deutschen Wohnungsbaumarkt ist unbestritten groß.

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