Griechenland baut Europas erste Galliumproduktion auf
Metlen investiert Millionen, um Chinas Marktdominanz zu durchbrechen

Der griechische Konzern Metlen Energy & Metals SA plant, ab 2028 Europa vollständig mit Gallium zu versorgen. Dazu investiert das Unternehmen 295,5 Millionen Euro in die erste Produktionslinie für Gallium innerhalb der Europäischen Union. Die Produktion soll 2027 starten und danach die bisherigen Importe ersetzen. Der Vorstandschef und Hauptaktionär Evangelos Mytilineos betonte bei der Vorstellung des Projekts in Agios Nikolaos, dass dies die Selbstversorgung Europas mit kritischen Rohstoffen stärke und Griechenlands strategische Position auf dem Weltmarkt festige.
Gallium ist ein entscheidendes Metall für moderne Technologien. Es wird unter anderem in Smartphones, Solarzellen, LEDs und Computerchips verwendet. Besonders in der 5G-Technologie sind Galliumverbindungen aufgrund ihrer Hochfrequenzeigenschaften essenziell. Derzeit stammen die Galliumimporte der EU überwiegend aus China, das im Jahr 2023 laut Eurostat 79 Prozent der Einfuhren lieferte. Weitere 13 Prozent kamen aus Russland, fünf Prozent aus Kanada.
Metlen betreibt an der Küste der Provinz Böotien Bauxitminen sowie eine Aluminiumproduktion. Als einziger vollständig integrierter Bauxit-, Tonerde- und Aluminiumhersteller Europas verfügt das Unternehmen über eine geschlossene Produktions- und Lieferkette. Der in Böotien abgebaute Bauxit weist zudem einen relativ hohen Galliumgehalt auf. Da Gallium nicht in reiner Form vorkommt, sondern in anderen Mineralien gebunden ist, erfordert die Gewinnung einen hohen Energie- und Arbeitsaufwand. Der Anteil im Bauxit liegt bei weniger als einem Promille.
Metlen, ehemals Mytilineos Holdings, ist in über 30 Ländern tätig. Neben der Metallurgie engagiert sich das Unternehmen im Anlagen- und Fahrzeugbau sowie im Energiesektor. Der Mischkonzern besitzt Griechenlands größten privaten Stromversorger Protergia und erzielte 2023 einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro bei einem Vorsteuergewinn (Ebitda) von 1,01 Milliarden Euro.
Das Unternehmen plant, die jährliche Bauxitförderung auf zwei Millionen Tonnen und die Tonerdeproduktion auf 1,26 Millionen Tonnen zu steigern. Die Galliumproduktion soll dabei 50 metrische Tonnen pro Jahr erreichen, was den gesamten EU-Importen des Jahres 2022 entspricht. In den vergangenen Jahren hatte China mit massiver Produktionsausweitung und Dumpingpreisen den Markt dominiert und fast alle anderen Anbieter verdrängt. Laut US Geological Survey entfielen 2023 über 98 Prozent der globalen Galliumproduktion auf China.
Die chinesische Regierung hatte 2023 Exportkontrollen für Gallium und Germanium eingeführt, nachdem westliche Länder den Export von Mikrochip-Technologien nach China eingeschränkt hatten. Dies führte im Sommer 2023 zu stark reduzierten Exporten und einer Halbierung der EU-Galliumimporte auf unter 25 metrische Tonnen. Trotz der Wiederaufnahme der Ausfuhren im Dezember 2023 suchen Unternehmen weltweit nach alternativen Bezugsquellen.
Ein bedeutender Abnehmer für Gallium befindet sich in Sachsen: Die Freiberger Compound Materials produziert Wafer für Mikrochips. Gallium findet breite Anwendung in der Halbleiterindustrie, insbesondere in der Herstellung von LEDs, Laserdioden und Hochfrequenztransistoren. Zudem spielt es eine Rolle in der medizinischen Diagnostik. Rohstoffexperten erwarten eine steigende Nachfrage, vor allem durch neue Technologien wie Dünnschichtphotovoltaik und Hochfrequenzelektronik. Metlen prognostiziert, dass die globale Nachfrage bis 2030 jährlich um acht Prozent von 883 auf 1393 Tonnen steigen wird.
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Zur AktienanalysePotenzial für eine Ausweitung der Produktion ist vorhanden. Derzeit wird weltweit weniger als zehn Prozent des im Bauxit enthaltenen Galliums extrahiert. Metlen betreibt bereits ein Pilotprojekt zur Galliumgewinnung in Agios Nikolaos, sodass entsprechendes Know-how vorhanden ist. Unternehmenschef Mytilineos sieht in der Investition einen wichtigen Schritt zur Unabhängigkeit der europäischen Industrie und zur Förderung von Innovation und Kreislaufwirtschaft.
Es bleibt jedoch abzuwarten, wie China auf den Markteintritt Griechenlands reagieren wird. Bereits Ende der 2010er-Jahre hatte das Land durch niedrige Preise Wettbewerber vom Markt gedrängt. Sollte Peking erneut Dumpingpreise einsetzen, müsste Metlen über eine langfristige finanzielle Stabilität verfügen, um sich behaupten zu können.


