Greg Abel wiederholt Buffetts Fehler bei Berkshire Hathaway
Berkshire Hathaways neuer CEO Greg Abel sorgt mit seinen ersten Portfolioentscheidungen für Kritik – besonders bei Airlines und Kaufhäusern.

Greg Abel, der neue CEO von Berkshire Hathaway, hat sein erstes Quartal als Vorstandsvorsitzender hinter sich – und die Bilanz fällt gemischt aus. Die vierteljährliche 13F-Einreichung des Konglomerats, die Aufschluss über Portfolioumschichtungen gibt, zeigt: Abel hat das Portfolio deutlich umgebaut. Die Anzahl der gehaltenen Aktienpositionen sank von 39 am Jahresende 2024 auf nur noch 26 zum Ende des ersten Quartals 2025.
Besonders auffällig: Abel stieß offenbar sämtliche Positionen ab, die der frühere Berkshire-Fondsmanager Todd Combs aufgebaut hatte. Darunter befanden sich hochattraktive Unternehmen wie Amazon, Visa und Mastercard. Combs, der neben Ted Weschler als einer von zwei Portfoliomanagern für Buffett tätig war und später auch CEO von GEICO wurde, verließ Berkshire Anfang Dezember, nachdem er bei der Nachfolgeregelung übergangen worden war. Er wechselte zur $10-Milliarden-Strategic-Investment-Group von JPMorgan Chase.
Rückkehr zu alten Problemfeldern
Besonders kritisch wird Abels Entscheidung gesehen, in zwei Branchen zu investieren, in denen Warren Buffett sein Engagement bereits öffentlich als Fehler eingeräumt hatte. Die größte neue Position ist eine Beteiligung an Delta Air Lines im Wert von 2,6 Milliarden US-Dollar, was mehr als 6 Prozent der Aktien der Fluggesellschaft entspricht.
Buffett ist seit Jahrzehnten bekannt für seine Skepsis gegenüber der Luftfahrtbranche. Er bezeichnete den Kapitalbedarf von Airlines einmal als „Fass ohne Boden". Bereits 1989 investierte Berkshire in Vorzugsaktien von US Airways – eine Entscheidung, die Buffett später als „unforced error", also vermeidbaren Fehler, bezeichnete. Obwohl er beim Ausstieg 1998 noch einen kleinen Gewinn erzielen konnte, nannte er es einen „schrecklichen Fehler" und räumte ein, Glück gehabt zu haben, der späteren Insolvenz der Airline entgangen zu sein.
Einen zweiten Versuch wagte Buffett 2016 mit einem Korb aus Investitionen in vier Fluggesellschaften. Auch dieser endete 2020 mit Verlusten, als die COVID-19-Pandemie den globalen Flugverkehr zum Erliegen brachte. Die Attraktivität der Branche liegt für Investoren typischerweise in zunehmender Preismacht durch Kapazitätskonsolidierung – etwa durch Insolvenzen wie im Fall von Spirit Airlines – sowie in lukrativen Kreditkartengeschäften. Dennoch bleibt die Luftfahrt eine kapitalintensive und konjunktursensible Branche, in der Investments langfristig häufig enttäuschen.
Macy's und die schwierige Einzelhandelsthese
Neben Delta erwarb Abel auch eine Beteiligung im Wert von 55 Millionen US-Dollar am Kaufhausbetreiber Macy's. Es ist die erste Berkshire-Investition in ein Kaufhaus seit 1966. Buffett hatte den Einzelhandel stets als schwieriges Geschäft mit geringem Wettbewerbsvorteil beschrieben. Allerdings deuteten Kommentare Buffetts gegenüber CNBC im März darauf hin, dass er hinter diesem Kauf stehen könnte. Als Lockmittel gilt das Immobilienportfolio von Macy's, insbesondere das Flaggschiff-Kaufhaus in New York City.
Die Investmentthese, dass Macy's weit unter dem Wert seines Immobilienportfolios gehandelt wird, ist jedoch nicht neu – und hat der Aktie in den vergangenen zehn Jahren kaum geholfen. Bei den jüngsten Kursen verzeichnete die Aktie einen Verlust von fast 40 Prozent.
Alphabet als klarer Lichtblick
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalysePositiv bewertet wird hingegen Abels deutliche Aufstockung der Berkshire-Beteiligung an Alphabet, der Muttergesellschaft von Google. Abel kaufte Alphabet-Aktien im Wert von rund 10 Milliarden US-Dollar – deutlich mehr als beim Delta-Kauf, der mit 2,6 Milliarden die zweitgrößte Akquisition des Quartals darstellte. Alphabet gilt als langfristig stark positioniert im Bereich künstliche Intelligenz, da das Unternehmen sowohl über ein eigenes KI-Modell als auch über eigene Chips verfügt.
Ebenfalls bemerkenswert: Abel verdreifachte die Beteiligung am Zeitungsverlag The New York Times, nachdem er im vierten Quartal eine erste Position aufgebaut hatte. Das Unternehmen hat sich operativ gut entwickelt, doch bei einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 27 erscheint die Bewertung nicht sonderlich attraktiv.
Insgesamt zeigt Abels erster Quartalsbericht als Berkshire-CEO ein gemischtes Bild. Während der Alphabet-Kauf als starker Zug gilt, werfen die Investments in Airlines und Kaufhäuser Fragen auf – und erinnern an Kapitel der Berkshire-Geschichte, die Buffett selbst lieber vergessen würde.


