Greg Abel verkauft Amazon und kauft Macy's für Berkshire Hathaway
Buffetts Nachfolger Greg Abel sorgt in seinem ersten Quartal als Berkshire-CEO mit überraschenden Portfolio-Entscheidungen für Aufsehen.

Greg Abel hat zu Beginn des Jahres den Posten des CEO von Berkshire Hathaway von Warren Buffett übernommen. Sein erstes Quartal an der Spitze des Konglomerats war ereignisreich: Abel und sein Team schlossen mehrere Positionen und kauften gleichzeitig Anteile an neuen Unternehmen. Dabei sorgte insbesondere der Verkauf von Amazon-Aktien sowie der Einstieg bei Macy's für Diskussionen unter Investoren.
Apple bleibt weiterhin die größte Beteiligung von Berkshire Hathaway – eine Entscheidung, die allgemein erwartet worden war. Weniger selbstverständlich erscheint auf den ersten Blick der vollständige Ausstieg aus Amazon sowie der Kauf von rund drei Millionen Aktien des angeschlagenen Warenhauskonzerns Macy's.
Warum Berkshire Hathaway Amazon abgestoßen hat
Amazon ist führend in den Bereichen E-Commerce und Cloud-Computing und verfügt über attraktive langfristige Aussichten in mehreren Märkten. Das Unternehmen profitiert von einem breiten wirtschaftlichen Burggraben – dem sogenannten „Moat" – durch seinen Markennamen, Netzwerkeffekte und hohe Wechselkosten. All diese Faktoren machen die Aktie zu einer langfristig interessanten Wette, die durchaus mit den Kriterien der Buffett-Schule des Investierens vereinbar ist.
Dennoch machte Amazon nur einen geringen Prozentsatz des Berkshire-Portfolios aus. Das Konglomerat besaß zum Ende des vierten Quartals lediglich rund 2,3 Millionen Amazon-Aktien – ein winziger Anteil am massiven Portfolio von insgesamt 263 Milliarden US-Dollar. Hinzu kommt: Abel und sein Team verkauften viele Positionen, die zuvor von Todd Combs verwaltet wurden, der Berkshire im Dezember verließ, um zu JPMorgan zu wechseln. Der Amazon-Verkauf war damit kein besonders schockierender Schritt.
Berkshire steigt bei Traditions-Einzelhändler Macy's ein
Weitaus mehr Fragen wirft der Kauf von rund drei Millionen Macy's-Aktien auf. Auf den ersten Blick erscheint dies wie eine zweifelhafte Entscheidung. Macy's hatte in den letzten Jahren erhebliche Probleme: Die Verlagerung zum E-Commerce, der Rückgang der Besucherzahlen in Einkaufszentren und wachsender Wettbewerb aus verschiedenen Quellen haben zu schwachen Finanzergebnissen geführt. Das Unternehmen kämpfte lange damit, seinen Umsatz in einem guten Tempo zu steigern.
Fairerweise muss man jedoch festhalten, dass Macy's zuletzt Fortschritte gemacht hat. Im Rahmen seiner Turnaround-Bemühungen hat der Konzern viele unrentable Filialen geschlossen, Immobilienvermögen veräußert und den E-Commerce-Bereich ausgebaut. Bemerkenswert ist auch, dass Macy's überlebt hat, während andere Traditions-Einzelhändler längst insolvent gegangen sind.
Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen die positive Entwicklung: Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 2. Mai endete, stieg der Nettoumsatz von Macy's im Vergleich zum Vorjahr um 1,8 Prozent auf 4,7 Milliarden US-Dollar. Der vergleichbare Umsatz legte um 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Der bereinigte Gewinn je Aktie kletterte auf 0,13 US-Dollar – ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Macy's übertraf damit die Erwartungen der Wall Street sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn und hob zudem seine Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2026 an.
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Zur AktienanalyseUnterbewertung als möglicher Investitionsgrund
Ein möglicher Grund für Berkshires Einstieg könnte das Immobilienvermögen von Macy's sein. Dieses könnte wertvoller sein, als der Markt dem Unternehmen derzeit zugesteht – ein klassischer Value-Investing-Ansatz. Auch traditionelle Bewertungskennzahlen sprechen für eine mögliche Unterbewertung: Macy's wird mit dem 10,2-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, während der Sektordurchschnitt für zyklische Konsumgüter bei 26,2 liegt.
Dennoch bleibt ein erhebliches Risiko bestehen. Dies dürfte auch der Grund sein, warum Berkshire Hathaway nicht genügend Aktien gekauft hat, um Macy's auch nur annähernd zu einer Top-Position im Portfolio zu machen. Für antizyklische Value-Investoren könnte Macy's auf dem aktuellen Kursniveau jedoch einen zweiten Blick wert sein – sofern der Turnaround weiter Fahrt aufnimmt.


