Google Street View: Neue Bilder nach 13 Jahren
Aktualisierte Datenschutzregeln und mehr Transparenz: Die Rückkehr der Street View-Autos in Deutschland

Google plant nach 13 Jahren eine Aktualisierung seines Bildmaterials für Street View in Deutschland. Damals gab es aufgrund von Datenschutzbedenken eine massive Welle des Protests. Doch seitdem hat sich einiges verändert.
Mit Google Street View können Nutzer Urlaubsorte erkunden, Cafés und Restaurants entdecken, sich mit neuen Wohnvierteln vertraut machen und sogar afrikanische Nationalparks oder die Arktis bestaunen. Bisher war das Tool in Deutschland jedoch nur eingeschränkt nutzbar. Das soll sich nun ändern. Ab morgen sind Street View-Autos im ganzen Land unterwegs, um neue Bilder aufzunehmen. Diese werden ab Mitte Juli veröffentlicht.
Als Google den 360-Grad-Kartendienst im Sommer 2010 nach Deutschland brachte, stieß das auf massiven Widerstand. Bilder aus den Jahren zuvor wurden verwendet, aber während Google in anderen europäischen Ländern regelmäßig aktualisierte, blieben deutsche Straßenbilder 13 Jahre lang unverändert. Der Grund dafür war der massive Protest der Bevölkerung.
Mangelnde Vorabinformationen führten im Jahr 2010 zu rund 245.000 Widersprüchen. Thomas Fuchs, der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit, erklärt, dass das Unternehmen damals einfach mit den Autos losgefahren und Aufnahmen gemacht habe. Die Gesellschaft sei darauf nicht vorbereitet gewesen und habe sich in ihrer Privatsphäre eingeschränkt gefühlt.
Die Verbraucherzentrale Bayern bestätigt, dass es problematisch ist, wenn Menschen oder ihre Fahrzeuge zu erkennbar sind und man daraus ableiten kann, wo sie sich befanden. Es bestehe die Gefahr, dass anhand der Bilder Aktivitäten rekonstruiert werden könnten, beispielsweise vor einem Bordell oder am Gesundheitsamt. Der Verlust der Kontrolle über persönliche Informationen sei eine große Sorge.
Diese Situation führte zu einer politischen Debatte, die Google nicht unter Kontrolle bringen konnte. Auf Antrag der Bewohner wurden damals fast eine Viertelmillion deutscher Wohnhäuser unkenntlich gemacht, und Google gab bekannt, dass keine weiteren Daten hinzugefügt werden sollten. Noch im vergangenen Jahr hieß es, dass es keine Pläne für die Verfügbarkeit neuer Straßenbilder in Street View gebe.
In den letzten Monaten gab es jedoch Gespräche darüber, wie Google Street View datenschutzkonform aktualisiert werden kann. Vertreter des Unternehmens haben ihre Pläne vorgestellt und Verhandlungen geführt. Aber warum hat Google seine Meinung geändert? Liegt es möglicherweise an Apples Konkurrenz-Angebot Look Around, das seit 2022 auch in Deutschland verfügbar ist?
Google erklärt, dass Aufnahmen aus den Jahren 2008 und 2009 Straßen und Gebäude von heute nicht mehr angemessen abbilden können. Im Laufe der Jahre hätten immer mehr Menschen und Unternehmen in Deutschland nach Unterschieden zwischen den Street View-Bildern und der realen Welt gefragt. Laut einer Umfrage bewerten 91 Prozent der Befragten, die den Dienst kennen, ihn positiv.
Diesmal rechnen Experten nicht mit einer ähnlichen Widerspruchswelle wie 2010. Die Menschen kennen das Produkt und wissen, worum es bei Google Street View geht. Zudem ist die Digitalisierung in der Gesellschaft stärker verankert. Es besteht möglicherweise das Gefühl, dass Deutschland, das digital eher rückständig war, nun zeitgemäßer werden sollte.
Die Informationslage hat sich ebenfalls verbessert. Google hat bereits im Juni angekündigt, dass die Bilder in der zweiten Julihälfte aktualisiert werden. Es gibt also eine Vorlaufzeit von sechs Wochen, in der die Bürgerinnen und Bürger Widerspruch einlegen können, um zu verhindern, dass ein Foto ihres Wohnhauses hochgeladen wird.
Google ist mittlerweile besser auf die Datenschutzproblematik vorbereitet und hat im Vorfeld klare Informationen bereitgestellt, so Thomas Fuchs. Die Diskussion darüber, was erlaubt ist und was nicht, ist nicht mehr so intensiv wie früher. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung hat zu mehr Klarheit beigetragen.
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Zur AktienanalyseRein datenschutzrechtlich ändert sich bei der Aktualisierung kaum etwas. Der Widerspruch kann per E-Mail, Online-Formular oder Brief bei Google eingereicht werden. Sowohl Eigentümer als auch Mieter von Häusern oder Wohnungen können einen Antrag stellen. Kfz-Kennzeichen und Gesichter werden automatisch verpixelt. Falls Menschen dennoch identifizierbar sind, können Probleme gemeldet und die Verpixelung erweitert werden. Die Aktualisierung der Bilder erfolgt datenschutzkonform.
Die genauen Routen und Zeiten, wann die Street-View-Autos unterwegs sind, sind noch unklar. Geplante Touren können jedoch online eingesehen werden. Es wurden bereits 2022 neue Bilder aufgenommen, die nun ergänzt werden sollen.
Falls jemand sein Haus nicht im Internet veröffentlichen sehen möchte oder befürchtet, heimlich gefilmt worden zu sein, empfehlen Experten den Widerspruch gegenüber Google und Apple. Danach sollten die Betroffenen überprüfen, ob ihre Anliegen umgesetzt wurden und gegebenenfalls weitere Schritte einleiten.
Diese Aktualisierung von Google Street View in Deutschland wird sicherlich einige interessante Einblicke bieten und möglicherweise zu neuen Diskussionen über Datenschutz und Privatsphäre führen. Es bleibt abzuwarten, wie die Menschen darauf reagieren und ob sich die Erfahrungen aus der Vergangenheit wiederholen.


