Goldpreis unter Druck: Öl, Inflation und NFP im Fokus
Eskalation im Nahen Osten, hartnäckige Inflation und der US-Arbeitsmarktbericht bestimmen diese Woche die Richtung beim Goldpreis.

Die Goldpreise gaben im europäischen Handel am Montag nach, nachdem neue militärische Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran am Wochenende die Hoffnungen auf eine diplomatische Annäherung zunichtegemacht hatten. Die Ölpreise zogen infolge der erneuten Eskalation an, während der Optimismus, der die Märkte in der Vorwoche noch gestützt hatte, spürbar schwand. Jegliche Aussicht auf ein dauerhaftes Abkommen zwischen Washington und Teheran scheint vorerst verflogen.
Dabei hatte die vergangene Woche noch konstruktiv geendet. Berichte über Verhandlungen zu einer Verlängerung der Waffenruhe sowie Maßnahmen zur Verringerung von Störungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus hatten den Risikoappetit an den Finanzmärkten verbessert. Aktien – insbesondere im US-Technologiesektor – blieben gut unterstützt, und auch Gold profitierte: Nach einem kurzzeitigen Rückfall auf ein Zweimonatstief erholte sich das Edelmetall kräftig, als Käufer nahe der wichtigen technischen Unterstützungszone um 4.400 US-Dollar zurückkehrten.
Inflation und Zinspolitik als Gegenwind
Die Entwicklungen am Wochenende haben dieses Narrativ jedoch verkompliziert. Für Goldanleger ergibt sich daraus ein gemischtes Bild: Einerseits stützen anhaltende geopolitische Unsicherheit und Inflationssorgen typischerweise die Nachfrage nach sicheren Häfen. Andererseits verringert hartnäckige Inflation die Wahrscheinlichkeit von Zinssenkungen durch die US-Notenbank Federal Reserve in diesem Jahr.
Jüngste US-Inflationsdaten deuteten darauf hin, dass der Preisdruck erhöht bleibt – höhere Energiekosten trugen erheblich zum jüngsten Anstieg bei. Die mit dem Nahostkonflikt verbundenen steigenden Ölpreise verstärken die Sorge, dass es länger dauern könnte, bis die Inflation zu den Zielen der Zentralbanken zurückkehrt. Höhere Zinssätze erhöhen die Opportunitätskosten für das Halten unverzinster Anlagen wie Gold, was eine nachhaltige Aufwärtsdynamik beim Edelmetall erschwert.
Nach einem starken ersten Quartal hatte Gold bereits Mühe, wieder an Dynamik zu gewinnen. Aufeinanderfolgende monatliche Rückgänge deuten darauf hin, dass Anleger bei der Aufstockung ihrer Positionen zunehmend selektiver vorgehen. Dieses Spannungsfeld zwischen Safe-Haven-Nachfrage und restriktiver Geldpolitik prägt weiterhin die allgemeine Marktrichtung.
Wichtige US-Wirtschaftsdaten stehen bevor
Die Aufmerksamkeit richtet sich nun auf eine ereignisreiche Datenwoche in den USA. Die ISM-Umfragen für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor werden neue Einblicke in Geschäftstätigkeit und Preisdruck liefern. Anzeichen für ein verlangsamtes Wachstum könnten die Erwartung stärken, dass die Fed letztlich eine akkommodierendere Haltung einnehmen muss – was Gold zugutekäme.
Das Hauptereignis der Woche ist jedoch der US-Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls) am Freitag. Ein stärker als erwartet ausfallender Bericht könnte die Renditen von Staatsanleihen und den US-Dollar in die Höhe treiben und die Goldpreise belasten. Umgekehrt könnten schwächere Beschäftigungszahlen die Hoffnung auf künftige geldpolitische Lockerungen wiederbeleben und dem Edelmetall Unterstützung bieten.
Technische Analyse: Schlüsselzonen im Blick
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseAus technischer Sicht bleibt der Bereich um 4.400 US-Dollar das wichtigste Unterstützungsniveau. Diese Zone deckt sich eng mit dem steigenden gleitenden 200-Tage-Durchschnitt, der bereits wiederholt als Basis für vorangegangene Erholungen diente. Ein nachhaltiger Rückgang unter diese Marke würde auf eine tiefere Korrektur hindeuten und potenziell Unterstützungen bei 4.200 sowie anschließend 4.000 US-Dollar freilegen.
Auf der Oberseite liegt der Widerstand nahe 4.580 US-Dollar. Ein Ausbruch über dieses Niveau könnte die Tür in Richtung 4.650 US-Dollar öffnen, während eine stärkere Erholung den Bereich um 4.700 US-Dollar wieder ins Blickfeld rücken könnte.
Vorerst bleiben die Goldpreise zwischen konkurrierenden Kräften gefangen. Geopolitische Risiken stützen die Nachfrage nach defensiven Anlagen, während erhöhte Inflation und die Erwartung längerfristig hoher Zinsen den Spielraum für eine nachhaltige Rallye begrenzen. Bis eines dieser Themen die Oberhand gewinnt, dürften volatile Handelsbedingungen anhalten – mit einer Tendenz nach unten, angesichts der Preisrückgänge der vergangenen drei Monate.


