Goldpreis-Rally stockt: Fed-Erwartungen und Dollar bremsen Bullen
Nach einem Rekordhoch von 5.595 Dollar ist Gold um 25 Prozent gefallen – Zinserhöhungserwartungen und ein starker Dollar belasten das Edelmetall.

Der Goldpreis steht unter Druck. Nachdem das Edelmetall im Januar 2025 ein historisches Rekordhoch von 5.595 Dollar pro Unze erreicht hatte, ist der Preis seitdem um rund 25 Prozent eingebrochen. Am Donnerstag markierte Gold mit 4.022 Dollar den niedrigsten Stand seit November – ein Sechsmonatstief. Am Freitag erholte sich der Spot-Goldpreis leicht auf 4.188 Dollar pro Feinunze.
Haupttreiber des Rückgangs sind gestiegene Erwartungen an eine straffere US-Geldpolitik sowie ein erstarkter US-Dollar. Starke Arbeitsmarktdaten aus den USA in der vergangenen Woche haben die Wetten auf Zinserhöhungen durch die Federal Reserve angeheizt. In der Folge fiel Gold erstmals seit zweieinhalb Jahren unter seinen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt – eine vielbeachtete technische Marke, die nun bei 4.446 Dollar als Widerstandsniveau fungiert.
„Kurzfristig muss der Markt das Risiko einer Zinserhöhung durch die Fed und eines stärkeren Dollars verdauen", erklärte Aakash Doshi, Leiter der Strategie für Gold und Metalle bei State Street Investment Management. Doshi sieht jedoch Erholungspotenzial, sollte sich der Nahostkonflikt entspannen und der Ölpreis auf 80 Dollar pro Barrel zurückfallen.
Iran-Krieg als zusätzlicher Belastungsfaktor
Neben den geldpolitischen Erwartungen hat auch der Iran-Krieg die Marktdynamik verändert. Der Konflikt löste eine Ölpreisrally aus und verstärkte die Wetten auf Zinserhöhungen, was die Attraktivität von Gold als sicherem Hafen dämpfte. Dieser Mechanismus – steigende Energiepreise erhöhen den Inflationsdruck und damit die Wahrscheinlichkeit höherer Zinsen – ist ein klassisches Muster, das Gold in der Vergangenheit bereits mehrfach belastet hat.
Adrian Ash, Forschungsleiter beim Online-Marktplatz BullionVault, liefert eine aufschlussreiche Einordnung der bisherigen Rally: „Während die Analysten auf Trumps 'neue Weltunordnung' fixiert waren, scheint es nun, dass die enormen Gewinne des letzten Jahres zu einem guten Teil durch Zinssenkungserwartungen getrieben wurden." Diese Analyse relativiert die geopolitischen Narrative, die den Goldanstieg begleitet hatten.
Trotz des aktuellen Rückgangs bleibt die Jahresbilanz 2025 beeindruckend: Gold legte im laufenden Jahr um 64 Prozent zu – der stärkste Zuwachs seit 46 Jahren. Der mehrjährige Aufwärtstrend wurde durch starke Zentralbankkäufe sowie die Nachfrage nach sicheren Häfen getragen. Anleger suchten Schutz vor Risiken rund um die US-Handelszölle unter Präsident Donald Trump, Fragen zur Unabhängigkeit der Federal Reserve und Russlands Krieg in der Ukraine.
ETF-Abflüsse und schwache physische Nachfrage
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Zur AktienanalyseAuf der Nachfrageseite zeigen sich weitere Schwächesignale. Die Abflüsse aus goldbesicherten ETFs beliefen sich im Mai auf insgesamt 16 Tonnen, in der ersten Juniwoche auf weitere 7 Tonnen. Suki Cooper, Analystin bei Standard Chartered, schätzt, dass bei Preisen unter 4.250 Dollar mindestens 270 Tonnen Gold in ETFs in der Verlustzone liegen. Fällt der Preis auf 4.000 Dollar, steigt diese Zahl auf 298 Tonnen – was weiteren Verkaufsdruck erzeugen könnte.
Auch die physische Nachfrage gibt wenig Rückenwind. Saisonal bedingt ist sie derzeit schwach, und Gold wird in Indien mit einem deutlichen Abschlag gehandelt. Gleichzeitig lagen die verwalteten Short-Positionen auf COMEX-Gold in der Woche bis zum 2. Juni auf dem niedrigsten Stand seit Januar 2025 – was laut Ash erheblichen Spielraum für den Aufbau weiterer Baissepositionierungen lässt.
Nicky Shiels, Leiterin der Metallstrategie bei MKS PAMP, erwartet für die kommenden Monate eine Seitwärtsbewegung: Die Goldpreise dürften sich in einer Handelsspanne bewegen, „bevor weitere strategische Rückenwinde und Katalysatoren auftreten". Langfristig sehen Experten das Edelmetall weiterhin gestützt – durch wachsende Haushaltsdefizite, anhaltende geopolitische Fragmentierung und die strukturelle Nachfrage der Zentralbanken.


