Goldpreis fällt auf Zweiwochentief – Fed-Zinserwartungen belasten
Ein starker US-Dollar und steigende Zinserhöhungserwartungen der Federal Reserve drücken den Goldpreis auf ein Zweiwochentief.

Die Goldpreise stehen unter erheblichem Druck. Am Mittwoch weiteten sie ihre Verluste aus und näherten sich der psychologisch wichtigen Marke von 4.000 US-Dollar pro Unze. Der Spot-Goldpreis sank um 0,5 % auf 4.090,72 US-Dollar pro Unze, nachdem er im frühen Handel bis auf 4.050,60 US-Dollar gefallen war. Die US-Gold-Futures gaben sogar um 1 % auf 4.109,50 US-Dollar nach.
Damit verzeichnete das Edelmetall in fünf der letzten sechs Handelstage Rückgänge und blickt auf drei aufeinanderfolgende Wochenverluste zurück. Die Stimmung am Goldmarkt hat sich spürbar eingetrübt – und die Ursachen sind klar benennbar.
Starker Dollar und hawkishe Fed belasten Gold
Der US-Dollar-Index (DXY) kletterte am Mittwoch auf ein neues 13-Monats-Hoch. Hintergrund sind verstärkte Marktwetten darauf, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen bereits im Juli und im weiteren Jahresverlauf erneut anheben könnte. Ein stärkerer Dollar verteuert Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums, während höhere Zinsen die sogenannten Opportunitätskosten für das Halten des unverzinsten Edelmetalls erhöhen.
Die Märkte preisen derzeit eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 % für eine Zinserhöhung bis September ein und rechnen fest mit einem weiteren Schritt bis Dezember. Ausschlaggebend dafür waren die Fed-Sitzung der Vorwoche sowie restriktive, sogenannte „hawkishe" Kommentare von Vertretern der Notenbank.
Die Analysten der ING brachten die Lage auf den Punkt: „Ein stärkerer US-Dollar und die Erwartung, dass die Fed die Zinsen länger auf einem höheren Niveau halten könnte, überwogen die Unterstützung durch den Status als sicherer Hafen aufgrund geopolitischer Risiken."
Nachlassende Geopolitik nimmt Gold weiteren Rückenwind
Zusätzlich geriet Gold unter Druck, weil die Sorgen über Versorgungsunterbrechungen im Nahen Osten weiter nachließen. Investoren beobachten laufende diplomatische Bemühungen zwischen den USA und dem Iran. Beide Seiten signalisierten Fortschritte bei der Umsetzung eines umfassenderen Friedensrahmens, der zur Normalisierung der Energieströme durch die Straße von Hormus beitragen würde. Offene Fragen rund um nukleare Inspektionen und den Zugang zu eingefrorenen iranischen Geldern sorgen jedoch weiterhin für Unsicherheit.
Die ING-Analysten ergänzten: „Während die geopolitischen Risiken erhöht bleiben, dürfte Gold wahrscheinlich im Einklang mit den Fed-Erwartungen gehandelt werden, was die Preise kurzfristig anfällig für höhere Renditen und einen stärkeren Dollar macht."
Blick auf PCE-Daten und andere Edelmetalle
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseMarktteilnehmer richten ihren Blick nun auf die US-Inflationsdaten zu den persönlichen Konsumausgaben (PCE), die am Donnerstag veröffentlicht werden. Diese gelten als bevorzugtes Inflationsmaß der Fed und könnten weitere Hinweise auf den geldpolitischen Kurs der Notenbank liefern.
Bei den anderen Edelmetallen zeigte sich ein gemischtes Bild:
- Silber stieg um 0,5 % auf 61,92 US-Dollar pro Unze, nachdem es in der Vorsitzung um mehr als 5 % gefallen war
- Platin notierte unverändert bei 1.653,88 US-Dollar pro Unze
- Kupfer-Futures an der London Metal Exchange legten um 0,4 % auf 13.433,88 US-Dollar pro Tonne zu
- US-Kupfer-Futures stiegen um 0,3 % auf 6,14 US-Dollar pro Pfund
Für deutsche Anleger bleibt die Entwicklung des Goldpreises eng mit dem Wechselkursverhältnis zwischen Euro und US-Dollar verknüpft. Ein starker Dollar bedeutet, dass in Euro gerechnete Goldpreise zusätzlich unter Druck geraten können – ein Faktor, den hiesige Investoren stets im Blick behalten sollten.


