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Goldpreis bricht unter 4000 Dollar – Zinsangst belastet

Der Goldpreis fällt erstmals seit über einem halben Jahr unter die 4000-Dollar-Marke – Dollar-Stärke und veränderte Zinserwartungen drücken das Edelmetall.

Goldpreis bricht unter 4000 Dollar – Zinsangst belastet

Der Goldpreis hat zur Wochenmitte einen deutlichen Einbruch erlitten. Erstmals seit mehr als einem halben Jahr rutschte die Notierung unter die psychologisch wichtige Marke von 4000 US-Dollar. Am Donnerstagmorgen kostete eine Feinunze Gold an der Londoner Börse 3967 Dollar – zuletzt lag der Kurs laut dem Analysehaus Tradingview bei rund 3991 Dollar (Stand: 11:55 Uhr).

Der Rückgang fällt in eine Phase ausgeprägter Dollar-Stärke. Die US-Währung legt seit Tagen gegenüber allen wichtigen Devisen zu. Der Euro fiel dabei bis auf 1,1325 Dollar – den niedrigsten Stand seit einem Jahr. Da Gold weltweit in Dollar gehandelt wird, verteuert ein starker Greenback das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums und dämpft so die Nachfrage.

Ein weiterer zentraler Belastungsfaktor sind die veränderten Zinserwartungen. Ewa Manthey, Rohstoffstrategin bei der ING Bank, bezeichnete eine deutliche Neubewertung der Zinserwartungen als wesentlichen Grund für die fallenden Notierungen. US-Notenbankchef Kevin Warsh hatte bei seinem ersten Auftritt als Vorsitzender der Federal Reserve die Bedeutung der Preisstabilität besonders hervorgehoben – ein Signal, das die Märkte als Hinweis auf eine mögliche Zinserhöhung im weiteren Jahresverlauf werteten.

Rückblick: Starke Bewegungen im Juni

Die jüngste Korrektur steht im starken Kontrast zu den Wochen zuvor. Am 15. Juni war der Goldpreis noch kräftig gestiegen, nachdem die USA und der Iran ein Rahmenabkommen zur Beilegung des Krieges vereinbart hatten. In der Spitze kletterte die Feinunze auf rund 4345 Dollar – ein Plus von rund 126 Dollar gegenüber dem Freitag zuvor. Seit dem Donnerstag der Vorwoche summierte sich der Anstieg sogar auf mehr als 300 Dollar.

Hintergrund: Nach wochenlangen Gesprächen bestätigten sowohl die US-Regierung als auch der Iran die Einigung, ebenso der Vermittler Pakistan. Der US-Dollar geriet daraufhin unter Druck, was Gold als klassischen Rückenwind nutzte. Justin Lin, Analyst beim New Yorker Vermögensverwalter Global X Management, sah zusätzliches Aufwärtspotenzial für den Fall, dass eine endgültige Beilegung des Konflikts die Straße von Hormus wieder öffnet – dann könnten Zentralbanken in größerem Umfang Gold kaufen.

Bereits am 12. Juni hatte der Goldpreis eine kurze Erholung erlebt, nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, geplante schwere Angriffe auf den Iran abzusagen. In der Spitze stieg der Kurs auf 4243,41 Dollar je Feinunze, nachdem er zuvor auf gut 4024 Dollar gefallen war – ein Niveau, das zuletzt im November erreicht worden war. Trump begründete den Kurswechsel auf seiner Plattform Truth Social mit Gesprächen auf höchster Ebene der iranischen Führung.

Drei-Monats-Tief Anfang Juni

Schon am 10. Juni hatte der Goldpreis einen markanten Rücksetzer erlitten. Am Vormittag kostete eine Feinunze an der Londoner Börse 4161,60 US-Dollar – rund zwei Prozent weniger als am Vortag und der tiefste Stand seit fast drei Monaten. Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst bei der Commerzbank, verwies auf einen „kräftigen Abfluss" aus goldgedeckten Wertpapieren, ausgelöst durch einen robusten US-Arbeitsmarktbericht, der die Wetten auf höhere Leitzinsen verstärkt hatte.

Steigende Leitzinsen treiben die Renditen von Staatsanleihen nach oben und machen festverzinsliche Anlagen attraktiver. Gold, das keine laufenden Zinsen abwirft, verliert in einem solchen Umfeld gegenüber Anleihen an Attraktivität – und Anleger schichten entsprechend um. Fritsch warnte, dass der Goldpreis bei höher als erwarteten Inflationszahlen „weiter nachgeben" dürfte.

Bereits im Mai begann der Abwärtstrend

Die aktuelle Schwächephase hat ihre Wurzeln im Mai. Am 21. Mai war der Goldpreis zwischenzeitlich auf den tiefsten Stand seit Ende März gefallen – eine Feinunze rutschte bis auf 4454 Dollar ab. Noch in der Vorwoche hatte Gold bei rund 4700 Dollar notiert. Händler verwiesen auf ausbleibende Fortschritte im Iran-Konflikt sowie auf die fehlenden Anzeichen für eine Öffnung der Straße von Hormus.

Seit Kriegsbeginn Ende Februar wirken zudem veränderte Zinserwartungen als Gegenwind. Viele Marktteilnehmer rechnen damit, dass die US-Notenbank die Zinsen zunächst nicht senken wird. Für die Europäische Zentralbank (EZB) wird sogar eine Anhebung des Leitzinses erwartet. Entsprechend sind die Renditen von Staatsanleihen bereits deutlich gestiegen – ein Umfeld, das Gold strukturell belastet.

Trotz der aktuellen Korrektur bleibt der langfristige Aufwärtstrend beeindruckend. Treiber der vergangenen Jahre waren verstärkte Zentralbankkäufe, anhaltende geopolitische Spannungen und ein schwindendes Vertrauen in den US-Dollar als Leit- und Reservewährung. Im Januar markierte Gold ein Rekordhoch bei zeitweise 5.595 Dollar je Feinunze – von diesem Niveau hat sich der Preis inzwischen deutlich entfernt.

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