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Goldman Sachs warnt: Nahost-Eskalation bleibt größtes Marktrisiko

Trotz breiter Aktienrally sieht Goldman Sachs ein unterschätztes Abwärtsrisiko – eine erneute Eskalation im Nahen Osten.

Goldman Sachs warnt: Nahost-Eskalation bleibt größtes Marktrisiko

Goldman Sachs hat in einer aktuellen Mitteilung an Kunden eindringlich vor dem „offensichtlichsten Abwärtsrisiko" für die globalen Finanzmärkte gewarnt. Analyst Dominic Wilson nennt dabei ein erneutes Aufflammen der Feindseligkeiten im Nahen Osten oder eine anhaltende Schließung der Straße von Hormus als zentrale Bedrohung. Dies gilt selbst vor dem Hintergrund einer bemerkenswert breiten Marktrally, die Aktien, Schwellenländer-Assets und KI-Titel auf neue Zyklushöchststände getrieben hat.

Die Waffenruhe im Iran hat den Märkten laut Wilson ermöglicht, die Risikoprämien über alle Anlageklassen hinweg deutlich zu reduzieren. Physische Knappheiten bei Rohstoffen und in der KI-Lieferkette treiben dabei die Kapitalflüsse an. Erneuter Optimismus hat KI-lastige Indizes – darunter Korea, Taiwan und den Nasdaq – auf Vorkriegshöchststände gehoben.

„Nach einer kräftigen Erholung ist die Risikoverteilung nun ausgewogener", so Wilson in der Kundenmitteilung. Er argumentiert jedoch, dass das tiefergehende Abwärtsrisiko – das sogenannte Tail Risk – auf Basis einer erneuten Eskalation mit dem Iran weiterhin nicht ausreichend eingepreist sei. Für Anleger bedeutet das: Die Märkte könnten im Ernstfall stärker reagieren, als die aktuellen Bewertungen vermuten lassen.

Energieflüsse und Zinspolitik im Fokus

Goldman Sachs ist der Ansicht, dass eine schrittweise Wiederaufnahme der Energieströme eine deutliche Entlastung an den Öl- und Zinsmärkten bewirken würde. Diese sind derzeit recht restriktiv – in der Fachsprache „hawkish" – bepreist. Eine Normalisierung könnte die positive Kursentwicklung geografisch und über verschiedene Sektoren hinweg verbreitern.

Gleichzeitig verschob die US-Investmentbank ihre Erwartungen für den Zeitpunkt von Zinssenkungen nach hinten. Goldman Sachs rechnet nun bis 2026 mit weniger oder gar keinen Senkungen durch die Zentralbanken der Industrie- und Schwellenländer. Das ist eine bedeutende Revision, die Anleger in ihrer Portfolioplanung berücksichtigen sollten.

KI-Boom übertrifft Höchststände der 1990er-Jahre

Beim Thema Künstliche Intelligenz schlägt Goldman Sachs ebenfalls vorsichtigere Töne an. Die Investitionsausgaben für Technologie gemessen am Bruttoinlandsprodukt haben mittlerweile die Höchststände der späten 1990er-Jahre überschritten. Die Bank warnt ausdrücklich vor einem wachsenden Bewertungsrisiko in diesem Segment.

Goldman Sachs verweist zudem auf eine sogenannte „distributive" Volatilität innerhalb des KI-Themas – also eine zunehmende Spreizung zwischen Gewinnern und Verlierern. Diese Dynamik sei ein entscheidender Faktor, der die Volatilität von Einzelaktien auf hohem Niveau halte. Gleichzeitig drückt sie die Korrelationen auf Rekordtiefs, was wiederum die Volatilität der breiteren Indizes begrenzt.

Für deutsche Privatanleger ergibt sich daraus ein differenziertes Bild: Die Märkte befinden sich zwar in einer Erholungsphase, doch geopolitische Risiken und eine restriktivere Zinspolitik mahnen zur Vorsicht. Wer stark in KI-Titel oder Schwellenländer investiert ist, sollte die Risikokonzentration im Portfolio kritisch prüfen.

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