Goldman Sachs: Softwareaktien brauchen noch Monate bis zur Rally
Trotz zwei kurzlebiger Erholungen bleibt der Anwendungssoftware-Sektor laut Goldman Sachs auf absehbare Zeit in einer Handelsspanne gefangen.

Goldman Sachs dämpft die Hoffnungen auf eine nachhaltige Rally bei Softwareaktien. Laut Analystin Gabriela Borges ist der Median der Anwendungssoftware-Titel im Abdeckungsbereich der Bank seit Jahresbeginn 2026 um 38% gefallen – ein erheblicher Rückgang, der den Sektor unter Druck setzt.
Zwei kurzlebige Erholungsphasen haben Anleger in diesem Jahr kurzzeitig aufhorchen lassen. Zwischen dem 23. Februar und dem 6. März legten die Titel um 14% zu, gefolgt von einer stärkeren Erholung um 22% vom 10. April bis Mitte Mai. Dennoch reichten diese Bewegungen nicht aus, um einen nachhaltigen Aufwärtstrend zu etablieren.
Goldman Sachs kommt zu einem klaren Urteil: „Der Sektor wird über mindestens die nächsten Monate wahrscheinlich in einer Handelsspanne verharren." Für Anleger, die auf eine schnelle Trendwende setzen, ist das eine ernüchternde Botschaft.
KI-Monetarisierung als entscheidender Faktor
Ein zentrales Thema in der Analyse ist die Frage, wann und wie Softwareunternehmen aus dem KI-Boom echten Umsatz schlagen können. Goldman Sachs sieht eine beständigere KI-getriebene Outperformance erst als Ereignis für das Jahr 2027. Mehrere Unternehmen haben bereits signalisiert, dass sich die Zeitpläne für die Monetarisierung über 12 bis 18 Monate nach den aktuellen KI-Produkteinführungen hinaus erstrecken.
Die entscheidende Frage lautet dabei: Sind KI-Umsätze additiv zum Gesamtwachstum eines Unternehmens – oder verdrängen sie lediglich bestehende Softwarebudgets? Goldman Sachs formuliert es klar: „KI-Offenlegungen werden nur dann positiv aufgenommen, wenn Investoren erkennen können, dass dieser Umsatzpool additiv zum Gesamtwachstum des Unternehmens ist." Solange diese Frage unbeantwortet bleibt, dürfte der Sektor kaum nachhaltigen Auftrieb erhalten.
Die Bank erkennt durchaus Fortschritte bei etablierten Softwareanbietern. Als positive Signale nennt Goldman Führungswechsel bei Klaviyo, Workday und Adobe sowie Produktoptimierungen in frühen Stadien bei ServiceNow und Salesforce. Diese Entwicklungen allein reichen jedoch nicht aus, um eine breite Rally auszulösen.
Bewertung allein kein Kaufargument
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Zur AktienanalyseFür wertorientierte Anleger hält Goldman Sachs eine wichtige Warnung bereit: „Die Bewertung allein ist kein Grund zum Kauf der Aktien; die Bewertung in Verbindung mit sich verbessernden Fundamentaldaten hingegen schon." Eine günstige Bewertung nach dem Kursrückgang reicht demnach nicht aus – es braucht konkrete fundamentale Katalysatoren.
Innerhalb des Sektors hebt Goldman Sachs Microsoft und ServiceNow als sogenannte idiosynkratische Chancen hervor. Diese Unternehmen werden als Einzelfälle betrachtet, die unabhängig vom Gesamttrend des Sektors Potenzial bieten könnten. Dennoch warnt die Bank, dass eine neue Gruppe wertorientierter Software-Investoren erst Beweise für positive fundamentale Entwicklungen benötigt, bevor sie eine konstruktive Haltung einnimmt.
Für deutsche Privatanleger, die in US-Softwareaktien investiert sind oder dies planen, liefert die Goldman-Sachs-Analyse eine klare Orientierung: Geduld ist gefragt. Der Sektor befindet sich in einer Übergangsphase, in der die Versprechen der KI-Technologie erst noch in handfeste Umsatzzahlen übersetzt werden müssen. Bis dahin dürfte die Volatilität hoch bleiben – und nachhaltige Kursgewinne auf sich warten lassen.


