Goldman Sachs setzt auf Rüstungsaktien: Drei Profi-Strategien im Überblick
Während der S&P 500 auf seine längste Gewinnserie seit 1985 zusteuert, liefern drei Experten konkrete Anlagestrategien für das aktuelle Marktumfeld.

Der S&P 500 steuert auf seine längste wöchentliche Gewinnserie seit 1985 zu. Gleichzeitig warten Anleger weltweit gespannt auf den US-Arbeitsmarktbericht für Mai. Das Marktumfeld bleibt komplex: Während der KI-Boom in Asien erste Abkühlungszeichen zeigt, beendeten der südkoreanische Kospi und der japanische Nikkei die Woche im Minus.
Aus den CNBC-Studios in Singapur und London meldeten sich drei erfahrene Marktexperten zu Wort – mit konkreten Anlagestrategien, die helfen sollen, das aktuelle Geschehen einzuordnen. Ihre Einschätzungen decken Rüstungsaktien, KI-Infrastruktur und Mid-Cap-Werte ab.
Goldman Sachs sieht Einstiegschance bei Rüstungsaktien
Timothy Moe, Chefstratege für APAC-Aktien bei Goldman Sachs, bleibt bei Speicheraktien optimistisch. Gegenüber CNBC bezeichnete er Titel in diesem Sektor als „Stars der Show" und sieht dort weiterhin Aufwärtspotenzial. Besonders interessant ist jedoch sein Blick auf den Verteidigungssektor.
Ein jüngster Ausverkauf bei Rüstungsaktien, den Moe als verständliche „technische Korrektur" einordnet, eröffnet nach seiner Einschätzung eine attraktive Einstiegsgelegenheit. „Die Fundamentaldaten haben sich verbessert. Alle von uns beobachteten Unternehmen haben ihre Auftragsbestände erhöht, die Bewertungen sind attraktiv, und daher glauben wir, dass es hier einen interessanten Einstiegspunkt beim Chance-Risiko-Verhältnis für diesen Teil des Marktes gibt", erklärte Moe. Für deutsche Anleger, die den starken Anstieg europäischer Rüstungswerte in den vergangenen Monaten verfolgt haben, ist diese Einschätzung besonders relevant – denn nach einer Korrektur könnten sich neue Einstiegspunkte ergeben.
Vontobel: KI-Boom geht weiter – und China bietet Chancen
Jean-Louis Nakamura, Leiter Conviction Equities beim Schweizer Vermögensverwalter Vontobel, zeigt sich beim Thema Künstliche Intelligenz klar zuversichtlich. Er sieht „kein Risiko", dass sogenannte Hyperscaler – also große Cloud- und Technologiekonzerne wie Amazon, Microsoft oder Alphabet – ihre Investitionspläne (Capex) in den nächsten 12 bis 18 Monaten zurückschrauben werden.
Nakamura erwartet, dass sich die positiven Preis- und Gewinntrends für Chiphersteller und Speicherproduzenten fortsetzen werden. Darüber hinaus hat Vontobel gezielt Positionen in ausgewählten chinesischen Internetplattformen ausgebaut, die in den vergangenen Monaten nach Einschätzung des Experten „übermäßig abgestraft" wurden. „Wir denken, dass sie in einer relativ guten Position sind, um KI letztlich auf Basis eines sehr großen Pools an individuellen privaten Daten zu monetarisieren", sagte Nakamura. Diese Einschätzung unterstreicht, dass der KI-Investmentthese trotz kurzfristiger Schwankungen in Asien weiterhin Substanz zugesprochen wird.
Mid-Caps als Gewinner sinkender Ölpreise
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Zur AktienanalyseRoger Lee, Leiter der Aktienstrategie beim britischen Brokerhaus Cavendish, richtet seinen Blick auf einen oft unterschätzten Bereich: Mid-Cap-Aktien. Seine These ist klar: Wenn die Ölpreise weiter fallen, sinkt der Inflationsdruck – und damit auch die Zinserwartungen. Davon würden mittelgroße Unternehmen überproportional profitieren.
Lee argumentiert, dass die Aktienmärkte – mit Ausnahme des US-Technologiesektors – stark vom Ölpreis beeinflusst werden, weil dieser direkte Auswirkungen auf Inflationserwartungen und Zinsaussichten hat. „Das könnten US-Mid-Caps sein, das könnten britische Mid-Caps oder sogar europäische Mid-Caps sein. Es ist also der Mid-Cap-Bereich, der meiner Meinung nach wirklich Value bietet, weil er so stark von den Zinserwartungen abhängt. Und wie gesagt: Wenn die Ölpreise fallen, sinken die Zinserwartungen, und Mid-Caps schneiden im Allgemeinen gut ab", so Lee.
Für deutsche Privatanleger bieten diese drei Strategien eine nützliche Orientierung in einem Marktumfeld, das von geopolitischen Spannungen, KI-Euphorie und Zinsunsicherheit geprägt ist. Ob Rüstungsaktien nach der Korrektur, KI-Infrastruktur oder zinssensitive Mid-Caps – die Experten sind sich einig, dass selektives Vorgehen gefragt ist.


