Goldman Sachs senkt USD/BRL-Prognose – Brasilianischer Real überzeugt
Goldman Sachs revidiert seine Währungsprognose deutlich nach unten und sieht den brasilianischen Real als Top-Performer des Jahres.

Goldman Sachs hat seine Prognose für das Währungspaar USD/BRL deutlich nach unten korrigiert. Die neue Schätzung lautet: 4,90 in drei Monaten, 5,00 in sechs Monaten und 5,00 in zwölf Monaten. Zuvor hatte die US-Investmentbank die Werte bei 5,20, 5,30 und 5,30 angesetzt – eine spürbare Aufwertungserwartung für den brasilianischen Real.
Der Hintergrund dieser Revision ist bemerkenswert: Der brasilianische Real hat sich seit Jahresbeginn als die Währung mit der besten Wertentwicklung unter den Schwellenländerwährungen erwiesen. Er gehört zu den wenigen Währungspaaren, die auf einem stärkeren Niveau als noch vor dem Iran-Konflikt gehandelt werden – ein deutliches Zeichen für die Widerstandsfähigkeit der brasilianischen Währung in einem turbulenten globalen Umfeld.
Drei Faktoren treiben den Real
Goldman Sachs führt die Outperformance des Real auf drei wesentliche Faktoren zurück. Erstens ist ein Anstieg der brasilianischen Terms of Trade – also des Verhältnisses von Export- zu Importpreisen – in den vergangenen Monaten zu verzeichnen. Zweitens hat die Erholung bei risikobehafteten Vermögenswerten weltweit dem Real Auftrieb gegeben. Drittens profitiert die Währung von einem hohen Carry, also der Zinsdifferenz gegenüber anderen Währungen, die nur vom kolumbianischen Peso erreicht wird.
Unter dem Begriff „Carry" versteht man im Devisenhandel die Rendite, die ein Anleger durch das Halten einer höher verzinsten Währung gegenüber einer niedriger verzinsten erzielt. Ein hoher Carry macht den Real für internationale Investoren besonders attraktiv, da sie von der Zinsdifferenz profitieren können.
Das Institut geht davon aus, dass die relative Outperformance des Real anhalten wird, solange die Energiepreise hoch bleiben, ohne dabei die globale Risikostimmung zu belasten. Sollten die Energiepreise jedoch die Risikobereitschaft der Märkte dämpfen, könnte sich das Bild schnell ändern.
Zinspolitik und Wahlrisiken im Fokus
Ein weiterer relevanter Faktor ist die Geldpolitik der Banco Central do Brasil. Ein höherer Inflationsdruck könnte die brasilianische Zentralbank auf einem vorsichtigeren Lockerungskurs halten. Die Ökonomen von Goldman Sachs erwarten nun eine Zinssenkung um lediglich 25 Basispunkte bei der Sitzung in der kommenden Woche – ein moderater Schritt, der den hohen Carry des Real weitgehend intakt lässt.
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Zur AktienanalyseAls wichtigstes kurzfristiges Risiko für die Renditen des Real identifiziert Goldman Sachs eine mögliche Umkehr der jüngsten Risikoerholung an den globalen Märkten. Um diesem Risiko zu begegnen, schlägt das Institut vor, Long-Positionen im Real durch eine Finanzierung in chilenischen Pesos abzubilden. Dieses Format gilt als risikoneutraler und soll die Widerstandsfähigkeit des Trades erhöhen.
Mit Blick auf die brasilianische Präsidentschaftswahl im Oktober erwartet Goldman Sachs eine Verschiebung der Risikofaktoren: Während bislang globale Einflüsse die Spot-Performance des Real dominiert haben, dürften mit näher rückender Wahl lokale Faktoren zunehmend an Bedeutung gewinnen. Hatte Goldman Sachs zuvor argumentiert, dass die Wahlrisiken asymmetrisch zugunsten einer Aufwertung des Real verteilt seien, sieht die Bank die Risiken nach der starken Jahresanfangsrallye nun als eher zweiseitig an – also sowohl Aufwertungs- als auch Abwertungspotenzial umfassend.


