Goldman Sachs senkt Ölpreisprognosen nach Hormus-Einigung deutlich
Nach Trumps Ankündigung eines Interimsabkommens zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus revidiert Goldman Sachs seine Ölpreiserwartungen erheblich nach unten.

Goldman Sachs hat seine Ölpreisprognosen für 2026 und 2027 deutlich gesenkt. Auslöser ist die Ankündigung von US-Präsident Trump, ein Interimsabkommen zu unterzeichnen, das die US-Blockade aufheben und die Straße von Hormus wieder öffnen soll. Die Unterzeichnung war für Freitag geplant.
Die US-Investmentbank geht nun davon aus, dass sich die Exporte aus dem Persischen Golf bis Ende Juli auf das Vorkriegsniveau normalisieren werden – einen Monat früher als bisher angenommen. Zuvor hatte Goldman mit einer Normalisierung bis Ende August gerechnet.
Neue Preisprognosen für Brent und WTI
Für die Nordseesorte Brent senkte Goldman Sachs die Prognose für das vierte Quartal 2026 von zuvor 90 US-Dollar auf 80 US-Dollar pro Barrel. Die durchschnittliche Prognose für das Gesamtjahr 2027 wurde von 80 auf 75 US-Dollar pro Barrel reduziert. Für die US-Sorte WTI erwartet die Bank nun einen Durchschnittspreis von 75 US-Dollar im vierten Quartal 2026 sowie 70 US-Dollar im Jahresdurchschnitt 2027.
Die Strategen der Bank, darunter Daan Struyven, erklärten, dass die Vorverlegung des Zeitplans für die Angebotsnormalisierung um einen Monat den fairen Wert von Rohöl für diese Zeiträume um etwa 10 beziehungsweise 5 US-Dollar pro Barrel verringere. Die Risiken für ihre Annahme einer Angebotserhohlung bezeichneten sie als „zweiseitig".
Chancen und Risiken bleiben zweiseitig
Auf der Aufwärtsseite verweisen die Goldman-Strategen darauf, dass die Ströme am Golf bereits auf geschätzte 11 Millionen Barrel pro Tag gestiegen seien. Um das Vorkriegs-Exportniveau zu erreichen, wäre lediglich eine Steigerung der Durchflüsse durch Hormus um 12 Millionen Barrel pro Tag auf 70 Prozent des Vorkriegsvolumens erforderlich. Zudem könnten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate aggressiver auf die niedrigen kommerziellen Lagerbestände der OECD reagieren, während die iranische Produktion aufgrund möglicher Sanktionserleichterungen weiter steigen könnte.
Auf der Abwärtsseite sehen die Strategen ebenfalls erhebliche Risiken. Eine Wiederaufnahme regionaler Feindseligkeiten oder Angriffe auf Tanker könnten „die Reedereien risikoscheu halten". Hinzu kommt, dass die Minenräumung erhebliche Zeit in Anspruch nehmen könnte. Außerdem besteht das Risiko, dass der Iran die Meerenge erneut schließt, falls umfassendere Atomgespräche scheitern sollten.
Preisboden durch Sicherheitsprämie und strategische Bevorratung
Trotz eines prognostizierten Angebotsüberschusses von 3,2 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2027 erwartet Goldman Sachs, dass sich Brent und WTI nahe ihrer langfristigen fairen Werte von 75 beziehungsweise 70 US-Dollar halten werden. Als Gründe nennt die Bank den begrenzten Spielraum für Lageraufbauten nach den massiven Abflüssen im ersten Halbjahr sowie einen strukturellen Trend zur strategischen Bevorratung, der im nächsten Jahr 1 Million Barrel pro Tag überschreiten dürfte.
„Eine gewisse Sicherheitsprämie, die das Ausfallrisiko kompensiert, dürfte die Preise nach unten absichern", schrieben die Strategen. Goldman gab zudem an, dass die Risiken für die Preisprognose unter dem Strich weiterhin nach oben gerichtet seien.
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Zur AktienanalyseExtreme Szenarien: Von unter 60 bis über 130 Dollar
Für den Fall anhaltender Störungen in der Straße von Hormus bis 2027 skizziert Goldman ein Aufwärtsszenario, in dem Brent Ende 2026 die Marke von 130 US-Dollar überschreiten und im Jahr 2027 durchschnittlich 105 US-Dollar erreichen könnte. Im Abwärtsszenario – mit einer früheren Erholung der Exporte, hartnäckigeren Nachfrageverlusten und stärkerem Angebot – könnte Brent im vierten Quartal 2026 knapp unter 70 US-Dollar und im Jahr 2027 sogar unter 60 US-Dollar fallen.
Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Durch sie fließt ein erheblicher Teil des globalen Ölhandels, weshalb jede Störung in dieser Region unmittelbare Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte hat. Für deutsche Verbraucher und Unternehmen sind die Ölpreise von direkter Relevanz – sie beeinflussen Kraftstoffpreise, Heizkosten und die Produktionskosten energieintensiver Industrien.


