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Goldman Sachs senkt Ölpreisprognose nach Hormus-Abkommen deutlich

Die Wall-Street-Bank revidiert ihre Brent-Prognose für 2026 auf 80 Dollar je Barrel – ein Rückgang um 10 Dollar.

Goldman Sachs senkt Ölpreisprognose nach Hormus-Abkommen deutlich

Goldman Sachs hat seine Ölpreisprognosen nach einer Interimsvereinbarung zwischen den USA und dem Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus deutlich gesenkt. Die Wall-Street-Bank erwartet für Rohöl der Sorte Brent im vierten Quartal 2026 nun einen Durchschnittspreis von 80 Dollar pro Barrel – gegenüber der bisherigen Prognose von 90 Dollar. Dies teilte ein Strategenteam unter der Leitung von Daan Struyven, Co-Leiter des Bereichs Global Commodities Research, am Montag mit.

US-Präsident Donald Trump und der iranische Chefunterhändler unterzeichneten am Montag ein Abkommen zur Verlängerung eines fragilen Waffenstillstands um 60 Tage sowie zur Wiederöffnung der Straße von Hormus. Die Vereinbarung weckt Hoffnungen auf ein Ende des historischen Energieschocks, der die globalen Märkte erschüttert und die Wachstumsaussichten getrübt hat. Die Brent-Rohölpreise reagierten unmittelbar und fielen am Montag um fast 5 Prozent auf den niedrigsten Schlussstand seit dem 4. März.

Revidierte Preisprognosen für Brent und WTI

Neben der Brent-Prognose für das vierte Quartal 2026 senkte Goldman Sachs auch seine weiteren Schätzungen erheblich. Die Brent-Prognose für das Jahr 2027 wurde von 80 auf 75 Dollar je Barrel reduziert. Für die US-amerikanische Rohölsorte WTI erwartet die Bank nun 75 Dollar für das vierte Quartal 2026 sowie 70 Dollar für das Gesamtjahr 2027.

Die Vereinbarung veranlasste Goldman dazu, den prognostizierten Zeitplan für die Normalisierung der Exporte aus dem Persischen Golf auf Vorkriegsniveau um einen Monat auf Ende Juli vorzuziehen. Eine vollständige Erholung der Ölproduktion wird nun bis Oktober erwartet. Goldman schätzt, dass eine Normalisierung durch eine Steigerung der Durchflussmengen in der Straße von Hormus um 12 Millionen Barrel pro Tag gegenüber dem aktuellen Niveau erreicht werden könnte – wodurch das Volumen wieder 70 Prozent des Vorkriegsniveaus erreichen würde.

Zusätzliches Angebot könnte laut Goldman von den Ölproduzenten Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten kommen, die ihre Produktion über das Vorkriegsniveau hinaus steigern könnten. Damit ließen sich die erschöpften kommerziellen Lagerbestände der OECD-Länder wieder auffüllen. Auch eine potenzielle Lockerung der Sanktionen gegen iranisches Öl könnte das Angebot weiter erhöhen.

Langfristiger fairer Wert und verbleibende Risiken

Trotz der Prognose eines weltweiten Angebotsüberschusses von 3,2 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2027 geht Goldman davon aus, dass sich die Brent-Preise nahe ihrem langfristigen fairen Wert von 75 Dollar pro Barrel halten werden. Angesichts des Ausmaßes der Lagerentnahmen im ersten Halbjahr und der anhaltenden staatlichen Bevorratung sei es unwahrscheinlich, dass sich die Bestände vollständig erholen. Eine verbleibende geopolitische Risikoprämie dürfte die Preise nach unten absichern.

Die vollständigen Details des Memorandums wurden bislang noch nicht veröffentlicht. Eine feierliche Unterzeichnung ist für Freitag in Genf geplant, an der US-Vizepräsident JD Vance und der iranische Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf teilnehmen werden.

Risiken für die Erholung des Angebots bleiben bestehen: Die Feindseligkeiten in der Region könnten wieder aufflammen, Minenräumungen könnten die Wiederöffnung der Schifffahrtswege verzögern, oder der Iran könnte die Meerenge erneut schließen, falls die Atomgespräche ins Stocken geraten. Sollte die Straße von Hormus bis 2027 gestört bleiben und sich die Exporte aus dem Golf nur allmählich erholen, könnte Brent Ende 2026 über 130 Dollar steigen und im Jahresdurchschnitt 105 Dollar erreichen. In einem optimistischeren Szenario mit frühzeitiger Normalisierung und stärkerem Angebot könnten die Preise im vierten Quartal 2026 hingegen unter 70 Dollar und im Jahr 2027 unter 60 Dollar fallen.

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