Goldman Sachs: Risikobereitschaft der Anleger auf Höchststand seit 2021
Die Anlegerstimmung erreicht ein außergewöhnliches Niveau: Der Risikoappetit-Indikator von Goldman Sachs steigt auf 1,09 – den höchsten Wert seit drei Jahren und im 98. Perzentil seit 1991.

Die Investmentbank Goldman Sachs meldet eine bemerkenswerte Entwicklung an den globalen Finanzmärkten: Der hauseigene Risikoappetit-Indikator (Risk Appetite Indicator, RAI) ist auf 1,09 gestiegen. Analyst Andrea Ferrario teilte Kunden mit, dass dies der höchste Stand seit 2021 sei und im historischen Vergleich seit 1991 im 98. Perzentil liege.
Die Zahlen sind umso bemerkenswerter, als sie trotz erhöhter politischer und geopolitischer Unsicherheiten zustande kommen. Der Indikator spiegelt eine breit angelegte Risk-on-Positionierung wider, bei der Anleger verstärkt in risikoreichere Anlagen investieren.
Breite Risikobereitschaft über alle Anlageklassen
Die Analyse zeigt eine beeindruckende Breite der Risikofreude: 17 von 27 Eingangsgrößen des RAI weisen einen Z-Score über 0,8 auf. Die bullischsten Signale kommen dabei aus den Bereichen Small Caps versus Large Caps, Schwellenländer- versus Industrieländeraktien, Anleihe-Spreads und dem Währungspaar AUD/JPY.
Ein interessantes Detail: Gold stellt den wichtigsten Ausreißer dar. Ohne Berücksichtigung des Edelmetalls läge der RAI sogar bei fast 1,2, was auf eine noch stärkere zugrunde liegende Risikobereitschaft hindeuten würde. Dies unterstreicht, dass Anleger Gold derzeit weniger als sicheren Hafen nutzen.
Historisch seltenes Phänomen
Solch erhöhte Messwerte sind historisch betrachtet eine Seltenheit. Seit 1991 ist der RAI nur in sechs Fällen über die Marke von 1,0 gestiegen. Der Haupttreiber des jüngsten Aufschwungs ist laut Ferrario der "Globales Wachstum"-Faktor der Bank, während auch Positionierungs- und Stimmungsindikatoren auf bullischem Niveau verbleiben.
Positive Aussichten mit Einschränkungen
Die historische Analyse von Goldman Sachs zeigt: Nach einem Anstieg über 1,0 erzielten Aktien in den folgenden 12 Monaten positive Renditen. Allerdings verlangsamten sich die Gewinne typischerweise nach etwa sechs Monaten.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWichtig für Anleger: Ein hoher RAI ist laut Goldman Sachs allein kein Signal, bärisch zu werden. Die Performance hänge stark vom makroökonomischen Umfeld ab. Aktienrenditen blieben tendenziell positiv, solange der RAI erhöht bleibe. Abwärtsrisiken nähmen erst dann zu, wenn der Indikator unter null falle.
Ausblick 2026
Für das Jahr 2026 positioniert sich Goldman Sachs "moderat risikofreudig" mit einer Übergewichtung bei Aktien. Gleichzeitig setzt die Bank auf selektive Absicherungen sowohl gegen Abwärts- als auch gegen Aufwärtsrisiken beim Wirtschaftswachstum – eine ausgewogene Strategie in einem Umfeld historisch hoher Risikobereitschaft.


