Goldman Sachs hebt Ölpreisprognose wegen höherer Sicherheitsprämie an
Die US-Investmentbank korrigiert ihre langfristige Ölpreisprognose um 9 Dollar pro Barrel nach oben – wegen geopolitischer Risiken.

Goldman Sachs hat seine langfristige Ölpreisprognose am Montag deutlich angehoben. Die Bank erhöhte ihre Schätzung um 9 US-Dollar pro Barrel auf 76 Dollar – und zwar auf dem Höhepunkt des Konflikts zwischen den USA und dem Iran. Als zentralen Grund nannte das Institut eine höhere strukturelle Sicherheitsprämie, die den Ölmärkten derzeit eingepreist wird.
Analystin Alexandra Paulus erklärte gegenüber Investoren, dass die jüngste Ölpreisrallye durch Angriffe auf Tanker sowie erneute militärische Schläge zwischen den USA und dem Iran ausgelöst wurde. Laut Paulus verdeutliche dies, „wie entscheidend die Ölströme durch die Straße von Hormus kurzfristig für die Preise bleiben". Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt und ist für den globalen Öltransport von zentraler Bedeutung.
Straße von Hormus als kritischer Engpass
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Arabischen Meer und ist die einzige Seeroute, über die Öl aus dem Persischen Golf in die Weltmärkte gelangt. Rund 20 Prozent des weltweit gehandelten Öls passieren diesen Engpass täglich. Störungen in dieser Region haben daher unmittelbare Auswirkungen auf die globalen Energiepreise – und damit auch auf Verbraucher und Unternehmen in Deutschland und Europa.
Goldman Sachs wies jedoch darauf hin, dass der künftige Ausbau der Pipeline-Kapazitäten zur Umgehung der Straße von Hormus im Laufe der Zeit ein Abwärtsrisiko für die erhöhte Sicherheitsprämie darstellt. Paulus ergänzte, dass der langfristige Ausbau von Pipelines im Nahen Osten die Anfälligkeit der Region gegenüber Störungen deutlich verringern dürfte.
Pipeline-Ausbau soll Abhängigkeit reduzieren
Goldman Sachs schätzt, dass bis Ende 2027 genügend Pipeline-Kapazitäten geschaffen werden, um über 45 Prozent der Exportmengen aus dem Persischen Golf vor potenziellen Störungen in der Straße von Hormus abzusichern. Bis Ende 2028 soll dieser Anteil auf mehr als 60 Prozent steigen.
Im Basisszenario der Bank soll die effektive Pipeline-Kapazität bis Ende 2027 um zusätzliche 3,8 Millionen Barrel pro Tag wachsen. Bis Ende 2028 soll der kumulierte Zuwachs bei 7,3 Millionen Barrel pro Tag liegen. Diese Prognose basiert auf sieben Pipelines, die sich bereits im Bau, in der Planungsphase oder in der Prüfung befinden.
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Zur AktienanalysePaulus verwies dabei auf historische Erfahrungswerte: Pipelines innerhalb einzelner Länder im Nahen Osten würden „wahrscheinlich relativ schnell gebaut", wobei die mediane Bauzeit in der von Goldman untersuchten Stichprobe bei 2,5 Jahren liegt. In einem beschleunigten Szenario könnten die Pipeline-Kapazitäten bis Ende 2028 sogar 75 Prozent der Exporte absichern. Ein konservatives Szenario geht hingegen von knapp über 45 Prozent aus.
Eskalationsrisiken bleiben bestimmend
Goldman Sachs betonte abschließend, dass die jüngsten Angriffe verdeutlichen, dass eine erneute ernsthafte Eskalation „das kurzfristige Aufwärtsrisiko für die Ölpreise wieder verstärken könnte". Für Anleger und Energiemärkte bleibt die geopolitische Lage im Nahen Osten damit ein zentraler Preistreiber – zumindest solange die Pipeline-Infrastruktur noch nicht ausreichend ausgebaut ist, um die Abhängigkeit von der Straße von Hormus spürbar zu reduzieren.


