Goldman Sachs: Fonds schichten massiv von Software zu Halbleitern um
Hedgefonds und Investmentfonds setzen zu Beginn des zweiten Quartals 2026 verstärkt auf Halbleiter – auf Kosten von Softwareaktien.

Goldman Sachs hat zu Beginn des zweiten Quartals 2026 eine deutliche Verschiebung in den Portfolios großer institutioneller Investoren festgestellt. Sowohl Hedgefonds als auch Investmentfonds bauen ihre Positionen in Halbleiteraktien aus und reduzieren gleichzeitig ihr Engagement in Softwareunternehmen. Grundlage der Analyse ist ein Goldman-Sachs-Bericht, der Aktienpositionen im Wert von 9 Billionen US-Dollar ausgewertet hat.
Der Hintergrund dieser Umschichtung ist der wachsende Einfluss der künstlichen Intelligenz (KI) auf die Technologiebranche. Investoren ziehen Kapital aus Unternehmen ab, die klassische Softwaredienstleistungen anbieten – darunter Büro- und Unternehmensprodukte, HR-Dienstleistungen und Essenslieferungen. Diese Bereiche gelten als besonders anfällig für Disruption durch KI-Technologien.
Rekordlauf bei Halbleiteraktien
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der Philadelphia Semiconductor Index (SOX), das wichtigste Barometer für Halbleiteraktien, ist seit Jahresbeginn um beachtliche 72,3 Prozent gestiegen. Von Ende März bis Ende April verzeichnete der Index eine 18-tägige Gewinnserie – die längste in seiner Geschichte. Im Gegensatz dazu verlor der iShares Expanded Tech-Software Sector ETF im gleichen Zeitraum 11,1 Prozent.
Die Rallye im KI-Sektor hat maßgeblich dazu beigetragen, dass US-Aktien in diesem Jahr erneut Rekordmarken erreichten – und das trotz eines anhaltenden geopolitischen Konflikts zwischen Washington und dem Iran sowie eines globalen Ausverkaufs am Anleihenmarkt. Letzterer wurde durch gestiegene Erwartungen an weltweite Zinserhöhungen ausgelöst, die dem Inflationsschock infolge steigender Ölpreise entgegenwirken sollen. Steigende Zinsen belasten Technologieaktien historisch gesehen überproportional, da deren hohe Bewertungen stark auf zukünftig erwarteten Gewinnen basieren.
Wahrnehmung von KI hat sich grundlegend gewandelt
Besonders aufschlussreich ist die veränderte Einschätzung der Anleger gegenüber dem KI-Thema. Während zu Beginn des KI-Booms die Erwartung dominierte, dass künstliche Intelligenz den gesamten Technologiesektor beflügeln werde, hat sich die Sichtweise inzwischen verschoben: Investoren gehen nun davon aus, dass KI klare Gewinner und Verlierer hervorbringen wird. Halbleiterhersteller gelten dabei als die großen Profiteure, Softwareanbieter hingegen als die potenziellen Verlierer.
Goldman-Sachs-Analyst Ben Snider und sein Team schreiben in ihrer Research-Notiz: „Investmentfonds starteten in das zweite Quartal mit ihrem niedrigsten Engagement in Software seit mindestens 2012. Klammert man die Mega-Caps aus, ist die Übergewichtung von Halbleitern gegenüber Software bei Investmentfonds so groß wie seit 2012 nicht mehr." Bei Hedgefonds sei die Gewichtung von Software in den Long-Portfolios die niedrigste seit 2019, während die Gewichtung bei Halbleitern ein Rekordniveau erreicht habe.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseMicrosoft und Magnificent 7 unter Druck
Auf Einzeltitelebene verzeichnete Microsoft sowohl bei Hedgefonds als auch bei Investmentfonds eine der größten Positionsreduzierungen auf Nettobasis. Investmentfonds reduzierten zudem ihre Anteile an den übrigen Werten der sogenannten „Magnificent 7" – jener sieben Tech-Giganten, die den US-Aktienmarkt in den vergangenen Jahren dominiert haben. Hedgefonds bauten ihre Bestände bei den meisten Mag-7-Titeln ebenfalls ab, stockten auf Nettobasis jedoch ihre Positionen in Meta und Apple auf.
Innerhalb der Halbleiterbranche zeigen sich klare Präferenzen: Hedgefonds bauten ihre Positionen in Lam Research, Applied Materials und dem niederländischen Chiphersteller ASML aus. Investmentfonds setzten verstärkt auf Intel und Sitime. Diese Entwicklung unterstreicht, dass institutionelle Anleger gezielt auf jene Unternehmen setzen, die von der steigenden Nachfrage nach KI-Infrastruktur profitieren dürften.


