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Goldman Sachs bullish auf Nordostasien trotz Risiken durch Marktkonzentration

Goldman Sachs setzt auf Südkorea und Taiwan als Wachstumsmotoren Asiens – trotz wachsender Warnsignale zur Marktbreite.

Goldman Sachs bullish auf Nordostasien trotz Risiken durch Marktkonzentration

Goldman Sachs bekräftigt seine optimistische Haltung gegenüber nordostasiatischen Aktienmärkten, insbesondere Südkorea und Taiwan. Timothy Moe, Chefstratege für asiatisch-pazifische Aktien bei Goldman Sachs, sieht in diesen Märkten die primären Wachstumstreiber der Region – angetrieben vom globalen KI-Halbleiterzyklus. Gleichzeitig warnen Analysten vor der gefährlichen Enge der Rallye und strukturellen Schwächen der koreanischen Binnenwirtschaft.

Der südkoreanische Kospi-Index hat sich im bisherigen Jahresverlauf 2026 im Wert verdoppelt. Goldman Sachs hat daraufhin sein 12-Monats-Kursziel für den Kospi auf 12.000 Punkte angehoben – was einem weiteren Aufwärtspotenzial von rund 35 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau entspricht. Taiwan wurde zudem auf „Übergewichten" hochgestuft, was die strategische Präferenz der Bank für KI-exponierte Märkte unterstreicht.

Massive Performanceschere innerhalb Asiens

Die Stärke Nordostasiens steht in scharfem Kontrast zur Entwicklung anderer asiatischer Märkte. Der MSCI Asia Pacific ex-Japan Index verzeichnet zwar ein Plus von 27 Prozent seit Jahresbeginn. Ohne Südkorea und Taiwan wäre der Index jedoch um 4 Prozent gefallen. Goldman Sachs führt diese Divergenz auf zwei Faktoren zurück: die Widerstandsfähigkeit gegenüber Energiepreisschocks – etwa durch den Iran-Konflikt – sowie die starke Exponierung gegenüber dem Technologiesektor. Im Vergleich zu Märkten wie Indonesien beträgt der Performanceunterschied zu Korea mehr als 160 Prozent.

Goldman Sachs betont, dass die Rallye fundamental durch Gewinnwachstum untermauert ist. Für das Jahr 2026 prognostiziert die Bank ein Gewinn-je-Aktie-Wachstum von 60 Prozent für asiatisch-pazifische Aktien, angeführt vom Technologiesektor. Moe und sein Team setzen gezielt auf Märkte, in denen das Gewinnwachstum am stärksten ausgeprägt ist – denn Investoren belohnen derzeit Unternehmen, die liefern, und bestrafen jene, die enttäuschen.

In Südkorea konzentriert sich die Rallye auf zwei dominante Schwergewichte: Samsung Electronics und SK Hynix. Diese beiden Technologieriesen profitieren von der anhaltend hohen Nachfrage nach Speicherchips für KI-Infrastruktur und treiben den Kospi maßgeblich nach oben. Goldman Sachs hält an seiner Übergewichtung Koreas fest und verweist auf Erwartungen weiterer starker Gewinne sowie möglicher Neubewertungskatalysatoren.

Warnsignale: Enge Rallye und spekulative Exzesse

Trotz der optimistischen Kursziele mahnen sowohl Goldman Sachs als auch externe Beobachter zur Vorsicht. Das Kernproblem: Eine Handvoll Technologieschwergewichte macht rund 50 Prozent des Kospi-Index aus. Die starken Indexgewinne verschleiern damit eine fehlende Marktbreite. Jonathan Krinsky, Cheftechniker bei BTIG, wies darauf hin, dass der Kospi zuletzt trotz eines Anstiegs von 12,15 Prozent sechs Handelstage in Folge eine negative Marktbreite aufwies – ein Zeichen dafür, dass nur sehr wenige Aktien den Index nach oben ziehen.

Goldman Sachs registriert zudem Anzeichen zunehmend spekulativen Verhaltens, darunter einen starken Anstieg der verwalteten Vermögen in gehebelten ETFs. Als Absicherungsstrategie empfiehlt die Bank Investoren den Einsatz sogenannter „Put Spread Collars" in Korea und Taiwan, um sich gegen einen möglichen Kursrückgang zu wappnen.

Wachsende Kluft zwischen Börse und Realwirtschaft

Neben den technischen Risiken wächst die Diskrepanz zwischen der Börsenentwicklung und der realen koreanischen Wirtschaftslage. Peter Kim, Globalstratege bei KB Financial Group, warnt, dass die Euphorie rund um den Halbleiterzyklus von ernsthaften strukturellen Problemen ablenkt. Die koreanische Binnenwirtschaft kämpft mit schleppendem Lohnwachstum, schwacher Jobschaffung und dem Druck durch höhere Energiekosten.

Hinzu kommt ein wachsender Wettbewerbsdruck aus China: Chinesische Exporteure gewinnen in wichtigen Industriezweigen zunehmend Marktanteile auf Kosten koreanischer Unternehmen. Für Wirtschaftspolitiker entsteht damit ein komplexes Umfeld – ein boomender Finanzsektor, der sich zunehmend von der Realität des Arbeitsmarkts und der Industrieproduktion entkoppelt.

Goldman Sachs hat seine Regionalstrategie zuletzt weiter verfeinert und Hongkong-gelistete H-Aktien auf „Marktgewichten" herabgestuft, während die Übergewichtung von auf dem chinesischen Festland gelisteten A-Aktien bestehen bleibt. Das übergeordnete Thema für die zweite Jahreshälfte 2026 bleibt die Fokussierung auf wachstumsorientierte, KI-exponierte Märkte in Nordostasien – jedoch mit einem zunehmend abgesicherten Ansatz angesichts der Konzentrationsrisiken.

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