Gold durchbricht 4.600-Dollar-Marke: Neues Allzeithoch
Geopolitische Spannungen und Zweifel an der Fed-Unabhängigkeit treiben den Goldpreis auf ein historisches Rekordhoch. Eine Feinunze kostet erstmals über 4.600 US-Dollar.

Der Goldpreis hat am Montag ein neues Allzeithoch erreicht und erstmals die Marke von 4.600 US-Dollar durchbrochen. Am Mittag notierte eine Feinunze bei rund 4.604 Dollar – der sechste Gewinntag im siebten Handelstag des Jahres. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus damit auf beeindruckende sechs Prozent.
Iran-Krise als Haupttreiber
Marktbeobachter führen die jüngste Rallye vor allem auf die eskalierende Lage im Iran zurück. Massive Proteste gegen die autoritäre Führung haben die Region destabilisiert. US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran wolle verhandeln und ein Treffen werde vorbereitet. Gleichzeitig schloss er ein militärisches Eingreifen nicht aus.
Zusätzlich erwägt Trump, die iranischen Demonstranten mit Satelliteninternet über Elon Musks Starlink-Dienst zu unterstützen. Die iranische Führung hat den Internetzugang nahezu vollständig gekappt, um die Koordination der Proteste zu erschweren.
Fed-Unabhängigkeit unter Beschuss
Parallel zur Iran-Krise wachsen die Sorgen um politische Einflussnahme auf die US-Notenbank. Der eskalierende Konflikt zwischen Trump und Fed-Chef Jerome Powell belastet das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Geldpolitik. Das US-Justizministerium hat der Federal Reserve Vorladungen zugestellt – offiziell wegen angeblich falscher Angaben Powells vor dem Senat.
Powell weist die Vorwürfe als politische Einschüchterung zurück. Es gehe letztlich darum, ob die Fed ihre Zinsentscheidungen weiterhin auf Basis wirtschaftlicher Daten treffe – oder ob politischer Druck die Geldpolitik dominiere. Für Goldanleger ist diese Unsicherheit ein zusätzlicher Kaufanreiz.
Zinssenkungsfantasie beflügelt Edelmetall
Am Dienstagmorgen setzte Gold seine Gewinne fort und notierte knapp unter 4.156 Dollar. Auslöser war eine Äußerung des US-Notenbankers Christopher Waller, der eine Zinssenkung im Dezember ins Spiel brachte. Angesichts der Unsicherheiten am Arbeitsmarkt plädierte er für eine vorsichtigere Geldpolitik.
Da Gold keine laufenden Erträge abwirft, steigt seine Attraktivität in Phasen sinkender Zinsen deutlich. Waller deutete zudem an, dass die Fed im kommenden Jahr stärker von Sitzung zu Sitzung entscheiden dürfte – auch weil durch den Regierungsstillstand zahlreiche Wirtschaftsdaten verspätet veröffentlicht wurden.
Beeindruckende Jahresperformance
Bereits 2025 zählte Gold zu den gefragtesten Anlageklassen mit einem Jahresplus von 65 Prozent – der stärkste Anstieg seit 1979. Die aktuelle Rallye setzt diesen Trend fort. Seit Ende 2024 hat sich der Preis um nahezu 60 Prozent erhöht.
Trotz zwischenzeitlicher Gewinnmitnahmen bleibt die Nachfrage hoch. Am 20. Oktober hatte Gold ein Rekordhoch von 4.381,52 Dollar erreicht, bevor Verkäufe den Kurs vorübergehend drückten. Die Marke von 4.000 Dollar gilt als wichtige Unterstützung.
Notenbanken als Käufer
Zusätzliche Unterstützung kommt von massiven Goldkäufen der Notenbanken, insbesondere aus China und Indien. Diese diversifizieren ihre Währungsreserven weg vom US-Dollar. Fondsmanager Alexis Bienvenu von LFDE betont, dass der Aufwärtstrend weniger Euphorie als vielmehr Sorgen über den Dollar und geopolitische Risiken widerspiegele.
Goldman Sachs sieht 4.900 Dollar
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Zur AktienanalyseViele Analysten bleiben optimistisch für die weitere Preisentwicklung. Die US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet damit, dass der Goldpreis bis zum vierten Quartal 2026 auf rund 4.900 Dollar steigen könnte. Auch die Privatbank Lombard Odier hat ihr Kursziel auf 4.600 Dollar angehoben.
Christopher Wong, Marktstratege bei der OCBC in Singapur, sieht die mittelfristigen Preistreiber intakt. Die Fed dürfte ihre lockere Geldpolitik voraussichtlich bis 2026 fortsetzen. Zusätzlich stützen geopolitische Spannungen, Kursverluste bei Staatsanleihen und die US-Schuldenproblematik den Goldpreis.
Volatilität bleibt hoch
Dennoch warnen Experten vor zu viel Euphorie. Der stärkste Tagesverlust seit August 2020 Anfang der Woche zeigt die Volatilität des Marktes. Damals verlor Gold in den Folgemonaten rund 20 Prozent. Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets spricht von einer gesunden Abkühlung eines überhitzten Marktes.
Händler erwarten jedoch, dass viele Investoren Rücksetzer als günstige Einstiegschance nutzen. Solange die geopolitischen Unsicherheiten und die Zweifel an der Fed-Unabhängigkeit bestehen bleiben, dürfte Gold als sicherer Hafen gefragt bleiben. Die Marke von 4.000 Dollar gilt als entscheidende Unterstützungszone.


