Globaler Anleihen-Ausverkauf verschärft sich – Inflationssorgen treiben Renditen
Steigende Ölpreise, Nahost-Konflikt und überraschend hohe Inflationsdaten weltweit heizen die Zinswetten der Anleger weiter an.

Die Renditen an den globalen Anleihemärkten sind auf breiter Front gestiegen und haben teilweise Mehrjahreshochs erreicht. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,631% – den höchsten Stand seit Februar 2025 – nachdem sie in der Vorwoche bereits um mehr als 20 Basispunkte zugelegt hatte. Die zweijährige US-Rendite, die besonders sensibel auf Inflations- und Zinserwartungen reagiert, erreichte mit 4,102% ein 14-Monats-Hoch.
Besonders auffällig: Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen stieg auf ein Jahreshoch von 5,159%. Steigende Renditen bedeuten fallende Kurse – Anleger trennen sich also massenhaft von Staatsanleihen. Der Ausverkauf belastete gleichzeitig die Aktienmärkte, die zuletzt von der KI-Euphorie profitiert hatten, und stützte den US-Dollar.
Ölpreise und Nahost-Konflikt als Treiber
Ein wesentlicher Auslöser des jüngsten Ausverkaufs ist der Anstieg der Ölpreise. Brent-Rohöl-Futures notierten am Montag bei 111 US-Dollar pro Barrel. Bemühungen zur Beendigung des Nahost-Krieges schienen nach einem Drohnenangriff auf ein Kernkraftwerk in den Vereinigten Arabischen Emiraten ins Stocken geraten zu sein. Mehr als zwei Monate nach Beginn des Konflikts wachsen die Sorgen der Anleger über die wirtschaftlichen Folgen und deren Auswirkungen auf den globalen Zinsausblick.
„Das Thema ‚Higher for Longer' kehrt zurück, auch wenn tatsächliche Zinserhöhungen noch nicht das Basisszenario sind", sagte Charu Chanana, Chef-Anlagestratege bei Saxo. Die Analysten von Barclays formulierten es deutlicher: „Die Kombination aus einem anhaltenden Ölangebotsschock, steigenden Inflationsraten und einer weiterhin robusten Nachfrage wurde zu einem Rezept für höhere Zinsen." Hintergrund ist auch, dass das Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping kaum Hoffnung auf eine koordinierte Lösung zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus geweckt hatte.
Japan verschärft die Lage zusätzlich
Den Ausverkauf am Montag verstärkten Nachrichten aus Japan: Die japanische Regierung plant offenbar neue Schuldenaufnahmen zur Finanzierung eines Zusatzhaushalts, um die wirtschaftlichen Folgen des Krieges abzufedern. Die Renditen 30-jähriger japanischer Staatsanleihen (JGB) sprangen daraufhin um mehr als 10 Basispunkte auf ein Rekordhoch von 4,200%. Die zehnjährige japanische Rendite erreichte mit 2,800% den höchsten Stand seit Oktober 1996.
Eugene Leow, Senior Rates Strategist bei DBS, kommentierte: „Die Stimmung war bereits zum Ende der vergangenen Woche schwach. Zusätzliche Staatsausgaben Japans haben die Lage definitiv verschlechtert." Er ergänzte: „Dies fühlt sich wie eine fortlaufende Neubewertung über die Zinskurven in der Region an, während die Anleger mit Inflationssorgen kämpfen."
Märkte preisen Zinserhöhungen ein
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Zur AktienanalyseDie Inflationsdaten der vergangenen Woche hatten die Nervosität bereits deutlich erhöht. US-Verbraucher- und Erzeugerpreise stiegen im April stark an, ähnliche Werte wurden in China, Deutschland und Japan verzeichnet. Nick Twidale, Chef-Marktanalyst bei ATFX Global, betonte: „Die Tatsache, dass wir nun Daten sehen, welche die Inflationsängste untermauern, die seit Beginn des Nahost-Konflikts im Markt herrschen, ist meines Erachtens entscheidend."
Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 50% ein, dass die US-Notenbank Federal Reserve die Zinsen bis Dezember anheben wird. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) wird bereits für den nächsten Monat mit einer Zinserhöhung gerechnet, bei der Bank of England mit etwa zwei Anhebungen im laufenden Jahr.
Auch in Europa spürten die Anleihemärkte den Druck deutlich. Deutsche Bund-Futures und französische OAT-Futures verloren am Montag rund 0,4% beziehungsweise 0,45%. Die Renditen britischer Staatsanleihen (Gilts) hatten bereits in der Vorwoche stark angezogen und den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht – zusätzlich belastet durch den wachsenden innenpolitischen Druck auf Premierminister Keir Starmer nach herben Verlusten der Labour-Partei bei den Kommunalwahlen.


