Globale Anleihemärkte erleiden schwersten Einbruch seit Jahren
Nahostkonflikt befeuert Inflationsängste und zwingt Anleger zur Aufgabe ihrer Zinssenkungswetten.

Die globalen Anleihemärkte stehen unter massivem Druck. Inflationsängste infolge des eskalierenden Nahostkonflikts haben Händler weltweit dazu gezwungen, ihre Wetten auf baldige Zinssenkungen aufzugeben. Der Bloomberg Global Aggregate Bond Index steuerte auf seine schlechteste Woche seit Oktober 2024 zu.
Besonders hart traf es britische Staatsanleihen (Gilts): Die Rendite zehnjähriger Papiere stieg um 0,39 Prozentpunkte auf 4,62 Prozent – die schlechteste Woche seit der britischen Pensionsfondskrise 2022. Auch US-Staatsanleihen gerieten unter Druck: Die Rendite zehnjähriger Treasuries kletterte um 0,17 Prozentpunkte auf 4,13 Prozent, der stärkste Wochenanstieg seit dem Handelskriegs-Ausverkauf im April vergangenen Jahres.
Kurzfristige Anleihen waren besonders stark betroffen. Die Renditen zweijähriger deutscher Bundesanleihen sprangen um 0,30 Prozentpunkte auf 2,31 Prozent – der größte wöchentliche Anstieg seit 2023.
Energiepreise als Auslöser
Auslöser des Zinsanstiegs sind drastisch gestiegene Energiepreise. Nachdem die USA und Israel den Iran angegriffen hatten, brach der Öl- und Gasfluss aus dem Nahen Osten nahezu vollständig zusammen. Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich von rund 72 Dollar pro Barrel auf etwa 92 Dollar, während die Gaspreise in Europa stark anzogen.
Diese Entwicklung schürt Inflationssorgen und dämpft die Hoffnung auf baldige Leitzinssenkungen. Swap-Kontrakte preisen mittlerweile sogar eine Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank um einen Viertelprozentpunkt in diesem Jahr ein – zuvor war noch eine weitere Senkung erwartet worden. Für die Bank of England wird nur noch eine etwa 50-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine einzige Zinssenkung eingepreist, nachdem zuvor zwei Senkungen als sicher galten.
"Das ist noch keine Panik, sondern eine Auflösung der übermäßig optimistischen Positionen, die globale Anleiheinvestoren in Bezug auf die kurzfristige Zinsentwicklung eingenommen hatten", kommentierte Mike Riddell, Fondsmanager bei Fidelity International.
Fed unter Druck durch schwache US-Arbeitsmarktdaten
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseUS-Arbeitsmarktdaten vom Freitag zeigten, dass die amerikanische Wirtschaft im Februar 92.000 Arbeitsplätze verloren hatte. Das veranlasste Händler, wieder stärker auf Zinssenkungen der Federal Reserve zu setzen – allerdings weniger als die zwei bis drei Senkungen, die vor Kriegsbeginn erwartet worden waren.
"Die Richtung ist klar: Wer zwei Senkungen eingepreist hatte, bewegt sich nun in Richtung Null", sagte Blake Gwinn, Leiter der US-Zinsstrategie bei RBC Capital Markets. "Die Fed wird abwarten."
Mark Tiernan, Global Head of Macro Sales bei der Deutschen Bank, betonte die Sensibilität der Märkte: "Der Energiefaktor ist wirkungsvoll, und der Markt ist viel sensibler als noch im Jahr 2022." Einige Analysten warnen jedoch davor, die aktuelle Lage mit dem Inflationsschub nach der russischen Invasion in der Ukraine 2022 gleichzusetzen. Sie halten eine solche Entwicklung für weniger wahrscheinlich – vorerst.


