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Globale Aktienmärkte steigen trotz eskalierender Nahost-Spannungen leicht

Tech-Erholung und robuste Wirtschaftsdaten stützen die Märkte, während Ölpreise durch iranische Gegenangriffe auf fast 79 Dollar klettern.

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Globale Aktienmärkte steigen trotz eskalierender Nahost-Spannungen leicht

Die globalen Aktienmärkte haben am Donnerstag leicht zugelegt. Anleger wogen dabei die erneuten Spannungen im Nahen Osten gegen die anhaltende Stärke von Technologieaktien und robuste Wirtschaftsdaten ab. Renten- und Devisenmärkte zeigten sich weitgehend stabil.

Im Mittelpunkt des Geschehens stand die militärische Eskalation im Nahen Osten: Iranische Streitkräfte reagierten auf eine zweite Nacht US-amerikanischer Angriffe mit neuen Attacken auf die US-Militärinfrastruktur in den Nachbarstaaten Katar, Kuwait und Bahrain. Diese Entwicklung trieb die Ölpreise deutlich nach oben.

Ölpreise und Anleihemärkte unter Druck

Die Brent-Rohöl-Futures stiegen auf fast 79 Dollar je Barrel, nachdem sie zuvor noch bei rund 77 Dollar gehandelt worden waren. Damit verstärkte sich der Preisanstieg der vergangenen Tage auf insgesamt rund 9 Prozent. Für Anleger ist dies ein bedeutsames Signal, da steigende Ölpreise die Inflation anheizen und damit die Zinspolitik der Notenbanken beeinflussen können.

Max Kettner, Chefstratege für Multi-Asset bei HSBC, brachte den Zusammenhang auf den Punkt: „In der Realität folgt der Zinsmarkt tatsächlich den Ölpreisen. Das war in den letzten Tagen deutlich zu erkennen." Kettner betonte, dass die Rentenmärkte angesichts der potenziellen Auswirkungen auf Inflation und globale Zinssätze hochsensibel gegenüber den Nahost-Spannungen blieben.

Tatsächlich machten sich erste Anzeichen von Druck bei den globalen Kreditkosten bemerkbar. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihen kletterte in Richtung 4,58 Prozent, nachdem sie den Monat noch bei etwa 4,40 Prozent begonnen hatte. In Asien erreichten die Renditen 10-jähriger japanischer Staatsanleihen 2,9 Prozent – den höchsten Stand seit 1996. Australische 10-jährige Staatsanleihen markierten ein Einmonatshoch von 4,933 Prozent. Europäische Bundesanleihen hielten sich hingegen stabil bei knapp über 3 Prozent.

Tech-Sektor als Stütze der Aktienmärkte

Trotz der geopolitischen Unsicherheiten zeigte sich der Technologiesektor widerstandsfähig. Europäische Aktien tendierten vorsichtig fester, gestützt durch eine Erholung bei Technologie- und KI-Werten nach zwei schwächeren Wochen. Der paneuropäische STOXX 600 Index legte um fast ein halbes Prozent zu, wobei Technologiewerte um 1,8 Prozent stiegen. Besonders auffällig war der Chiphersteller Siltronic, der nach einer Analystenhochstufung um mehr als 16 Prozent zulegte.

Die Wall-Street-Futures notierten vor Handelsbeginn zwischen 0,2 und 0,6 Prozent im Plus. Eine Ausnahme bildete Meta, dessen Aktie um 1,2 Prozent fiel, nachdem Reuters berichtet hatte, dass das Unternehmen plane, ab September eigene Mikrochips für künstliche Intelligenz herzustellen.

Die globale Stimmung wurde zudem durch positive Nachrichten aus dem KI-Sektor beflügelt. Berichten zufolge könnte China einheimischen KI-Firmen begrenzten Zugang zu den H200-Chips des Marktführers Nvidia gewähren. Darüber hinaus sorgte die US-Börsennotierung des südkoreanischen Chipherstellers SK Hynix für Aufsehen: Das Angebot im Wert von 28 Milliarden Dollar war mehr als siebenfach überzeichnet. Die Emission soll neue Fabriken und Ausrüstungen zur Deckung der steigenden Nachfrage nach KI-Chips finanzieren und wird voraussichtlich der weltweit zweitgrößte Aktienverkauf nach dem rekordverdächtigen SpaceX-Börsengang von 85,7 Milliarden Dollar im vergangenen Monat sein.

HSBC schließt Übergewichtung bei Schwellenländeraktien

Kettner von HSBC wies zudem auf die außergewöhnlich hohe Volatilität im südkoreanischen Markt hin. Die realisierte 30-Tage-Volatilität des KOSPI-Index liege derzeit bei 75 Prozent. Zum Vergleich: Ein ETF auf 7- bis 10-jährige US-Staatsanleihen weise traditionell eine realisierte Volatilität von lediglich rund 3 Prozent auf. „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein institutioneller Anleger. Wer kann schon eine Anlageklasse mit einer realisierten Volatilität von 75% in großem Stil kaufen?", so Kettner.

Konsequenterweise schloss HSBC diese Woche seine „Overweight"-Position für Schwellenländeraktien nach der Rallye in Schlüsselmärkten wie Korea. Für deutsche Privatanleger verdeutlicht dies, wie schnell sich die Risikoeinschätzung großer institutioneller Häuser in einem volatilen Umfeld verschieben kann – und wie eng Geopolitik, Rohstoffpreise und Kapitalmärkte miteinander verknüpft sind.

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