Globale Aktienfonds: Erste Abflüsse seit neun Wochen wegen Anleiherenditen
Steigende Anleiherenditen und Inflationssorgen beenden die achtwöchige Kaufserie bei globalen Aktienfonds mit Nettoabflüssen von 6,13 Milliarden Dollar.

Globale Aktienfonds haben in der Woche bis zum 20. Mai ihren ersten wöchentlichen Nettomittelabfluss seit neun Wochen verzeichnet. Laut Daten des Finanzdienstleisters LSEG Lipper zogen Anleger netto 6,13 Milliarden US-Dollar aus globalen Aktienfonds ab. Damit endete eine bemerkenswerte Kaufserie, die zuletzt Mitte März unterbrochen worden war, als Anleger netto 21,87 Milliarden Dollar abgezogen hatten.
Ausschlaggebend für die Trendwende war ein deutlicher Anstieg der langfristigen Anleiherenditen. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen kletterte am Mittwoch auf 5,201 Prozent – den höchsten Stand seit dem Jahr 2007. Zuletzt notierte sie bei 5,0795 Prozent. Treiber dieser Entwicklung war die Ungewissheit über eine mögliche Beilegung des Nahostkonflikts, die Sorgen über Energiepreise und Inflation schürte.
US-Aktienfonds besonders stark betroffen
Besonders deutlich spürten US-Aktienfonds den Gegenwind: Sie verzeichneten Abflüsse von 12,05 Milliarden Dollar – bereits der zweite wöchentliche Nettomittelabfluss innerhalb von drei Wochen. Auch asiatische Fonds blieben nicht verschont und verbuchten Nettoabflüsse von 570 Millionen Dollar. Europäische Fonds hingegen zeigten sich widerstandsfähiger und zogen Nettozuflüsse von 4,62 Milliarden Dollar an.
Auf Sektorebene blieben Technologiefonds trotz des allgemeinen Rückzugs der Anleger gefragt. Sie verzeichneten die siebte Woche in Folge Nettozuflüsse, diesmal in Höhe von 6,94 Milliarden Dollar. Finanz- und Industriefonds standen dagegen unter Verkaufsdruck: Finanzfonds verloren 2,8 Milliarden Dollar, Industriefonds 1,3 Milliarden Dollar.
Rentenfonds und Gold als sichere Häfen gefragt
Während Anleger Aktien mieden, floss frisches Kapital in globale Rentenfonds. Diese verzeichneten Nettozuflüsse von 21,89 Milliarden Dollar und setzten damit ihre Kaufserie in der siebten Woche in Folge fort. Besonders gefragt waren:
- Kurzläuferfonds: +7,47 Milliarden Dollar
- Staatsanleihenfonds: +3,09 Milliarden Dollar
- Auf Euro lautende Rentenfonds: +1,68 Milliarden Dollar
Auch Gold- und Edelmetall-Rohstofffonds profitierten vom Risikoabbau der Anleger. Sie verzeichneten Nettozuflüsse von 2,34 Milliarden Dollar und blieben damit die zweite Woche in Folge beliebt. Geldmarktfonds hingegen verbuchten mit einem Nettozufluss von lediglich 1,06 Milliarden Dollar deutlich weniger Zuspruch als in der Vorwoche, als noch ein Nettoabfluss von 10,41 Milliarden Dollar zu Buche stand.
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Zur AktienanalyseSchwellenländer weiter unter Druck
In den Schwellenländern hält der Rückzug der Anleger an. Netto wurden dort 2,95 Milliarden Dollar aus Aktienfonds abgezogen – bereits die vierte Woche in Folge mit Nettoabflüssen. Zudem zogen Investoren 256 Millionen Dollar aus Schwellenländer-Rentenfonds ab, nachdem zuvor sechs Wochen in Folge Käufe verzeichnet worden waren. Die Daten basieren auf einer Auswertung von insgesamt 28.926 Fonds durch LSEG Lipper.
Das aktuelle Marktbild zeigt eine klare Risikoaversion: Anleger weltweit reagieren auf das Zinsumfeld, indem sie Aktien – insbesondere aus den USA und Schwellenländern – reduzieren und stattdessen auf festverzinsliche Wertpapiere sowie Edelmetalle setzen. Für deutsche Privatanleger ist dabei besonders relevant, dass europäische Aktienfonds als einzige regionale Kategorie Zuflüsse verbuchen konnten, was auf eine relative Stärke des europäischen Marktes in diesem Umfeld hindeutet.

