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Glencore plant massive Blei-Entnahmen aus LME-Lagerhäusern

Nach einem Rekordhoch der Bleibestände an der Londoner Metallbörse plant Glencore die Entnahme von 30.000 Tonnen.

Glencore plant massive Blei-Entnahmen aus LME-Lagerhäusern

Der Rohstoffriese Glencore plant, 30.000 Tonnen Blei aus den Lagerhäusern der London Metal Exchange (LME) abzuziehen. Dies berichteten zwei Brancheninsider, nachdem die Bestände des Batteriemetalls auf Rekordhöhen gestiegen waren. Auch der Handelskonkurrent Hartree Partners hat Metall für die Auslieferung aus einem Lagerhaus vorgesehen, indem er Bleibestände stornierte – genaue Mengenangaben machten die Quellen dabei nicht.

Seit dem vergangenen Donnerstag wurden LME-Blei-Warrants – also Eigentumsurkunden, die den Besitz des Metalls verbriefen – im Umfang von 46.100 Tonnen storniert. Die Gesamtsumme der stornierten Warrants beläuft sich damit auf 65.225 Tonnen, was 14 Prozent der gesamten LME-Bleibestände entspricht. Bis auf 1.725 Tonnen befinden sich alle stornierten Bestände in Singapur.

Hintergrund: Trafigura lieferte zuvor über 160.000 Tonnen

Die aktuellen Stornierungen durch Glencore und Hartree erfolgten, nachdem das Handelshaus Trafigura Anfang des Monats an zwei aufeinanderfolgenden Tagen mehr als 160.000 Tonnen Blei nach Singapur geliefert hatte. Laut Reuters-Aufzeichnungen stiegen die LME-Bleibestände dadurch auf den höchsten Stand seit 1970. Trafigura lehnte eine Stellungnahme ab. Glencore reagierte ebenfalls nicht auf Kommentaranfragen, und auch Hartree Partners antwortete nicht.

Solche Entnahmen erwecken zwar den Eindruck einer physischen Nachfrage nach Blei, doch das Metall wird möglicherweise lediglich zwischen Lagerhäusern oder Händlern verschoben, anstatt tatsächliche Endverbraucher zu erreichen. Dies ist für den Markt von erheblicher Bedeutung, da sich Marktteilnehmer auf die Bestandsdaten der LME verlassen, um die aktuellen Marktbedingungen zu beurteilen. Falsch interpretierte Lagerbestandsbewegungen können so ein verzerrtes Bild von Angebot und Nachfrage zeichnen.

Lukrative Mietgeschäfte als mögliches Motiv

Die Quellen gaben an, dass Glencore und Hartree das Blei entweder an physische Kunden liefern oder es für sogenannte Mietgeschäfte – auf Englisch „Rent Deals" – in ein anderes Lagerhaus verlagern könnten. Bei solchen Geschäften müssen Unternehmen, die Metall liefern, nicht zwingend Eigentümer des Metalls bleiben. Sie erhalten jedoch einen Anteil an der Miete, die von den neuen Eigentümern gezahlt wird, solange das Metall im jeweiligen Lagerhaus verbleibt.

Singapur gilt dabei als besonders attraktiver Standort für Mietgeschäfte. Die hohen Kosten für die Stornierung von Warrants, die Auslagerung des Metalls und den anschließenden Versand an Verbraucher schrecken von Abhebungen ab – was es Lagerhäusern und Händlern ermöglicht, kontinuierlich Einnahmen zu erzielen. Die tägliche LME-Miete für Blei in Singapur beträgt 51 Cent pro Tonne. Die Lagerung von 30.000 Tonnen würde dort 15.300 US-Dollar pro Tag oder mehr als 5 Millionen US-Dollar pro Jahr einbringen.

Zwei der Quellen betonten jedoch, dass es ungewöhnlich wäre, wenn sich Glencore oder Hartree an solchen Mietgeschäften beteiligten. Die genauen Motive hinter den Stornierungen bleiben damit vorerst unklar. Der Bleimarkt dürfte die weiteren Entwicklungen an der LME dennoch aufmerksam verfolgen – insbesondere im Hinblick darauf, ob das Metall tatsächlich zu Endverbrauchern gelangt oder lediglich innerhalb des Handelssystems zirkuliert.

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